Die Notfallaufnahmen der Krankenhäuser sind derzeit stark belastet. Auf vereisten Straßen und Gehwegen kommt es allzu leicht zum Sturz mit Folgen. Volksstimme-Volontär Michael Pieper besuchte die Unfallchirurgie des Medigreif-Bördekrankenhauses in Neindorf und sprach mit dem Leitenden Chefarzt des Hauses und koordinierenden Arzt des Zentrums für Gelenkchirurgie, Privatdozent Dr. Andreas Machner, über die Situation.

Neindorf. Sie wollte nur noch schnell das Auto in die Garage bringen, um danach gemeinsam mit Ehemann Axel den Feierabend vor dem Fernseher zu genießen. Doch dann kam alles ganz anders. Andrea Rosseck verlor auf dem vereisten Gehweg zwischen Garage und Wohnung das Gleichgewicht und stürzte. " Zum Glück war mein Bruder Martin gleich zur Stelle ", erinnert sich die Verkäuferin aus Ottleben an das Unglück vom vergangenen Dienstag. Bruder Martin Loof reagierte schnell, hob die Schwester behutsam ins Auto und fuhr sie gemeinsam mit Ehemann Axel ins Medigreif-Bördekrankenhaus nach Neindorf. Dort die tragische Diagnose : Schien- und Wadenbeinbruch sowie ein gebrochener Knöchel. Noch in der Notaufnahme wird sie auf eine lange Genesungszeit vorbereitet. " Der behandelnde Arzt sprach von zwölf Wochen ", erklärt Andrea Rosseck im Gespräch mit Volksstimme-Volontär Michael Pieper. Doch bevor die Verkäuferin aus Ottleben bei der Physiotherapie Schritt für Schritt ihr Bein wieder belasten konnte, musste sie zunächst operiert werden. Seitdem unterstützt eine Metallplatte im Unterschenkel den Heilungsprozess.

Lage im Haus ist prekär

" Leider keine Seltenheit bei dieser Witterung ", stellt Dr. Andreas Machner fest. Er arbeitet gemeinsam mit seinem Team seit Wochen an der Belastungsgrenze. " Vorsichtig ausgedrückt, ist die Lage im Haus momentan prekär. Wir haben sehr viele Neuzugänge mit ähnlichen Diagnosen, wie bei Frau Rosseck. " Dabei sind die Ärzte und Schwestern selbst auch nicht vor Unfällen und Krankheit geschützt. " Wir mussten das Krankenhaus sogar schon mehrmals stundenweise beim Notdienst abmelden, weil alle Zimmer und OP-Säle belegt waren ", erinnert sich der Mediziner an die vergangenen Wochen. Zeit zum Luftschnappen bleibt dem Team derweil nicht. " Wir sind froh, dass wir im Januar einen dritten OP-Saal eröffnen konnten. Aber auch diese drei Säle reichen manchmal nicht aus. "

Der Grund : Anhaltender Frost und Schnee führt sowohl auf den Straßen zu Verkehrsunfällen, als auch bei Fußgängern wie Andrea Rosseck. Um dem erhöhten Bedarf im Haus so gut wie möglich standhalten zu können, nutzen die Mitarbeiter alle Möglichkeiten. " Patienten der Unfallchirurgie liegen in allen Stationen des Krankenhauses. Um uns zwei Unfallchirurgen bei den Operationen zu unterstützen, helfen alle Chirurgen des Hauses mit. In letzter Konsequenz mussten wir sogar schon Patienten, bei denen das möglich war, vorfristig aus der stationären Behandlung entlassen und ambulant weiter versorgen ", erklärt Machner.

Alle arbeiten am Limit

Ein großes Lob richtet der Mediziner an die " Riesenbereitschaft " seiner Kollegen. " Egal ob Schwester, Arzt oder Pfleger : Momentan arbeiten alle am Limit. Und ich bin froh, dass alle so mitziehen ", freut sich Andreas Machner über das Engagement seines Teams.

Über eine kurze Verschnaufpause würde er sich aber dennoch freuen, appelliert an die Toleranz der Bürger : " Natürlich kommt es aufgrund der hohen Belastung schon mal zu längeren Wartezeiten auf den Fluren. Aber glauben Sie mir, wir geben unser Bestes. "

Der Mediziner am Bördekrankenhaus hat aber auch Positives zu berichten. " Es kommt zu weniger Hochgeschwindigkeitsunfällen.

Die Autofahrer sind anscheinend wetterbedingt vorsichtiger unterwegs ", freut sich Machner über den Trend.

Um gesund durch den Winter zu kommen, hat der Chirurg noch zwei Ratschläge : " Verzichten Sie auf unnötige Fahrten und Wege. Wer dennoch zu Fuß los muss, sollte auf Spikes unter den Schuhen setzen. " Die Metallnägel erhöhen die Standfestigkeit beim Gehen.