Das Kreis-Jugendamt hat dem Jugendhilfeausschuss des Kreistages auf der letzten Sitzung in diesem Jahr einen ersten Bericht zur durchgeführten Qualitäts-Umfrage an Kindertagesstätten im Landkreis gegeben. 26 Einrichtungen hatten sich an der Pilot-Umfrage Anfang des Jahres beteiligt. Die bereits abgeschlossene Auswertung der Elternfragebögen ergab, dass die deutliche Mehrheit der befragten Eltern mit der Kinderbetreuung zufrieden ist. Die Auswertung der Umfrage mit den 26 Einrichtungen und deren Trägern läuft indes noch weiter.

Landkreis Börde. Wie läuft die qualitative Arbeit in den Kindertagesstätten des Landkreises ? Inwieweit wird das 2004 eingeführte Bildungsprogramm " Bildung elementar – Bildung von Anfang an " bereits umgesetzt ? Diesen Fragen wollte das Jugendamt mit einer Pilot-Umfrage nachgehen und so einen Einblick in die qualitative Arbeit der Kindereinrichtungen bekommen. 174 Kindereinrichtungen wurden angeschrieben, aus denen letztlich 26 Freiwillige ausgewählt wurden. An diesen Einrichtungen wurden Fragenkataloge verteilt.

Zum einen sollten die Kita-Leiterinnen selbst einen Fragebogen beantworten. Zum anderen bekamen die Eltern einen Fragebogen. Die Eltern sollten darin etliche Fragen beantworten. Unter anderem wurde gefragt, wie die Eltern die Beziehung zwischen Erzieherin und Kind, den Kindern untereinander, die Einbeziehung der Eltern in die Arbeit der Einrichtung oder die Kooperation zwischen den Erzieherinnen beurteilen. Auch das Thema Verhaltensregeln und Disziplin spielte in dem Elternfragebogen eine Rolle.

Das Ziel scheint

aus den Augen

verloren zu sein

Mittlerweile hat das Jugendamt sämtliche zurückgeschickten Unterlagen gesichtet. Doch die Auswertung des Pilotprojektes ist damit längst noch nicht abgeschlossen, so Jugendamtsleiter Hans-Joachim Jacobi. Denn es gehe nicht allein darum, die Fragebögen auszuwerten, das Amt besuche auch die jeweilige Einrichtung, sehe sich selbst vor Ort um und spreche mit den Trägern der Kitas, den Erzieherinnen und auch Eltern über die Ergebnisse. Dies sei bisher nicht für alle geschafft worden. Sechs Einrichtungen habe das Jugendamt bislang besucht, drei Gespräche mit Trägern, Erzieherinnen und Eltern geführt. Daher ließen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine repräsentativen Ergebnisse für den Landkreis Börde darstellen.

" Wir waren von der Fülle der Daten überrascht. Außerdem waren in diesem Jahr durch die vielen Baumaßnahmen an Kindereinrichtungen im Landkreis viele Kräfte anderweitig gebunden ", erläuterte Jacobi, warum sein Amt mehr Zeit brauche.

Die bislang gesichteten Daten geben ein recht buntes Bild. So schätzten die Leiterinnen im " Kita-Fragebogen " die Personalsituation als durchweg gut ein. Die Beurteilung des Betreuer-Kind-Verhältnisses schnitt in der Befragung sogar sehr gut ab. Allerdings gebe es aus Sicht der Kita-Leiterinnen offenbar ein Manko bei der Kommunikation und direkten Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeiterinnen und dem Träger der Einrichtung.

80 Prozent loben

die Beziehung

Betreuer-Kind

Auffällig in der ersten Auswertung ist laut Jugendamt, dass die Kitas, nachdem sie sich ein Konzept gegeben haben, mittlerweile gar nicht mehr schauen, wo sie jetzt eigentlich stehen. Das Ziel scheine aus den Augen verloren, die Fortschreibung des Konzeptes werde " sehr stiefmütterlich behandelt ".

Einen sehr großen Rahmen in der Auswertung im Jugendamt nahmen die Elternfragebögen ein. 1600 Fragebögen seien ausgegeben worden, 950 kamen ausgefüllt zurück, bei 260 hatten Eltern zudem noch persönliche Anmerkungen gemacht. Mit dieser hohen Zahl hatte das Amt nicht gerechnet, sei darüber aber sehr erfreut gewesen.

Die Auswertung der Elternfragebögen zeigte ein recht positives Bild. Die deutliche Mehrheit der Befragten äußerte sich positiv darüber, wie ihr Kind betreut wird. 80 Prozent lobten die Beziehung zwischen Betreuer und Kind, 77 Prozent die Verhaltensregeln und die Disziplin und 73 Prozent die Beziehung der Kinder untereinander. Allerdings bemängelten auch 11 Prozent die Begleitung der Kinder.

Außerdem hätten 11 Eltern den Punkt ausgefüllt, dass Erzieher körperliche Gewalt anwenden würden, auch die Punkte Schreien und Maßregeln seien vereinzelt angekreuzt worden. Hier sei jede Nennung zuviel, stellte das Jugendamt klar. In diesen Fällen habe es auch schon Gespräche mit den jeweiligen Einrichtungen gegeben.

Nachdenklich stimmt das Amt, dass nur zwei Drittel der Befragten die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Einrichtung als positiv einschätzten. Offenbar tun sich einige Einrichtungen bisweilen schwer, die Eltern mit einzubeziehen, so ein Fazit.

Bei den persönlichen Anmerkungen der Eltern in den 260 Fragebögen hielten sich positive wie negative Einschätzungen zu bestimmten Themen in etwa die Waage. Positiv genannt wurden unter anderen der freundliche Umgang der Erzieherinnen, die familiäre Atmosphäre in der Einrichtung sowie die Ausstattung der Kita. Bemängelt wurden indes in den persönlichen Anmerkungen teils auch unfreundliche Erzieherinnen, ein ständiger Erzieherwechsel, ein im Alltag nicht erkennbares pädagogisches Konzept sowie die Betreuungszeiten, vor allem, dass es nach 17 Uhr keine Betreuung gebe.

Nach den ersten Auswertungen wartet nun noch jede Menge Arbeit auf das Jugendamt, denn die Umfrageergebnisse aller 26 Einrichtungen sollen natürlich ausgewertet werden, stellte Hans-Joachim Jacobi klar. Die Frage sei nur, ob die Qualitäts-Umfrage nach dem Pilot-Projekt weitergeführt werden soll, oder nicht. Und wenn ja, dann müsse über den Umfang der Fragenkataloge nochmals nachgedacht werden. Der Ausschuss befürwortete, dass die Auswertung der ersten Umfrage auch zu Ende geführt wird. Danach müsse entschieden werden, ob es noch einmal eine solch umfangreiche Umfrage für die verbliebenen Kindereinrichtungen im Landkreis geben werde.

Eines hoben Jugendamt und Ausschuss noch einmal hervor : Bei der Umfrage gehe es ausschließlich darum, einen ersten Ansatz zu finden, um in die Qualität der pädagogischen Arbeit hineinzuschauen. Es ginge nicht darum, Einrichtungen zu bewerten und daraus ein Liste der Besten oder Schlechtesten zu erstellen. Vielmehr gehe es darum, den aktuellen Stand zu dokumentieren und einen Erfahrungsaustausch zwischen den Einrichtungen in Gang zu bringen.