Ein Brand auf einem einstigen Kohlelagerplatz hielt die Völpker, Badeleber, Hötensleber und Barneberger Feuerwehr am Donnerstag mehrere Stunden auf Trab. Nicht zum ersten Mal. Seit Jahren fordern sie, das gefährliche Gemisch dort aus Kohlestaub und illegal abgelagertem Müll, wozu auch Glas gehört, zu entschärfen. Die Verantwortlichen in der Verwaltungsgemeinschaft Obere Aller wollen jetzt Maßnahmen prüfen.

Völpke / Barneberg. Ein bis zwei Mal im Jahr rücken die Feuerwehrleute aus Völpke, Barneberg und den umliegenden Ortschaften zur Kohlestaubhalde nahe des Barneberger Ortsteils Caroline aus. Der Boden ist noch mit Braunkohle versetzt. " Das kann sich ganz schnell selbst entzünden ", erklärt der Völpker Feuerwehrmann Jens Schulz. Und das mussten die Männer am Donnerstag wieder erleben. Um 15. 12 Uhr ging die Sirene los. Insgesamt 31 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Hötensleben, Badeleben und Völpke mit Barneberg im Schlepptau rückten aus zu den Kohlestaubhalden. Eine Fläche von 10 000 Quadratmetern stand in Brand. Es hat eine Stunde gedauert, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, weitere zwei die kontinuierlich auffl ammenden Schwelbrände zu löschen. Die Feuerwehrmänner arbeiteten mit zehn C-Strahlrohren, nutzten neben den 1100 Litern Wasser aus ihren Löschfahrzeugen den 200 Meter entfernten Löschteich. Zwischenzeitlich war es so heiß, dass die Feuerwehrleute Pause machen mussten. " Die Kameraden waren am Rande der Erschöpfung ", beschrieb Marko Dörge die Situation. Er ist stellvertretender Abschnittsleiter für den Brandabschnitt Eilsleben und war am Donnerstag der Einsatzleiter.

Ein Feuerwehrmann musste gegen 16. 30 Uhr mit einem Rettungswagen wegen Kreislaufproblemen in das Krankenhaus nach Neindorf gebracht werden. Zum Abend konnte er wieder nach Hause. Von der Einsatzstelle konnten die Wehren um 18 Uhr abrücken, fuhren aber in den späteren Abendstunden ein weiteres Mal zur Halde hoch, um auszuschließen, dass Brandherde erneut aufbrechen. Und da zeigten sich bereits weitere, schwelende Stellen. Unter der Oberfläche war der Boden schon wieder knochentrocken. Dabei waren insgesamt 125 000 Liter Wasser auf ihn niedergegangen.

In den vergangenen zwei Wochen war im Umkreis von Barneberg bis gestern einfach kaum ein Tropfen Regen gefallen. Im gesamten Landkreis herrschte die Waldbrandstufe vier. " Hoffen wir mal, dass es kein Brandstifter war ", sagte Dörge nach dem Einsatz. Es wird aber von Selbstentzündung ausgegangen.

Das bestätigte gestern Polizeisprecher Joachim Albrecht auf Nachfrage. An die Einsatzstelle waren auch Bürgermeister Wolfgang Smolin gekommen sowie Cornelia Günther aus dem gemeinsamen Verwaltungsamt Obere Aller. Ihnen gegenüber machte Dörge, der auch Gemeindewehrleiter in Völpke ist, deutlich, dass an der Kohlestaubhalde endlich etwas passieren müsse. Seit Jahren, so sagen die Feuerwehrleute, fordern sie, dass Erde auf den Staub aufgeschüttet und das Ganze planiert werden müsse.

Die Verantwortlichen im gemeinsamen Verwaltungsamt der Oberen Aller wollen deshalb jetzt prüfen lassen, wem die Fläche gehört. Bärbel Kuch, Leiterin des Verwaltungsamtes : " Wenn die Eigentumsfrage geklärt ist, prüfen wir in Kooperation mit dem Landkreis Börde, welche Maßnahmen dort geeignet sind. " Grundsätzlich sei das Problem bisher aber nicht an sie herangetragen worden.

Dörge hofft, dass schnell eine Lösung gefunden wird. Zunächst ist er froh und dankt seinen Leuten dafür, dass der vergangene Einsatz erfolgreich verlief, vor allem unter den Bedingungen der 36-Grad-Demse und mit Blick darauf, dass den Wehren in Völpke und im Umkreis noch vier Einsätze aus der vergangenen Woche in den Knochen steckten. Ein Kornfeldbrand in Badeleben hatte sie am Dienstag gefordert, am nächsten Tag eine 600-Meter lange Ölspur in Hötensleben und zwei Tage später ein Stoppelfeldbrand in Barneberg und am selben Abend noch ein Lkw-Brand. Fünf Tage Pause und dann kam der Einsatz an der Kohlestaubhalde. Allein die Völpker Feuerwehr hat damit bereits 15 Einsätze in diesem Jahr hinter sich, fünf mehr als im gesamten Jahr 2008.