Scherben, Zeugnis einer Feuerstätte, menschliche Skelette – bei archäologischen Grabungen rund um die Klosterkirche Hadmersleben haben die Männer und zurzeit auch eine englische Studentin interessante Funde gemacht. Doch in erster Linie geht es darum, genauer die Geschichte des zum Teil mehr als 1 000 Jahre alten Gebäudes zu entschlüsseln.

Hadmersleben. In wenigen Wochen werden Tiefbauer eine dicke Lehmschicht rund um die Klosterkirche Hadmersleben einbringen. Die alten Gemäuer standen bislang zu tief in der Erde und sind daher feucht. Der Lehm soll die Feuchtigkeit vom Mauerwerk fernhalten. Derzeit zieht sich ein Graben um die Klosterkirche. Ehe dieser von den Tiefbauern wieder zugeschüttet wird, nutzen hier Archäologen und Grabungshelfer die Gunst der Stunde und suchen nach Zeitzeugen und Resten einer längst vergangenen Zeit.

" Wir wollen vor allen Dingen mehr Informationen über die Geschichte des Kirchenbauwerkes, das mehrmals verändert wurde, erfahren. Wir sind bereits auf verschiedene Fundamentreste gestoßen, die uns vor die Frage stellen, wo sie zu gehören ", erklärt Grabungsleiter und Archäologe Stefan Koch. Anhand der Steine soll die komplizierte Baugeschichte der Klosterkirche rekonstruiert, sollen Gebäude, wie Reste eines weiteren Kreuzganges, erkannt werden. Gegraben wird genau dort, wo der älteste Teil der Klosterkirche zu finden ist. Die Krypta stammt aus der Zeit als Hadmersleben erstmals urkundlich erwähnt wurde, aus dem Jahr 961. Verschiedene Erdschichten haben die Männer und die eine Frau bereits abgetragen. Dabei stießen sie auf Gräber, die sehr eng um die Kirche angelegt waren.

Auch Bronzescherben, viel Keramik und menschliche Knochen haben die Grabungsarbeiter Bodo Hänler, Torsten Kiesler, Michael Hasemann und die englischen Helfer Rebecca Lees, Herbert Morrow und Gerald Wilkenson gefunden. " Dieser Hügel, auf der die Klosterkirche noch heute steht, mit der Nähe zur Bode scheint schon in der Bronzezeit ein idealer Siedlungsort gewesen zu sein ", vermutet Stefan Koch. Sämtliche Grabungen und die Lage der Funde werden dokumentiert und im Maßstab von 1 : 20 aufgezeichnet. Dafür ist der Zeichner Ludwik Jaworski zuständig. Und während die Grabungsarbeiter mit schmalen Kellen und Schippen ihre Arbeit verrichten, hat Ludwik Jaworski einen ganzen Beutel voller Stifte mitgebracht. " Wir graben nur dort, wo es unbedingt notwendig ist ", erklärt Koch, denn Anfang August müssen die Arbeiten, die Ende Mai begannen, beendet sein. Die Grabungen geschehen im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.