Der Seehäuser Rassegeflügelzüchter Richard Rataj ( 68 ) ist seit 1998 Meister der Rassegeflügelzucht in Sachsen-Anhalt. Für seine überaus erfolgreiche Zucht der " Zwerghühner Barnevelder -doppeltgesäumt " hat er bereits sämtliche Preise abgeräumt - die Schränke sind voll mit Pokalen, Urkunden und Ehrenschleifen. Doch in diesen Tagen erhielt er die wohl für ihn wichtigste Medaille, die mit dem Bundesadler : Die Ehrenplakette des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Bronze.

Seehausen. Eigentlich ist im Haus von Richard Rataj kaum noch Platz für einen Pokal. Egal wo man hinsieht, überall füllen Ehrenbänder, Trophäen oder Medaillen die Schränke. Der Rassegeflügelzüchter aus Seehausen ist mit seiner Zucht der doppeltgesäumten Barnevelder Zwerghühner äußerst erfolgreich. Seine jüngste Auszeichnung ist wie er selber sagt, die für ihn bisher wichtigste. Rataj bekam jetzt am 27. Juni bei der Zuchtbuchtagung Sachsen-Anhalt in Aschersleben die bronzene Ehrenplakette des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz überreicht. " Darüber habe ich mich sehr gefreut, schließlich ist auf dieser Plakette der Bundesadler eingraviert ", sagt der sympathische Senior.

Eine von bundesweit acht Zuchten

Vor rund 50 Rassegeflügelzüchtern überreichte ihm der Obmann des Zuchtbuches Otto Killat feierlich die Plakette und die Urkunde mit der persönlichen Unterschrift von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. " Hiermit verleihe ich Ihnen für die auf der 12. Landesverbandsausstellung in Magdeburg vorgestellte Rasse, Zwerg-Barnevelder doppeltgesäumt ‘ die Ehrenplakette in Bronze ", steht auf der Urkunde geschrieben. Nichtzüchter können die Auszeichnung vermutlich kaum einordnen, aber vielleicht diesen Fakt : Von dem von Rataj gezüchteten Farbschlag " doppeltgesäumt " gibt es in Deutschland nur acht anerkannte Zuchten. " Doppelgesäumt " steht übrigens für den schwarz-braunen Saum am Ende der Feder. Der Seehäuser bewegt sich mit seinem Hobby also in einem hochspezialisierten Bereich der Rassegeflügelzucht. Und diese betreibt er sehr erfolgreich. Nach seinem ersten Kreismeistertitel 1971, den er in Osterweddingen holte, riss die Erfolgskette nicht mehr ab. Unzählige Male wurde er Kreismeister und 1995 bekam er die Goldene Bundesnadel der Rassegeflügelzucht. Allein die Auflistung seiner Erfolge würde an dieser Stelle Seiten füllen.

Richard Rataj kam auf einem ungewöhnlichen Weg zu seinem lebensbegleitenden Hobby. 1965, als er 24 Jahre alt war, zog sich der begeisterte Tischtennisspieler eine so schwere Sportverletzung zu, dass er sich nach einem anderen Hobby umsehen musste. " Ich habe mir also einen Kleingarten zugelegt, doch die Gartenarbeit allein hat mich nicht ausgefüllt. Irgendwann habe ich dann mit meinem Gartennachbar Walter Jockisch gesprochen, der Vorsitzender der Sparte Rassegeflügelzucht war. Er besorgte mir noch am selben Tag ein paar Tiere. Das war 1967. Ein Jahr später war ich Vereinsmeister ", erklärt der heute 68-Jährige. Der Seehäuser widmete sich der Zucht und wurde ebenfalls 1967 Mitglied des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter ( VKSK ). Später ging dieser in den Bund der Rassegeflügelzüchter über.

2010 steht doppeltes Jubiläum an

Der gelernte Tischler trat ebenfalls 1967 in den Kleintierzuchtverein G 128 " Einigkeit " Seehausen ( aktuell 45 Mitglieder ) ein und übernahm hier 1970 für kurze Zeit den Vorsitz. Er wechselte dann auf den Posten des Schatzmeisters - bis heute. 2010 feiert er in dieser Funktion sein 40-jähriges Jubiläum. Gleichzeitig steht das 20-jährige Dienstjubiläum als Schatzmeister des Kreisverbandes der Rassegeflügelzüchter an. Natürlich ist er auch ( seit 1973 ) Mitglied der Sondervereinigung der " Barnevelder ". Kein Wunder, dass bei so vielen Funktionen und Mitgliedschaften Richard Rataj ein kleines " Genie " in der Buchführung sein muss. Seit 1981 führt er übrigens tatsächlich peinlich genau ein Zuchtbuch, in dem beispielsweise jedes geschlüpfte oder eben nicht geschlüpfte Ei eingetragen wird. Seine " Schlupfquote " liege für den Zeitraum April bis Mai dieses Jahres bei 79, 28 Prozent, berichtet der Züchter stolz. Aktuell hat Rataj acht Alttiere aus dem Jahr 2008 und zieht 66 Junge heran.

Dass die Zwerghühner das Leben der Ratajs bestimmen, sehen Besucher des Hauses auf den ersten Blick. Es gibt in seiner großen selbstgebauten Anlage einen extra Kükenstall, einen speziellen Schaustall und eine fast vollautomatische Trinkanlage. Selbst die weißen Gardinen im Schaustall tragen Geflügelmuster, obwohl es in diesem Fall wohl Schwäne sein sollen. Eifersüchtig auf das zeitintensive Hobby wurde Ehefrau Gudrun in all den Jahren nie. " Das Hobby finde ich gut. So hat man immer ein frisches Ei im Haus ", meint sie.