Mit der Änderung des Flächennutzungsplanes und der Aufstellung eines Bebauungsplanes " Sondergebiet Energie " hat der Klein Wanzleber Gemeinderat am Montagabend mit acht Ja- und einer Gegenstimme zumindest das Vor-Signal für den Bau einer neuen Biogasmethanalage auf Grün gestellt. Eine endgültige Entscheidung, ob die Anlage gebaut werden kann oder nicht, wird der Gemeinderat erst nach ausgiebiger Information durch die Betreiber treffen. Bürgermeister Horst Flügel : " Durch die Geschichte, Geruchsbelästigung durch die Klärteiche der Bioethanolanlage ‘ sind wir ein gebranntes Kind. "

Klein Wanzleben. Eine heiße Diskussion entbrannte am Montagabend auf der Gemeinderatssitzung in Klein Wanzleben zum Thema des Neubaus einer Biogasmethananlage. Die Firma Epuron GmbH und die KWS Saat AG wollen die Anlage auf drei Hektar in dem Gebiet An der Wuhne in Klein Wanzleben errichten. Auf Pflanzenbasis, konkret mit Mais der KWS, soll die Anlage Energie produzieren. Mais von rund 1000 Hektar jährlich soll laut Bürgermeister Horst Flügel damit als nachwachsender Rohstoff in " grüne Energie " umgesetzt werden.

Um die Bauvoranfrage der Betreiber für die Anlage überhaupt auf den Weg bringen zu können, musste im ersten Schritt die Änderung des Flächennutzungsplanes beschlossen und ein Bebauungsplan " Sondergebiet Energie " aufgestellt werden. Beide Punkte standen im öffentlichen Teil der Sitzung auf der Tagesordnung. Neun von insgesamt 14 Gemeinderäten waren bei der Abstimmung anwesend. " Nach der Diskussionsrunde wurden beide Beschlüsse mehrheitlich gefasst. Acht von neun Räte stimmten dafür, es gab eine Gegenstimme ", berichtet Horst Flügel. Er räumte ein, dass die Gemeinde durch die Geruchsbelästigungsprobleme durch die Klärteiche der Bioethanolanlage am Zuckerwerk " ein gebranntes Kind " sei. Dies dürfe nicht noch einmal passieren. Aus diesem Grund erklärte er, dass sich die Räte intensiv mit den Plänen für die neue Biogasmethananlage auseinandersetzen werden, bevor sie frühestens in einem Vierteljahr eine Entscheidung treffen werden. Aus diesem Grund sind zur nächsten Sitzung im September auch Vertreter der Firmen, die den Antrag gestellt haben, eingeladen, die sich den Fragen der Klein Wanzleber stellen sollen. Außerdem, so wies am Montag Bürgermeister Horst Flügel die anwesenden Bürger darauf hin, können die Antragsunterlagen beim Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft

" Börde " Wanzleben Am Markt 1-2 eingesehen werden. Dort können Bürger auch Bedenken und Fragen gegen die geplante Anlage äußern.

Die Klein Wanzleber Gemeinderäte hielten es am Montagabend für wichtig, sich nicht grundsätzlich dem Thema zu verwehren und stellten deshalb mit der Änderung des Flächennutzungsplanes und der Aufstellung des Bebauungsplanes die Vor-Signale auf Grün. " Die letztendliche Entscheidung, ob gebaut werden kann oder nicht, ist damit noch nicht festgeschrieben.

Sollte die Planung nicht unseren Vorstellungen entsprechen, können wir notfalls auch die Bremse ziehen ", sagte Flügel.

Die Diskussion am Abend rankte sich erwartungsgemäß um die Frage, ob es durch die neue geplante Anlage zu einer weiteren Geruchsbelästigung kommen könnte. Bürgermeister Horst Flügel sagte auch gestern gegenüber der Volksstimme, dass dieser Fall nach seinem Kenntnisstand von den Planern ausgeschlossen würde, da Mais als Rohstoff für die Biogasproduktion eingesetzt werde. Aber vorab hatte schließlich auch keiner für die Bioethanolanlage eine Geruchsbelästigung erwähnt, und der von den Klärteichen ausgehende Gestank ist seit 2008 bis heute ein großes Ärgernis für die Klein Wanzleber und die Bewohner der umliegenden Gemeinden.

Ein zweites Problem, das bei der Gemeinderatssitzung angesprochen wurde, ist das Ausbringen der Reststoffe aus der Produktion. " Wir werden deshalb Experten in die nächste Gemeinderatssitzung einladen, um uns über alle Fakten der Anlage aufklären zu lassen. Zum Beispiel welche Auswirkungen das auf den Boden oder die Luft haben könnte ", sagte Flügel. Die Klein Wanzleber würden eine Verschlechterung des Bodens oder eine Geruchsbelästigung nicht akzeptieren. " Es ist uns wichtig, dass uns das im Vorfeld zugesichert wird ", sagte der Bürgermeister der Volksstimme. Erfreulicherweise gebe es bereits mehrere Biogasmethananlagen, die man sich ansehen könne und die auch Erfahrungswerte vorweisen können. Bei der Bioethanolanlage, die in Klein Wanzleben mit Dicksaft und Rohsaft Ethanol produziert, war das anders. Laut der Nordzucker AG ist das die erste Anlage weltweit, die mit dieser Technologie arbeitet. Deshalb gab es keine Erfahrungswerte. Die im vergangenen Jahr angefallene Menge an Abwasser hatte das Unternehmen beim Hochfahren der Anlage überrascht. Seither kommt es zur Geruchsbelästigung der Klärteiche, in denen das stinkende Abwasser steht.

Für die Biogasmethananlage stehe nun die Planung an, und der Bürger hat die Gelegenheit, im Bauamt selbst Einsprüche geltend zu machen. " Das Projekt muss unseren Vorstellungen entsprechen. Nur dann geben wir grünes Licht ", so Flügel. Baubeginn könnte dann frühestens 2010 sein. Die Summe, die in das neue Werk investiert werden soll, ist bisher noch nicht bekannt, sagte der Ortschef. Der Investor, die Epuron GmbH, hatte Anfang Juni eine Bauvoranfrage beim Landkreis gestellt, der diese als Genehmigungsbehörde ebenfalls zu prüfen hat.