Oschersleben ( mg ). Für die Veranstaltungsreihe " Literatur im Lesecafé " hatte die Oschersleber Stadtbibliothek diesmal zu einer Lesung mit Dr. Walter Merfert eingeladen. Der ehemalige ehrenamtliche Museumsleiter des Klosters Hadmersleben hatte seine Autobiographie mitgebracht : " Zwischen Winckelmann und Ferdinand Heine ".

Hannelore Wedler, die das Lesecafé betreut und organisiert, freute sich über den Gast mit seinem bewegten Leben : " Es ist sehr beeindruckend – Ihr Engagement und wie Sie die Dinge in Ihrem Leben immer angepackt haben. " Sie verwies aber auch auf die Episode, als Merfert die Ehrenbürgerschaft in Hadmersleben zunächst verliehen und später wieder aberkannt wurde. Wegen Kontakten zur Staatssicherheit, wie Merfert im Anschluss an die Begrüßung klarmachte. Darüber sprach er auch im ersten Teil der Lesestunde, zitierte aus den Akten der Stasi, die damals über ihn geführt wurden und die er in der Nachwendezeit eingesehen hatte. Darin, so Merfert, zeugen die Vermerke der Stasi-Leute von " unüberbrückbaren ideologischen Differenzen ". Eine Meinung sollten sich die Gäste selbst bilden, schloss er ab.

Dieses Kapitel reiht sich im Buch des 80 jährigen Merfert in die Bescheibung seiner wichtigsten Lebensstationen seit dem Volksschulbesuch in Glatz ( Niederschlesien ) ein.

Besonders interessiert zeigten sich die Besucher neben der Diskussion um die Ehrenbürgerschaft an seiner Zeit in amerikanischer Kriegsgefangenschaft und als Zwangsarbeiter in Tschechien 1945 bis 1946.