Zwei Bereiche des Sozialamtes werden von Oschersleben in den alten Ohrekreis ziehen. Der Oschersleber Betreuungsverein befürchtet eine Verschlechterung der Arbeitsbedingen für die Betreuer.

Oschersleben. Wer einen behinderten Menschen betreut, der hat nicht selten im Sozialamt zu tun. Anträge müssen gestellt, Beratungen eingeholt oder auch Einsprüche eingelegt werden. Und Menschen mit Behinderungen leben im alten Bördekreis, wie allerorts, eine ganze Menge. Allein in der Oschersleber Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten 345 Frauen und Männer. Zudem haben in der Seehäuser Werkstatt der Lebenshilfe 60 behinderte Frauen und Männer ihren Arbeitsplatz, leben im Oschersleber Matthias-Claudius-Haus 129 Menschen mit Behinderungen und im Gröninger DRK-Heim 26.

Die Interessen dieser Frauen und Männer werden zumeist von gerichtlich bestellten Betreuern vertreten, die regelmäßig im Oschersleber Landkreis-Sozialamt zu tun haben. " Und das hat bisher ganz prima geklappt ", sagt Stephan Sigusch. Und der Geschäftsführer vom Oschersleber Betreuungsverein muss es wissen. Denn zum einen sind es Vereinsmitglieder, die die Menschen mit Behinderungen betreuen. Und zum anderen ist es der Verein, der sich um die anderen Betreuer, die nicht selten die Eltern oder andere Verwandte der Betroffenen sind, kümmert, sie beispielsweise aus- und weiterbildet.

Und etliche dieser Betreuer sind jetzt sehr besorgt, weil sich abzeichnet, dass die für sie zuständigen Mitarbeiter des Sozialamtes aus Oschersleben abgezogen und künftig im alten Ohrekreis ihre Arbeitsplätze haben werden. " Wir sind von Betreuern informiert worden, dass Termine, die im Januar für den März vergeben worden sind, im Februar abgesagt wurden ", sagt Sigusch : " Vom Landratsamt selbst haben wir aber noch keine Informationen erhalten. " Über andere Wege sei hingegen durchgesickert, dass von der geplanten Veränderung nicht nur die Betreuer und deren Schützlinge betroffen sein werden, sondern auch alle Pflegefälle, die zur Finanzierung ihrer Pflegeplätze Zuschüsse benötigen, denn neben dem Sozialamtsbereich " Eingliederungsbedarf " soll auch der Bereich " Hilfe zur Pflege " in den alten Ohrekreis umziehen. " Wir haben im alten Bördekreis mehr als 800 Pflegefälle, von denen sicherlich die Hälfte betroffen sein wird ", wie Stephan Sigusch sagt. " Bisher waren die acht Mitarbeiter dieser beiden Bereiche des Sozialamtes in Oschersleben fünf Tage die Woche für die Betroffenen da, die sich ja mitunter in Krisensituationen befinden und manchmal schnelle Hilfe brauchen. Ich teile die Befürchtungen der Betreuer, dass sich nun die Situation für sie und damit auch für die Betreuten verschlechtern wird. "

Und Sigusch erinnert daran, dass seinerzeit verspochen worden war, dass sich mit der Kreisfusion für die Bürger nichts verschlechtern und auch der neue Landkreis eine bürgernahe Arbeit leisten werde. " Aber was jetzt geplant ist, hat mit Bürgernähe nichts zu tun ", so Sigusch.

" Wir wollen den Bereich ¿ Hilfe in besonderen Lebenslagen ‘ an einem Ort zusammenziehen ", sagt Sozialamtsleiterin Marlis Lüder auf Volksstimme-Anfrage und bestätigt die Umzugspläne. Zugleich sichert sie aber zu, dass die Leistungen dieses Bereichs auch weiterhin im vollen Umfang in Oschersleben angeboten werden. Und zwar würden die Mitarbeiter beider Bereiche zu Sprechtagen nach Oschersleben kommen, die jeden Dienstag von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr stattfinden. " Wir werden sehen, wie sich das entwickelt und gegebenenfalls dieses Sprechtagsangebot noch erweitern ", so Marlis Lüder.