Oschersleben und Schöningen verbindet seit dem 2. Februar 1990 eine Städtepartnerschaft. Während im Herbst dieses Jahres der 20. Jahrestag des Mauerfalls in Deutschland gefeiert wird, kamen die Beziehungen im November 1989 zwischen den Städten in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen in Gang. Drei Männer, die damals hautnah dabei waren, sind der letzte DDR-Bürgermeister Oscherslebens, Karl-Heinz Skrzypczak, der Oschersleber Hans-Peter Dietrich, zu dieser Zeit ehrenamtliches Oschersleber Ratsmitglied für Dienstleistungen, und Gerhard Gloger, damals SPD-Ortsrat in Esbeck, einem Ortsteil von Schöningen.

Oschersleben / Schöningen. Neben der Städtepartnerschaft von Oschersleben und Schöningen verbindet Karl-Heinz Skrzypczak ( 70 ), Hans-Peter Dietrich ( 67 ) und Gerhard Gloger ( 70 ) eine Flasche Bier. Diese Flasche Bier der Sorte Gambrinus wurde 1990 in der Germania Brauerei Oschersleben gebraut, ist immer noch ungeöffnet, der Gerstensaft fast noch klar. Nur der Kronkorken rostet. Neben dem handelsüblichen Etikett trägt die 0, 33-Liter-Flasche zum Preis von 0, 76 DDR-Mark ein weiteres mit der Aufschrift " Oschersleben-Schöningen-Partnerbräu ". Diese Flasche ist im Besitz von Gerhard Gloger in Esbeck, einem Ortsteil von Schöningen, und wahrscheinlich die letzte, ungeöffnete dieser besonderen Gerstensaft-Abfüllung.

Die Oschersleber Delegation hatte das Bier mit dem besonderen Etikett mit zur Feierstunde nach Schöningen gebracht, die sich am 2. Februar 1990 im Herzoginnensaal des Schlosses der Elmstadt der feierlicher Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde anschloss. " Die Partnerschaftsbräu-Etiketten hatten meine Mitarbeiter und ich mit Büroleim auf die Flaschen geklebt ", erinnerte sich Karl-Heinz Skrzypczak, letzter DDR-Bürgermeister Oscherslebens, bei einem von der Volksstimme angeregten Treffen mit Gerhard Gloger und Hans-Peter Dietrich im Schöninger Ortsteil Esbeck. Die Oschersleber Germania-Brauerei hatte für die Partnerschaftsfeier 25 Kästen Bier spendiert, 750 Flaschen, die in einem Barkas 1000 von Ost nach West gefahren wurden. " Die Druckerei Werner Hattenkerl Oschersleben hatte die Etiketten kostenlos gedruckt ", nannte Skrzypczak einen weiteren Beteiligten.

Bei der Feier in Schöningen dabei war Hans-Peter Dietrich, damals ehrenamtliches Oschersleber Ratsmitglied für Dienstleistungen, und Backwaren-PGH-Leiter. Dietrich schenkte seine Flasche später Gerhard Gloger, der sie ungeöffnet bis heute als Andenken aufhebt. Dietrich und Gloger verbindet seit diesen Tagen im Herbst 1989 eine feste Freundschaft.

Gloger, vor 20 Jahren freigesteller Betriebsrat bei der BKB und heute Pensionär, war am 19. Oktober 1989 dabei, als eine Schöninger SPD-Delegation das erste Mal nach Oschersleben reiste. Der Bus fuhr von Schöningen über die Grenzübergangsstelle Marienborn nach Magdeburg und dann nach Oschersleben. Der Besuch kam über das gewerkschaftliche Informations- und Bildungszentrum International Magdeburg zustande. " Die Kontrolle in Marienborn war wie sie immer erlebt haben. Eine Dreiviertel Stunde warten bei der Ausweiskontrolle durch die DDR-Grenztruppen ", erinnerte sich Gloger. In Oschersleben nahm Bürgermeister Skrzypczak die SPD-Abordnung aus der Bundesrepublik Deutschland in Empfang. " Das Verhältnis war von Anfang an herzlich. Schon nach kurzer Zeit duzten wir uns beim Stadtrundgang ", berichtete Skrzypczak. Beim anschließenden Gespräch im Rathaussaal brachte Skrzypczak die Idee auf, doch zwischen Oschersleben und Schöningen eine Städtepartnerschaft zu schließen. " Eine Idee, die bereits unser Bürgermeister Siegfried Pause zuvor unter uns geäußert hatte ", sagte Gloger. Der Plan war geschmiedet, bis die Partnerschaft am 2. Februar 1990 in Schöningen von Siegfried Pause, Schöningens Bürgermeister, Oscherslebens Bürgermeister Karl-Heinz Skrzypczak und Schöningens Stadtdirektor Jürgen Lübbe unterzeichnet wurde. Und mit besagtem Gambrinus-Bier begossen wurde.

Die Partnerschaft zwischen Oschersleben und Schöningen besteht im nächsten Jahr 20 Jahre und soll dann offiziell gefeiert werden.