Nicht zu Gold, aber zu Pellets und großen Paketen zum Verfüttern oder als Einstreu, wird Stroh in Klein Oschersleben verarbeitet. Die Verschoor Gruppe hat am Ortsteil Bahnhof eine moderne Produktionsanlage in Betrieb genommen und bewältigt gerade die Startphase.

Klein Oschersleben. In das große " Zelt " inmitten der riesigen Strohdiemen auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik ist Leben eingezogen. Wenn auch später als geplant, wie Ayo van Zeh von der Firma Verschoor berichtet. Die Inbetriebnahme der Hightech-Maschinen erforderte doch mehr Zeit und vor allen Dingen Fingerspitzengefühl. Die modernen Maschinen wurden aus Dänemark geliefert und von deutschen Experten aufgebaut. Und inzwischen der großen Anlage fand, im Gegensatz zur riesigen Produktionshalle aus Kunststoffbahnen, die gemauerte Schaltzentrale samt Sanitäranlagen ihren Platz. Von der Schaltzentrale aus werden die Maschinen gesteuert, geben Monitore Auskunft, wie die Maschinen laufen, zeigen Störungen an.

Auch wenn die Maschinen aus Dänemark kamen, so haben doch auch deutsche Firmen und vor allem kleine Unternehmen direkt aus der Umgebung von der Investition der Firmengruppe Verschoor profitiert. So installierte eine Kroppenstedter Firma die Heizung und Sanitäranlagen und eine Elektriker-Firma die komplizierten Schaltungen. " Nicht unerhebliche Vorgaben seitens der Berufsgenossenschaft waren vor Inbetriebnahme zu erfüllen ", berichtet Ayo van Zeh. " Wir wollten es 100 Prozent richtig machen, das rechtfertigt den höheren Aufwand. "

Wer das Areal genauer in Augenschein nimmt, der wird bereits festgestellt haben, dass die ersten riesigen Diemen geschrumpft sind, das erste Stroh bereits verarbeitet ist. Wie funktioniert das eigentlich ? Den Produktionsablauf beschreibt Ayo van Zeh so : Das gelagerte Stroh wird mittels Spezialstaplerfahrzeugen in die Halle gebracht und vor der eigentlichen Anlage wird der Ballen auseinandergerissen. Das nun lose Stroh geht dann über ein Förderband in den eigentlichen Zerreißer und von dort in eine Hammermühle. In dieser Mühle sind verschiedene Siebe. Sie sorgen dafür, dass das Stroh in verschiedene Längen von einem bis fünf Zentimeter geschnitten wird. " Das richtet sich nach den Wünschen der Kunden. Es ist kein Problem, die Siebe zu wechseln. Es dauert etwa eine halbe Stunde ", erklärt Ayo van Zeh. Hat das Stroh die Siebe in der Hammermühle passiert, geht es zum Zyklon, wo auch der letzte Staub dem Stroh entzogen wird. Eine zweite Variante sieht vor, dass das klein geschnittene Stroh über ein Trommelsieb läuft, wo kleinste Feinanteile herausgesiebt werden. " So erhält man ein noch sauberes Produkt ", so van Zeh. Die letzte Etappe des Strohs ist dann die Presse, wo die Ballen entstehen. Hier wird das Stroh zum Ballen gepresst, verdichtet und mit Folie umwickelt. So können die fertigen Ballen als Einstreu oder Futter an die Kunden geliefert werden. Die gleiche Prozedur macht das Stroh " durch ", um daraus Pellets herzustellen. Das klein geschnittene Stroh gelangt aber nicht in die Ballenpresse sondern über ein Puffersilo in die Kaltpresse, wo die Pellets gespresst werden. Aus dieser Presse gelangen die Pellets über ein Kühlband in Behälter. Die Pellets können lose oder in Bigpacks an die Kunden gelangen. Da die gesamte Anlage noch in der Einarbeitung ist, ist es auch reine Spekulation zu sagen, wie viel Stroh pro Tag oder Woche verarbeitet werden kann. " Wir kennen die Grenzen nicht, das müssen wir testen ", meint Ayo von Zeh. Und genau wie die Maschinen in der Einarbeitungsphase stecken, sind es auch die neuen sechs Mitarbeiter, die sich mit der modernen Technik vertraut machen müssen. Bei den riesigen Mengen von Stroh kommt dem Brandschutz eine besondere Bedeutung zu. Ordnungsamt und Feuerwehren haben bereits einen Rundgang gemacht und die Löschanlagen kontrolliert. Vor die Silos wurden beispielsweise Sprinkleranlagen mit Sensoren gesetzt. Mehr als zwei Millionen Euro hat die Verschoor Gruppe in die Strohverarbeitung investiert.