Seit 80 Jahren bereits wird das Wetter in Klein Germersleben intensiver beobachtet als anderswo. Was einst Heinrich Wallstab begonnen hatte, setzt heute Dieter Quabs im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes fort.

Klein Germersleben. Wer bei Dieter Quabs aus Klein Germersleben in den Garten schaut, entdeckt zwei röhrenförmige silbern glänzende Behälter zwischen den Blumen. Nein, es sind keine besonderen Auffangbehälter für Gießwasser, sondern hier misst er, wieviel Regen in Klein Germersleben und in der näheren Umgebung gefallen ist. Es ist nicht einfach nur ein Hobby, sondern der Klein Germersleber meldet seine Feststellungen an den Deutschen Wetterdienst – und das täglich. Seit 15 Jahren macht er das nun schon.

Doch die Wetteraufzeichnungen in Klein Germersleben sind schon viel älter. Einst hatte 1930 Heinrich Wallstab damit begonnen, 1968 übernahm die Aufgabe dessen Tochter Lisa Landes. Georg Quabs führte die Wetteraufzeichnungen ab 1974 fort und versäumte es auch nicht seinen Sohn, Dieter Quabs, in die Aufgabe einzuführen, der das im Jahr 1994 übernommen hat. Jetzt steht mit der 12-jährigen Stine Marie Quabs die Enkelin von Dieter Quabs bereits in den Startlöchern. " Wenn Oma und Opa im Urlaub sind, dann lese ich immer die Werte ab ", erzählt sie. Seit drei Jahren bereits zeigt sie Interesse.

Inzwischen hat sich auch die Technik der Wetteraufzeichnungen weiterentwickelt. Wurde noch bis 2006 die Niederschlagsmenge an der Messstation per Hand gemessen und alle Daten in einem Büchlein notiert, gibt es jetzt eine automatische Messstation, die vom Deutschen Wetterdienst installiert worden ist. Doch mit der Messung der Regenmenge ist es längst nicht getan, auch andere Wettererscheinungenwiebeispielsweise die Hagelkorngröße, Eisglätte, Schneehöhen, Auftreten von Regenbögen oder Beginn und Ende von Blitz und Donner müssen genau vermerkt werden. Auch kann sich Quabs bei der Niederschlagsmessung nicht allein auf die Automatik verlassen, sondern führt zudem noch eine Kontrollmessung durch. " Man muss schon Augen und Ohren offenhalten ", weiß der Wetterbeobachter von Klein Germersleben aus Erfahrung.

Jeden Morgen um 7. 30 Uhr übermittelt Dieter Quabs seine Daten mit Hilfe eines Handeingabegerätes an den Deutschen Wetterdienst in Leipzig. Im Winter muss er noch eine Stunde früher fi t sein, denn dann werden seine Daten schon um 6. 30 Uhr gefordert. Beobachtungen besonders extremer Wettererscheinungen wie außergewöhnlich viel Niederschlag oder extreme Temperaturen werden sofort gemeldet. So ist die Wettermessung in Klein Germersleben eigentlich ein Job rund um die Uhr.

Und dennoch ist das Ziel klar : " Wir wollen, dass die Tradition der Wetterbeobachtungen in Klein Germersleben gewahrt bleibt, vielleicht schaffen wir noch die 100 Jahre bis 2030 ", so Quabs. Und dann muss sich auch niemand wundern, wenn er in der Liste der durchlaufenden Orte im ARD-Wetterbericht einmal " Bottmersdorf / Klein Germersleben " liest. Einige Male war das schon der Fall.