Haldensleben. In Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise werden von Seiten der Politik auch Abstriche im sozialen Sektor gemacht. Die geplanten Kürzungen der Fördermittel für Kinder- und Jugendarbeit ab 2011 waren Dienstagabend Thema bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit Fachkräften und Politikern in der Kulturfabrik Haldensleben.

Die Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis Börde steht auf wackligen Füßen : Der Haushaltsplanentwurf des Sozialministeriums sieht vor, die Förderung für das Fachkräfteprogramm ab 2011 zu halbieren. Dieses bildet neben der Jugendpauschale die Grundlage der Förderung. Was würde das für die offene Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis bedeuten ? Wie sieht die Arbeit mit Jugend eigentlich aus ? Wie kann Jugendarbeit Politik unterstützen ? Was kann Politik in Zeiten des demografischen Wandels leisten ?

Diese und weitere Fragen wurden Dienstagabend auf den Tisch gebracht. Stellung dazu nahmen zunächst die Fachkräfte Kai Luniak vom Jugendfreizeitzentrum " Der Club " Haldensleben, Enrico Viohl von der Netzwerkstelle " Schulerfolg sichern " und Rolf Hanselmann vom Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt.

" Manchmal habe ich den Eindruck, dass es im Landkreis Börde die letzten Leuchttürme der offenen Jugendarbeit gibt, wo sich die Jugend auch willkommen fühlt ", so Clubleiter Kai Luniak. Denn seiner Meinung nach sei die heutige Gesellschaft nicht unbedingt kinder- und jugendfreundlich. Dass vor allem die Schnittstelle Schule zwischen Familie und Jugendarbeit wichtig ist, brachte Enrico Viohl an, der klar machte : " Wir dürfen nicht darüber diskutieren, finanzielle Abstriche hinzunehmen. " Das Problem der Messbarkeit von qualitativer Jugendarbeit stellte Rolf Hanselmann in den Raum. Er stellte zudem fest, dass es in den Jahren 2002 bis 2006 einen Rückgang der Kinder- und Jugendeinrichtungen im Land von 20 Prozent gegeben habe. " Viele junge Leute verlassen Sachsen-Anhalt. Unsere Jugend ist ein knappes Gut und sollte uns daher teuer genug sein, um sie zu pflegen ", so Hanselmann. Bei der Diskussion kam auch heraus, dass ein klares Zusammengehen zwischen Jugend und Politik erwünscht ist. Netzwerkkoordinator Enrico Viohl möchte vor allem eine dauerhafte Planungssicherheit für die Träger.

Moderiert wurde das Podium von Siegfried Hutsch vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Sachsen-Anhalt, der die Diskussion auf die anwesenden Vertreter der Politik umschwenkte. Rita Mittendorf ( SPD ), Wulf Gallert ( Die Linke ), Holger Stahlknecht ( CDU ) und der Dezernent für Soziales des Landkreises, Joachim Hoeft, positionierten sich durchweg für die Notwendigkeit der Förderung von Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis. Hoeft machte aber auch darauf aufmerksam, dass der demografische Wandel und die unterschiedlichen Strukturen eine große Herausforderung darstellen.

Wulf Gallert ging anschließend auf konkrete Fördersummen ein. So soll das Fachkräfteprogramm 2010 genau wie im Vorjahr mit 3, 5 Millionen Euro und 30 Prozent Kofinanzierung durch die Kommunen gefördert werden. Erst ab 2011 sieht das Land eine Kürzung auf 3 Millionen Euro vor, mit 50 Prozent Anteil der Kommunen. Das Problem sei, ob die Kommunen das Geld in Zukunft überhaupt aufbringen könnten. Mittendorf versicherte aber, dass der beschlossene Haushaltsplan keine Veränderungen zu erwarten hätte und somit die Planungssicherheit für 2010 / 2011 gegeben wäre. " Der Hammer fällt im Januar ", so die SPD-Abgeordnete. Einig waren sich alle Podiumsgäste darin, dass Jugendarbeit stabil gefördert werden sollte und dass neue Strukturen benötigt werden. Ebenso wurde der Wunsch zum direkten Gespräch mit allen Beteiligten geäußert. Die Podiumsdiskussion bildete den ersten Schritt dazu hin.