Nachdem beim Verein für Alternative Lebensgestaltung Alge das Kündigungsschreiben für ihr Objekt in der Magdeburger Straße 35 einging ( Volksstimme berichtete ), reagierten die Jugendlichen gestern mit einer Kundgebung vor Ort und einem Protestmarsch zum Hauptsitz ihres Vermieters, der Bewos.

Oschersleben. Laute Musik und Kundgebungen über ein Megafon waren gestern rund um das Vereinsgelände der Alge in der Magdeburger Straße weithin zu hören. Die Jugendlichen reagierten mit ihrem Protest auf das Kündigungsschreiben ihres Verpächters vom 4. Februar.

Mit dabei auch Daniel und Felix, die auf dem angrenzenden Supermarktparkplatz Handzettel verteilten. " Es geht uns darum, hierbleiben zu können ", fassten die beiden Jugendlichen ihr Engagement knapp zusammen.

Zu Erinnerung : Die Wohnungsbau- und Verwaltungsgsellschaft Bewos hatte dem Verein das Pachtverhältnis für das Objekt in der Magdeburger Straße mit Wirkung zum 31. Juli gekündigt, nachdem festgestellt wurde, das der Verein den Wohnraum vertragswidrig weitervermietet habe.

" Diesen Verein gibt es hier seit zehn Jahren und mir kann keiner erzählen, dass die nichts davon gewusst haben, dass hier Menschen wohnen ", reagierten nun Vertreter der Alge. Sichtlich empört über die Entscheidung meldeten sie gestern Nachmittag kurzfristig eine Demonstration bei der Polizei an. " Das ist soweit okay, auch wenn die Anmeldung der Veranstaltung sehr kurzfristig kam ", erläuterte Ingolf Siegert vom Oschersleber Polizeikommissariat.

Gegen 17 Uhr brachen die Jugendlichen dann zu einem unangemeldeten Protestmarsch auf. Ziel : Der Verwaltungssitz der Bewos an der Wasserrenne. Mit lauten Rufen nach " Wohnraum denen, die ihn brauchen " erreichte die etwa 50-köpfige Gruppe das Gebäude, postierte sich vor dem Haupteingang. Im Schlepptau Einsatzfahrzeuge der Polizei, die kurzfristig auf die Kundgebung reagierten.

" Die Alge ist der einzige Anlaufpunkt in der Umgebung für alternative Jugendliche. Hier gibt es einen Proberaum für Bands, ein Café und regelmäßig Konzerte ", erklärten Felix und Daniel den Stellenwert des Vereins in der Stadt. " Es wäre einfach schade, wenn die Jugendlichen hier rausgeworfen werden. Wo sollen sie denn dann hin ?"

Die Alge-Vertreter befürchten bei einer Schließung des Vereinsgebäudes, dass ihre Gemeinschaft zerbrechen könnte. Heftige Kritik äußerten sie am Verhalten des Trink- und Abwasserbands Börde ( TAV ), der " schon immer scharf war auf das Gelände. Die wollen hier einen Parkplatz für ihren Prunkbau hinsetzen ", so die Protestierenden. Kritik geht dabei auch gezielt an die Person Dieter Klenke. Der Bürgermeister soll dem Verein 2008 versprochen haben, das Gelände für sie freizuhalten.