Die Mieter der Oschersleber Humboldtstraße 15 waren geschockt, als sie im Briefkasten die Androhung einer Sperrung ihrer Trinkwasserversorgung entdeckten. Der Vermieter kam mit den Zahlungen an den Versorger in Verzug. Volksstimme hakte nach.

Oschersleben. " Ich dachte, mich trifft der Schlag, als ich den Brief der Trinkwasserversorgung im Briefkasten sah ", erzählte uns Peter Römmer am Lesertelefon der Volksstimme. Was war geschehen ? Peter Römmer und die anderen Hausbewohner der Oschersleber Humboldt Straße 15 wurden in einem förmlichen Schreiben des Trink- und Abwasserverbandes Börde darauf hingewiesen, dass ab der kommenden Woche die Versorgung mit Trinkwasser durch das Unternehmen gesperrt würde. In seiner Sorge meldete sich Römmer umgehend bei seinem Vermieter - der Beratungsgesellschaft " KANTON 27 " mbH in Berlin. Doch dort bekam er nur die Antwort : " Wir wissen von nichts !" Mit der Bitte um Hilfe wandte sich Römmer an die Redaktion. Volksstimme hakte nach.

Ein Telefonat mit Vinny Zielske, Verbandsgeschäftsführerin des Trink- und Abwasserverbands, brachte erstes Licht ins Dunkel : " Der Hausverwalter, also die Beratungsgesellschaft, hatte bei uns noch ausstehende Zahlungen zu leisten. Da auf mehrere Mahnungen nicht reagiert wurde, mussten wir uns zu diesem Schritt entscheiden ", so Zielske.

In Berlin stellte Jessica Hansch, Mitarbeiterin der Beratungsgesellschaft, die Situation anders dar. " Androhung per Brief und Zahlungseingang beim Versorgungsbetrieb hatten sich einfach zeitlich überschnitten ", erklärte Hansch am Telefon. Warum diese Auskunft dem Mieter Peter Römmer nicht gegeben werden konnte, bleibt fraglich.

Wieder mit Vinny Zielske vom Verband im Gespräch, drehte sich das Blatt abermals. " Die Firma hatte sich nach der Sperrdrohung bei uns gemeldet und sich von unserer Sachbearbeiterin alle Informationen zu ausstehenden Forderungen geben lassen. Und das mit dem Vermerk, die Rechnungen seien verlegt worden ", klärte die Geschäftsführerin auf.

Gestern dann meldete sich Vinny Zielske mit einer guten Nachricht für die Bewohner der Humboldtstraße in der Redaktion : " Das Geld ist da, die Sperrung damit hinfällig ". Doch nicht allein die Fehlinformationen der Berliner Verwaltungsfirma lassen einen faden Beigeschmack bei Mieter Peter Römmer zurück : " Wenn die Zahlung eingegangen ist, bleibt uns wenigstens die Wassersperre erspart. Aber was kommt denn als Nächstes ? Strom, Gas ? Ich bin sehr unzufrieden mit den Methoden dieser Firma ", urteilte Römmer über das Ergebnis der Recherche. " So was ist bei der Bewos nicht passiert ", resümierte der verärgerte Mieter. Bewos-Geschäftsführer Hans Walker dazu : " Wir wissen von den Vorgängen in der Humboldtstraße 15. Aber da dürfen wir heute nicht mehr eingreifen ", so Walker. Das Wohnhaus wurde bis vor einem halben Jahr von der Oschersleber Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft betreut. " Dann wurde uns vom Eigentümer der Vertrag gekündigt ", so Walker. Seitdem wird das Gebäude in der Humboldtstraße von der Berliner Firma verwaltet.