Die Deutsche Bahn hält an ihrem Plan fest, in Oschersleben einen Tunnel unter der Eisenbahnstrecke zu bauen. Als möglichen Realisierungszeitraum nennt Oscherslebens Bürgermeister Dieter Klenke im Volksstimme-Gespräch die Spanne von 2012 bis 2013.

Oschersleben. " Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Deutsche Bahn Abstriche von ihrem Plan macht, in Oschersleben in den Jahren 2012 bis 2013 im Bereich Magdeburger Straße / Schermcker Straße den Tunnel unter der Eisenbahnstrecke zu bauen ", verdeutlicht Oscherslebens Bürgermeister Dieter Klenke gegenüber der Volksstimme. Nach einer Bauzeit von etwa zwei Jahren wird der Fahrzeugverkehr durch die Betonröhre fließen, wird der Tunnel das Oschersleber Stadtbild nachhaltig verändern und werden die Wartezeiten vor den geschlossenen Bahnschranken überflüssig sein.

Etwa 13 Millionen Euro soll der Tunnelbau in Oschersleben kosten. Nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz teilen sich Bund, Land und die Stadt Oschersleben die Kosten, wobei die Anteile sehr unterschiedlich ausfallen und der Bärenanteil der Kosten von Bund und Land zu tragen sei. " Die Stadt ist mit vergleichsweise geringen Kosten von 119 000 Euro für die Nebenanlagen wie Gehwegen mit im Boot ", sagt Klenke. Alle am Projekt beteiligten Partner haben bislang etwa eine Millionen Euro für Vorleistungen am Mammutbauwerk ausgegeben. Allein die Stadt Oschersleben hat bisher Planungskosten von 138 000 Euro vorgestreckt, die später verrechnet werden sollen.

An der Notwendigkeit, in Oschersleben einen Tunnel unter der Eisenbahnstrecke zu bauen, lässt der Bürgermeister keinen Zweifel. Nach den Zahlen der Bahn gebe es in Oschersleben täglich im Zeitraum von 4. 30 Uhr bis 23. 38 Uhr Schrankenschließzeiten mit einer Dauer von 6, 4 Stunden. Die würden sich negativ auf den Verkehrsfluss in der Bodestadt auswirken und mit der Inbetriebnahme des Tunnels der Vergangenheit angehören.

Wird der Eisenbahntunnel in Oschersleben gebaut, wird die Bahn drei Bahnübergänge schließen. Und damit die Kosten für den Unterhalt der Anlagen einsparen. Der Punkt, der überhaupt den Tunnelbau aus Sicht der Bahner erst rechtfertigt. Geschlossen wird dann der Bahnübergang Magdeburger Straße / Schermcker Straße, wo ja dann der Tunnel entsteht. Zudem werden die Bahnübergänge in der Fabrikstraße und der Kleinen Anderslebener Straße geschlossen. Das heißt, an diesen Punkten können Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger die Eisenbahnstrecke nicht mehr überqueren. " Dort entstehen dann an den geschlossenen Bahnübergängen Wendehämmer ", nennt Klenke die Auswirkungen. Aber gerade in der Fabrikstraße ist ein verstärkter Fußgängerverkehr vom Wohngebiet " Wasserrenne " in Richtung Stadtmitte zu verzeichnen. Ob die Bahn plant, dort eine Fußgängerbrücke zu bauen ? " Das kann ich mir nicht vorstellen und ist auch nicht Bestandteil der Bahn-Pläne ", antwortet Klenke. Die Fußgänger, die bislang den Übergang Fabrikstraße nutzen, müssen ab 2012 entweder den Tunnel oder den Bahnübergang in der Thälmannstraße nutzen.

Einen Konflikt sieht Dieter Klenke zwischen dem Tunnelbau und dem 2011 geplanten Ausbau der Hornhäuser Straße vom Kreisverkehr in der Lindenstraße in Richtung Ortsausgang nach Hornhausen. " Beide Bauprojekte zeitgleich kann die Stadt nicht verkraften ", sagt der Bürgermeister mit Hinweis auf die zu erwartenden Umleitungsstrecken. Er mahnt an, dass die Bahn und der Baulastträger für die Hornhäuser Straße noch die Abläufe ihrer Vorhaben abstimmen müssen. Die Möglichkeit eines Verkehrschaos sei für Klenke durchaus real, " da die Gefahr vorhanden ist, dass die Bahn darauf keine Rücksicht nimmt ".