Technische Daten

• Wärmerückgewinnungsanlage :

• Baukosten : 110 000 Euro

• Amortisationszeitraum :

5 Jahre

• Einbauablauf : Vorbereitungsarbeiten im Oktober 2009 Montage der Wärmetauschermodule im Dezember 2009 Inbetriebnahme / Probelauf am 5. Januar 2010

• Luftleistung : 20 000 Kubikmeter pro Stunde

• Temperaturaustauschgrad : 85 Prozent ( zuvor 0 Prozent )

• CO -Einsparung : 74 Tonnen pro Jahr

• Ermittelter Durchschnittsverbrauch der Altanlage : 21 339 Kubikmeter

• Verbrauch der Neuanlage im Monat Januar : 13 563 Kubikmeter

• Ersparnis von 7 776 Kubikmetern ( entspricht 36 Prozent ).

Dezember 2009 : Der Stadtrat Oschersleben sieht sich vor einem unerwartet hohen Haushaltsloch. Fehlende Gewerbesteuereinnahmen plus gestiegene Ausgaben machen ein Haushaltskonsolidierungskonzept notwendig. Dass Geld aber auch durch neue Investitionen eingespart werden kann, zeigt die städtische Volksschwimmhalle.

Oschersleben. 110 000 Euro Baukosten : Das klingt nicht nach Einsparungsmaßnahmen. Die sind allerdings nötig, will der Stadtrat seinen Haushalt schnellstmöglich wieder in ruhiges Fahrwasser bringen. Dass aber eine Investition eben doch Einsparpotential besitzen kann, beweist eben diese 110 000 Euro teure Investition in die städtische Volksschwimmhalle im Peseckendorfer Weg.

Bereits im Dezember wurde aus der Vision des Oschersleber Masterstudenten Dennis Herbert ein festes Vorhaben. In seiner Abschlussarbeit zum Thema Schwimmhalle Oschersleben zeigte er Möglichkeiten auf, das Bad effektiver und kostengünstiger zu nutzen. Und unter anderem bewies der Student in der Theorie, dass eine modernisierte Lüftungsanlage binnen kürzester Zeit kosteneffektiv laufen könnte.

Diesen Vorschlag nahmen die Verantwortlichen von Stadt und Volksschwimmhalle gern auf, setzten das Projekt noch im Dezember in die Tat um.

" Die alte Lüftungsanlage gab die warme Luft aus der Halle an die Umwelt ab. Diese Technik war aber überaltet ", gibt Angela Woldt Auskunft im Gespräch mit der Volksstimme. Eine neue Anlage musste her : " Die erhitzte Luft im Badebereich wird mit dem neuen Gerät abgesaugt und wieder in den Belüftungskreislauf eingeführt. Die warme Luft beheizt in speziellen Wärmetauscher-Modulen Wasser, das wiederum zur Erwärmung der Frischluft genutzt werden kann ", erklärt die Hochbauamtsexpertin das neue System.

Mit dieser Wärmerückgewinnungsanlage lässt sich also bares Geld sparen, da weniger Energie benötigt wird.

Oscherslebens Bürgermeister Dieter Klenke dürfte aber dennoch einige Bauchschmerzen verspürt haben, als die Anschaffungs- und Montagekosten auf seinem Schreibtisch eingingen. " Eine stolze Summe. Aber wenn Sie die Energiekostenabrechnung sehen, kommen Sie aus dem Staunen nicht mehr raus ", freut sich der Bürgermeister.

4 800 Euro im Monat

Nüchtern betrachtet, bedeutet die technische Neuheit in den Katakomben der Volksschwimmhalle, dass allein im Monat Januar 4 800 Euro weniger in die Energiezulieferung der Halle gesteckt werden mussten, als im Vergleichsmonat 2009. " Das ist schon enorm ", findet auch Hans-Peter Bosse. Der Techniker im Schwimmbad ist begeistert von der Neuheit in " seinem Reich ". " Die Anlage ist super. Auch wir waren überrascht, wie sparsam das Gerät funktioniert ", sagt der Experte. Und die Lüftungstechnik bietet sogar noch einen weiteren Vorteil neben dem Spareffekt, wie Angela Woldt feststellt : " Sie ist leiser. Zwar vernimmt der Besucher noch ein Geräusch, wenn die Anlage anspringt, aber das ist kein Vergleich zum Vorgänger. "

Diesem Erfolgsmodell in Sachen Finanzeinsparung sollen weitere folgen. Laut Berechnungen von Dennis Herbert könnte eine Modernisierung der Beleuchtungsanlage in der Volksschwimmhalle 70 Prozent Energie zum Ist-Bestand einsparen. Diese Investition in die Sparwirtschaft der Stadt Oschersleben steht noch für dieses Jahr an.

Dennoch nimmt Baubetriebsamtsleiter Steffen Czerwienski im Volksstimme-Gespräch allzu optimistischen Stimmen umgehend den Wind aus den Segeln : " Die Schwimmhalle wird nie gewinnbringend laufen. Die Maßnahmen hier dienen einzig dazu, die auflaufenden Kosten für die Stadt als Betreiber so gering wie möglich zu halten. "