Oschersleben. Im Auftrag der Stadt Oschersleben schneiden in der Schöninger Straße Mitarbeiter des Baubetriebsamtes die Bäume radikal zurück. " Das Ausästen geht auf einen Beschluss des Bauausschusses zurück ", sagte gestern Bürgermeister Dieter Klenke auf Volksstimme-Anfrage. Immer wieder hätten sich Mieter der Mehrgeschosser von Bewos und " Neues Leben " beschwert, dass die Bäume ihnen in den Wohnungen das Licht nehmen würden. Deshalb der Entschluss der Stadt, den Grünstreifen auszulichten und neu zu gestalten.

Das gefällt nicht allen Bewohnern der Schöninger Straße. " Uns wird ein Stück Lebensqualität genommen ", beschwerte sich Maria Wieczorek, die in der Schöninger Straße 4 im vierten Stock wohnt, bei der Volksstimme über die von der Stadt ausgelöste Baumattacke. Sie und ihre Söhne Thomas und Michael Wieczorek machten sich vorgestern Abend in der Schöninger Straße auf, um Mitmieter nach ihren Meinungen zur Bäumfällaktion zu befragen. Das Ergebnis war eindeutig. Von den 78 befragten Mietern in der Schöninger Straße 1 bis 9 sprachen sich 58 gegen das Fällen aus, 16 waren dafür und vier enthielten sich der Stimme. " Wir wollen jetzt Briefe an die beiden Vermieter schreiben, in dem wir unseren Protest zum Ausdruck bringen und die Unterschriftenlisten anheften ", kündigte Maria Wieczorek an. Wohl wissend, gegen die Aktion nichts mehr ausrichten zu können. " In einer Mieterversammlung hätte wir vorher über die Baumfällaktion unterrichtet werden müssen ", warf sie Stadt, " Neues Leben " und Bewos vor. Viele der Mieter würden seit mehr als 30 Jahren in ihren Wohnungen leben und fühlten sich durch die Baumfällaktion der Stadt regelrecht überfahren.

" Es wird hinreichend Ersatzpflanzungen geben ", versicherte Oscherslebens Baubetriebsamtsleiter Steffen Czerwienski gestern gegenüber der Volksstimme. Im Bereich der Schöninger Straße 1 bis 7 werden fast alle Bäume gefällt, später die Wurzeln aus der Erde gerodet. Dann sei für die Stadt zu sehen, welche Freiflächen sie im " grünen Band " der Schöninger Straße zum Neugestalten zur Verfügung habe. Im Frühjahr sollen dann im gesamten Bereich der Straße von der Wasserrenne bis zur Breitscheidstraße Rotdornbäume gepflanzt werden, die nicht mehr so hoch wachsen und zu viel Schatten in die Wohnungen werfen. Hinzu kommen Büsche der Sorten Jasmin, Blutjohannisbeere, Schneebeere und Forsythien. Die Stadt verfolge das Ziel, das " grüne Band " solle in bunter Pracht erblühen. Zudem werde in dem Grüngürtel Rasen ausgesät.

Das Projekt in der Schöninger Straße, das etwa 3 500 Euro für Pflanzen und Gerätemiete kostet, bezahlt die Stadt aus eigener Tasche. Das Vorhaben war aus dem Förderprogramm Wohnumfeldgestaltung gestrichen wurden.