" Eintragung ins Handelsregister B Nr. 97 " steht über einem Schreiben des Rat des Kreises Greifswald, datiert vom 20. März 1990. Es ist die " Geburtsurkunde " der Medigreif GmbH. Das Unternehmen feiert sein 20-jähriges Bestehen und ist aus der Krankenhauslandschaft in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr wegzudenken. Das Bördekrankenhaus Neindorf gehört dazu. Aus Anlass dieses Jubiläums sprach Volksstimme-Redakteur Olaf Koch mit dem Verwaltungsdirektor der Medigreif-Unternehmensgruppe, Knut Förster.

Volksstimme : Herr Förster, was muss ein gutes Krankenhaus im 21. Jahrhundert leisten ?

Knut Förster : Das Gleiche wie ein Krankenhaus vor 100 Jahren ; nämlich gute Qualität in der Medizin mit engagiertem Fachpersonal. Und das haben wir. Die Patienten und die niedergelassenen Ärzte schätzen unsere Arbeit.

Volksstimme : Sind Sie mit der Entwicklung der Medigreif-Unternehmensgruppe mit den Krankenhäusern unter anderem in Burg, Zerbst, Gommern-Vogelsang und Neindorf in den vergangenen 20 Jahren zufrieden ?

Förster : Ja, wir haben eine tolle Entwicklung genommen und konnten einige Zwänge, die uns auf wirtschaftlichem Gebiet und in der Politik vorgegeben wurden, mit geeigneten Maßnahmen sehr gut überwinden.

Volksstimme : Seit dem 1. Januar 2010 hat die Rhön Klinikum AG 94 Prozent der Geschäftsanteile der Medigreif Betriebsgesellschaft übernommen. Werden Patienten und Mitarbeiter diesen Wechsel spüren ?

Förster : Die Arbeit mit dem neuen Hauptgesellschafter wird auf jedem Gebiet fruchten. Das Credo der Rhön Klinikum AG " Spitzenmedizin für Jedermann " passt sehr gut zum Medigreif-Credo " Ihre Gesundheit – wir sorgen dafür ". Dieses Zusammenspiel wird sich auch auf die einzelnen Standorte der Unternehmensgruppe und damit für die Patienten positiv auswirken. Für die Mitarbeiter wird sich im Übrigen nichts ändern.

Volksstimme : Wirtschaftlichkeitsrechnungen bestimmen in der heutigen Zeit auch den Bestand von Krankenhäusern. Wie sind diese im Vergleich zu ihren Mitbewerbern aufgestellt ?

Förster : Qualität und Quantität stimmen. Wir stehen mit beiden Beinen fest in der Region und sind ein wichtiger Versorger. Innerhalb der Krankenhäuser beobachten wir aber eine Verschiebung des Patientenstromes. Die Zahlen der Patienten in den Kliniken für Innere Medizin wachsen prozentual deutlich schneller als die Zahlen für die Gesamtkrankenhäuser.

Volksstimme : Worauf ist das zurückzuführen ?

Förster : Das ist eine Folge der demografischen Entwicklung, Menschen werden immer älter. Wir reagieren darauf, in dem wir Geriatrische Zentren einrichten und die Mitarbeiter an entsprechenden Weiterbildungen teilnehmen. Fachlich und strukturell sind wir auf diesen Prozess vorbereitet.

Volksstimme : Die vier Krankenhäuser wurden von der Medigreif-Unternehmensgruppe übernommen. Welche Vorteile haben Sie sich davon versprochen, und wurden diese erfüllt ?

Förster : Die Idee, für die die Medigreif-Unternehmensgruppe steht, hat mich von Anfang an überzeugt. Schauen Sie : Es gibt vier Krankenhäuser, aber eine zentrale Verwaltung. Dies bringt Synergien auf allen Gebieten. Oder ein anderes Beispiel für die Effizienz : Wir haben ein Zentrallabor für alle vier Krankenhäuser. Würde jedes einzelne Haus einen 24-Stunden-Dienst vorhalten, wäre das viel zu teuer. Diese dezentrale Leistungserbringung hat am Ende Vorteile. Heute sind wir auf diesem Gebiet ein Vorzeigeunternehmen.

Volksstimme : Das Krankenhaus Burg gehörte im Jahr 1920 zu den ersten, die Röntgenanlagen verwendeten. Im Jahr 1970 waren es die Burger als Erste im Bezirk Magdeburg mit der Intensivtherapie. Welche technischen Impulse setzen die Krankenhäuser in Zukunft ?

Förster : Wir sind Krankenhäuser der Basisversorgung und können in dieser Frage keine wegweisenden Impulse setzen. Das ist größeren und stärkeren Kliniken vorbehalten. So ehrlich muss man sein. Das bedeutet aber nicht, dass wir dem Standard hinterherlaufen, im Gegenteil.

Volksstimme : Können Sie Beispiele nennen, die das belegen ?

Förster : In Burg haben wir beispielsweise ein so genanntes Ärzteportal, an dem rund 50 Praxen teilnehmen. Die niedergelassenen Ärzte können sich dabei in das Krankenhaussystem einloggen und den Krankheitsverlauf ihrer überwiesenen Patienten nachverfolgen. Auch in Zerbst und Neindorf beginnen wir mit dem Aufbau dieses Systems.

Im Krankenhaus Zerbst haben wir sehr gute Erfahrungen in der Implantation von Herzschrittmachern und Defibrillatoren. In Neindorf wollen wir in Zukunft eine neuartige Wundbehandlung erproben.

Volksstimme : Welchen Stellenwert hat die Krankenpflegeschule in Burg ?

Förster : Einen sehr hohen. Wir bilden den Nachwuchs für das Jerichower Land und für unseren eigenen Verbund aus. Nach wie vor bekommen wir die Klassen voll, es gibt mehr Bewerber als Plätze.

Volksstimme : Stehen in nächster Zeit Sanierungen, Rekonstruktionen oder Neubauten an ?

Förster : Unsere Häuser in Burg, Zerbst und Gommern-Vogelsang sind im Großen und Ganzen baulich abgeschlossen. In Neindorf dagegen stehen wir vor neuen Aufgaben. Dort entsteht ein Bettenhaus, das mit 6, 4 Millionen Euro gefördert wird. Neindorf wird damit das modernste Krankenhaus in der ländlichen Region im westlichen Sachsen-Anhalt werden.

Volksstimme : Folgen die vier Krankenhäuser in Zukunft einer besonderen Ausrichtung ?

Förster : Das Fachkrankenhaus Vogelsang hat einen überregionalen Ruf in der Rheumatologie, Orthopädie und Schmerztherapie. Die anderen Krankenhäuser decken das breite Spektrum der Basisversorgung in hoher Qualität ab. Unser besonderes Augenmerk gilt der Entwicklung der Geriatrischen Zentren, der speziellen Wundbehandlung und der Gelenkchirurgie.

Volksstimme : Vor genau 100 Jahren im Jahr 1910 hat der Kreistag beschlossen, in Burg ein neues Krankenhaus zu bauen, jetzt feiert die Medigreif-Unternehmensgruppe 20-jähriges Jubiläum. Wagen Sie bitte einen Blick voraus : Wo sehen Sie die Einrichtung in 20 Jahren ?

Förster : Die Entwicklung wird kontinuierlich weitergehen, wenn uns die Politik keine Unbekannte in die Rechnung stellen oder eine Standortdiskussion aufgemacht wird. Die strategische Partnerschaft mit der Rhön Klinikum AG bringt Kraft und Schwung. Und wenn am Ende auch das Management stimmt, werden alle Krankenhäuser so bestehen bleiben wie sie heute sind.