Tierfreunde haben in Oschersleben Alarm geschlagen. Seit Montag dieser Woche haben sie beobachtet, wie auf einer Koppel hinter der Gartenanlage " Vor dem Bruch " drei Pferde ohne Futter bei Schnee und Kälte ausharren müssen. Darunter ein Fohlen, das am Bein verletzt ist. Volksstimme ging der Sache nach.

Oschersleben. Eine mit Schnee bedeckte Koppel hinter der Oschersleber Gartenanlage " Vor dem Bruch ". Darauf stehen drei Pferde, scharren mit den Hufen im Schnee, um Futter zu finden. Vergebens. Darunter ein Fohlen, das sein verletztes Hinterbein hebt, weil es auf ihm vermutlich wegen starker Schmerzen nicht stehen kann. Kaum nähert man sich dem teilweise defekten Metallzaun, recken die Pferde einem ihre Köpfe entgegen. In der Hoffnung, der ihnen unbekannte Besucher hat Futter in der Tasche.

Seit Montag haben tierliebe Anwohner des Sachsenlandes beobachtet, dass die drei Pferde nicht mit Futter und Wasser versorgt werden. " Lieber Pferdebesitzer, kümmern Sie sich um Ihre Pferde. Sie brauchen Wasser und Heu. Das Fohlen benötigt dringend medizinische Hilfe für sein rechtes Hinterbein. Ich bitte Sie nochmals, sich anständig um Ihre Tiere zu kümmern. Ansonsten sehe ich mich gezwungen, das zu melden ", steht handschriftlich auf einem Zettel, den unbekannte Tierliebhaber an die Gattertür klebten.

Jetzt ist Annecarin Quandt, die das Leiden der Pferde seit Tagen beobachtete, der sprichwörtliche Kragen geplatzt. " Montag habe ich mich an das Veterinäramt gewandt, weil es für die Tiere um Leben und Tod geht ", sagte die junge Frau zur Volksstimme. Das Amt habe von ihr gefordert, sie solle ihre Aussage schriftlich einreichen. " In der Hoffnung, dass spätestens Dienstag etwas passiert, habe ich eine E-Mail verfasst. Nachdem sich nichts getan hatte, rief ich nochmals beim Veterinäramt an. Dort sagte man mir, der Fall sei nun bei der Sachbearbeiterin ", schilderte Annecarin Quandt. Bis Mittwoch passierte nichts. " Ich finde das eine außerordentliche Frechheit, bedenkt man, dass die drei Pferde schon tagelang ohne Futter, Wasser und Unterstellmöglichkeiten auskommen müssen. Und das Veterinäramt prüft den Fall schon seit drei Tagen. Ich finde das unfassbar ", war die tierliebe Oschersleberin empört über die Trägheit der Kreisverwaltung.

Und auch gestern, so erfuhr die Volksstimme von einer Bewohnerin des Sachsenlandes, die die Umstände um die hungernden Pferde genau kennt, passierte nichts. Sie habe den Besitzer der Pferde am Telefon aufgefordert, die Pferde endlich mit Futter und Wasser zu versorgen. Das habe der Mann ihr zugesagt.

" Ich werde die Pferde noch heute mit Futter versorgen ", versicherte gestern Dieter Hoffmann aus Klein Wanzleben, dem die Tiere gehören, der Volksstimme. Er sei gerade dabei, einen Strohballen nach Oschersleben zu fahren, um die Tiere zu füttern. Auch werde er sich um das verletzte Fohlen kümmern. Hoffmann, der die Pferde privat hält, vermute, das Tier sei ausgerutscht und habe sich dabei das Bein verletzt. Auf die Frage, warum er denn die Pferde nicht regelmäßig füttere, antwortete Hoffmann, der habe damit eine Frau in Oschersleben beauftragt. Jedoch habe er sie wegen des Wetters nicht mit Futter beliefern können. " Deshalb ist es zu der Verzögerung gekommen ", begründete Hoffmann den Futterengpass.

" Ich werde mir morgen die Sache vor Ort anschauen und dann entscheiden, was zu tun ist ", sagte gestern Dr. Karl-Heinz Genz, Leiter des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes beim Landkreis Börde, auf Volksstimme-Nachfrage. Pferde würden nach seiner Darstellung Außentemperaturen von minus 20 Grad durchaus aushalten können. " Sie brauchen aber ausreichend zu fressen und zu saufen ", forderte der Amtsleiter, der mit dem Pferdebesitzer gesprochen habe und dessen Angaben überprüfen wolle.