Bis gestern gibt es im Landkreis Börde 20 Fälle von Erkrankungen an der neuen Grippe oder auch Schweinegrippe. Bislang haben die Krankheitsverläufe keine stationäre Aufnahme in Krankenhäusern erforderlich gemacht, ist von Bördekreis-Amtsarzt Rainer Freche zu erfahren. Das Gesundheitsamt des Kreises bereitet sich auf die im Herbst geplante Impfwelle der Bevölkerung vor.

Oschersleben. Die neue Grippe oder Schweinegrippe macht um den Landkreis Börde keinen Bogen. " Bis zum 17. Juli waren seit Mai auf aufend fünf Fälle im Landkreis Börde aufgetreten. Die Anzahl hat sich bis gestern auf 20 Krankheitsfälle erhöht ", nennt Amtsarzt Rainer Freche die aktuellen Schweinegrippe-Zahlen für den Landkreis Börde. Tendenz steigend. " Es besteht keinen Grund zur Panik ", sagt der Amtsarzt.

Der Altersdurchschnitt der Erkrankten im Bördekreis liegt im Landesdurchschnitt bei 22 Jahren. Bislang seien keine Menschen erkrankt, die älter als 60 Jahre sind. Dafür zwölf Personen im Alter bis 14 Jahren. " Die meisten Fälle traten bei Rückkehrern aus dem Urlaub auf, am häuf gsten bei Menschen, die aus Spanien kamen ", gibt Freche Auskunft.

Wird dem Gesundheitsamt des Landkreises mit Sitzen in Oschersleben und Wolmirstedt ein Schweinegrippe-Fall von den Hausärzten gemeldet, setzt sich bei der Behörde ein festgelegtes Räderwerk in Bewegung. Die Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Rachenabstriche der Betroffenen mit den eindeutigen Grippesymptomen schnellstmöglich zum Landesamt für Verbraucherschutz zur Untersuchung gelangen. " Schon nach wenigen Stunden stehen die Untersuchungsergebnisse fest ", sagt Freche. Deutet eine Untersuchung auf eine Grippeerkrankung hin, suchen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes das Umfeld des Erkrankten nach möglichen Ansteckungspatienten ab. " Das sind mindestens zehn Kontaktpersonen pro Erkranktem ", beschreibt Freche den enormen Aufwand. In diesem Zusammenhang lobt der Amtsarzt die gute Zusammenarbeit des Gesundheitsamtes mit den niedergelassenen Ärzten des Kreises.

Auf die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten ist die Behörde auch weiterhin angewiesen, wenn im Herbst die von der Bundesregierung geplante erste Impfwelle gegen die Schweinegrippe in Deutschland anlaufen soll. Zunächst ist vorgesehen, 30 Prozent der Bevölkerung zu impfen. 30 Prozent von etwa 184 000 Bördekreis-Einwohnern bedeutet 60 000 Menschen, die in der ersten Aktion gegen die Grippe geimpft werden sollen. " Bei der großen Anzahl sind die drei Impfärzte und sechs Krankenschwestern unseres Amtes natürlich völlig überfordert ", verdeutlicht der Amtsarzt. Deshalb sei es erforderlich, die niedergelassenen Hausärzte mit in das Impfprozedere einzubeziehen. Freche könne sich zudem vorstellen, im Landkreis bis zu drei zentrale Impfstellen einzurichten.

Zunächst sollen die Personengruppen geimpft werden, die für das Aufrechterhalten des öffentlichen Lebens erforderlich sind : medizinisches Personal, Polizeibeamte und Feuerwehrleute. Danach chronisch Kranke. " Die Rang- und Reihenfolge steht noch nicht fest ", sagt Freche. Den Impfstoff bekomme der Landkreis direkt vom Land und gebe ihn dann an die Impfärzte weiter. Der Amtsarzt rechnet damit, dass die erste Impfwelle Ende September, Anfang Oktober stattfndet. Sechs Wochen später ist eine Wiederholungsimpfung geplant. " Die Grippeschutzimpfung im Herbst ist die beste Waffe ", ist sich Freche im Kampf gegen die Pandemie sicher. Die Impfung gegen die Schweinegrippe habe indes nichts mit der eigentlichen, jährlich wiederkehrenden Grippeschutzimpfung zu tun. Die sollte ebenso von der Bevölkerung in Anspruch genommen werden. Freche spricht derzeit wegen der Schweinegrippe von einer " Unaufgeregtheit in der Bevölkerung ". Er hoffe, diese Stimmungslage bleibe erhalten, auch wenn sich die Ereignisse dramatisch entwickeln werden. " Für jeden Bürger steht nach Darstellung des Bundesregierung Impfstoff zur Verfügung, nur der Zeitpunkt der Impfungen ist unterschiedlich ", sagt der Amtsarzt, der versichert, das Gesundheitsamt arbeite den für den Landkreis Börde aufgestellten Pandemieplan genau ab.

" Wir haben einen Pandemieplan, den wir umsetzen ", gibt Matthias Mann, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Oschersleben, Auskunft. Danach werde gearbeitet, was auch vorsehe, für die etwa 170 DRK-Beschäftigten im Rettungswesen sowie in den Heimen in Oschersleben, Hornhausen und Gröningen die Schutzimpfungen in Anspruch zu nehmen. Vorerst sehe Mann jedoch keinen Anlass, gesonderte Aktionen wegen der neuen Grippe auslösen zu müssen.