Walbeck. Hohen Besuch erwarteten Zugführer Manuel Bernsdorf und ein Teil seines Sanitätszuges aus Walbeck am Donnerstag im Vereinshaus. Angesagt hatte sich Landes-Innenminister Holger Hövelmann, um mit den Mitgliedern des Deutschen Roten Kreuzes ( DRK ) über das zu reden, was nicht so gut klappt und verändert werden muss.

Hier konnte Dezernentin Iris Herzig von der Landkreisverwaltung, für den Brand- und Katastrophenschutz zuständig, zunächst Positives berichten : " Der Walbecker Sanitätszug ist eine stabile Größe im Landkreis, auf die wir bauen können. "

Schwieriger sei da schon der Bereich der Nachwuchsgewinnung, betonte DRK-Geschäftsführerin Sylvia Franke. Das DRK versuche bereits über die Schulsanitätsdienste Kinder in das verantwortungsvolle Ehrenamt einzuführen. " Es gelingt uns auch, sie zu begeistern, aber sie dann auch bei der Stange zu halten, ist schwer ", meinte Sylvia Franke. Die " Pflasterkleber " hätten es beispielsweise gegenüber der Feuerwehr mit ihrer Technik schwerer, dauerhaft Mitglieder zu gewinnen.

Iris Herzig benannte noch ein weiteres, landkreisweites Problem : " Die Besetzung der Wachen muss erhöht werden. " Das hätten Überprüfungen der Hilfsfristen gezeigt. Die Schwerpunktgebiete der Einsätze lägen in Haldensleben und Oschersleben. Handlungsbedarf gebe es im Bereich Sülzetal, wo der Standort nicht optimal sei und gerade Ausschreibungen in Vorbereitung seien.

Problematisch seien die Notfalldienste auch in Oebisfelde. Hier müsse nahezu täglich der Rettungshubschrauber zum Einsatz kommen, um den Notarzt schnell zur Hilfeleistung zu bringen. Wegen der Nähe zum niedersächsischen Wolfsburg gebe es zwar Absprachen zur Notfallvorhaltung, aber wenn deren Fahrzeuge alle draußen sind, ginge das natürlich nicht, meinte Iris Herzig. Und zusätzliche Kapazitäten aufzustellen, sei aus Kostengründen nicht möglich. Oebisfelde bediene im Gegenzug auch den Landkreis Helmstedt mit. Tangerhütte im Landkreis Stendal versorgt Teile wie Rogätz mit seiner Wache.

" Wenn man unterstellt, dass 95 Prozent des Kreisterritoriums abgedeckt werden, dann dürfen die restlichen fünf Prozent natürlich nicht immer dieselben sein ", sagte der Innenminister. Er fragte, ob es im Landkreis so sei wie im landesweiten Durchschnitt, dass proportional zum Sinken der Anzahl der niedergelassenen Ärzte ein Anstieg der Noteinsätze zu beobachten sei. Das konnte die Dezernentin nur bejahen.

Die DRK-Geschäftsführerin berichtete von der bevorstehenden Fusion der Kreisverbände Ohre und Börde.

Im Walbecker Sanitätszug liegt der Altersdurchschnitt des Sanitätszuges bei 30 bis 32 Jahren, schätzte Mitglied Mario Bernsdorf ein. Nachholebedarf gebe es im Bereich der Sanierung der Fahrzeughalle. Nicht vergessen werden dürfe die Bereitstellung von Mitteln zur Ausstattung insbesondere des Betreuungsdienstes. " Man darf bei der Finanzierung nicht nur von Fahrzeugen reden ", betonte Mario Bernsdorf. Im Moment zehre man noch von Altbeständen wie Betten und Decken.

Bürgermeister Martin Herrmann betonte die Bedeutung des DRK-Sanitätszuges für seine Gemeinde. " Diese Gruppe ist über Jahrzehnte sehr aktiv. Uns ist sehr daran gelegen, dass sie vor Ort bleiben ", sagte er. Doch die Gemeinde als Träger der Gebäude sei nicht allein in der Lage, hier zum Beispiel hinsichtlich der Sanierung der Fahrzeughalle zu investieren. Das Umfeld samt ehemaligem Asylbewerberheim gehöre ebenso zum sanierungsbedürftigen Erbe.

Nachgedacht wird gerade über eine Veränderung der Zugstruktur und die Einführung einer Modulstruktur, sagte Landesbranddirektor Dr. Peter Ladewig. Dieses Modell begrüßte Mario Bernsdorf, fürchtet jedoch, dass es bei der Anforderung kleinerer Module zu Problemen kommt. " Für die Führung der Leute würden uns Fahrzeuge fehlen. " Iris Herzig meinte, dass damit eine höhere Flexibilität, wie sie im Katastrophenschutz benötigt werde, möglich sei. Das bedeute aber nicht, dass tragfähige Strukturen, die vorhanden sind, zerschlagen werden. Vielmehr sei es ein notwendiges Bündeln von Fachkompetenz, betonte Holger Hövelmann angesichts der demografi schen Entwicklung.