Europäische Biologen sind oftmals für ihre Forschungsprojekte auf die Mithilfe zahlreicher Freiwilliger angewiesen, so zum Beispiel aktuell um die Lebensweise der Bänderschnecken näher zu untersuchen. Die Schüler des Wanzleber Börde-Gymnasiums haben alles andere als ein Schneckentempo vorgelegt und sich sofort an dem Projekt beteiligt. Michéle Loof und Anna Gutbrodt berichteten jetzt von ihrer Projektarbeit.

Von Sabrina Krug

Wanzleben. Im diesjährigen Darwinjahr suchen Europas Biologen aktuell tausende Freiwillige, um die Evolution der Bänderschnecken aufzuklären. Die Zahl der Bänder und die farbliche Anpassung jener Schnecken an Lebensraum und Klima ist ein Beispiel für Evolution. Die meisten Schüler des Börde-Gymnasiums wussten vermutlich nichteinmal, dass es diese Bänderschneckenart überhaupt gibt. Und das auch noch vor der eigenen Haustür. Doch inzwischen haben sich die Schüler ein umfassendes Bild gemacht, die Tiere studiert und sich somit sogar an der wissenschaftlichen Studie beteiligt.

Schülerin Michéle Loof : " Ziel des Projektes war es durch möglichst viele Beobachtungen von Schneckengehäusen in möglichst vielen unterschiedlichen Regionen Europas zu untersuchen, auf welche Art und Weise sich die Tiere an Klimawandel und Fressfeinde angepasst haben. Dabei spielt die Farbe des Schneckenhauses eine große Rolle. Diese beeinfusst die, Körpertemperatur ‘ der Schnecke. Denn dunkle Schnecken werden im Licht schneller warm als helle. " In kühlen Gegenden seien daher mehr dunkle Schneckenhäuser zu f nden.

Aber stimmt das denn zu Zeiten des Klimawandels immer noch oder sind heute mehr gelbe Schnecken zu fnden als früher ? Haben sich die Bänderschnecken bereits angepasst und aufgehört aufzufallen ? Sollte das der Fall sein, so entsteht noch ein weiteres Problem. Die Bänderschnecken sind ein Hauptnahrungsmittel für die Singdrossel. Auch diese ist in einigen Gebieten sehr selten geworden. Besteht da ein Zusammenhang ? " Um dieser Frage nachzugehen, wurde uns, den Schülern der 11. Klassen des Börde-Gymnasiums Wanzleben, bei unserem Ökologiepraktikum angeboten, an dem europaweiten Projekt teilzunehmen ", erklärt Anna Gutbrodt. Schon im Unterricht wurden die Schüler mit einigen Grundlagen in Bezug auf Bänderschnecken vertraut gemacht. An einem regnerischen Morgen zog der erste Teil des Biologiekurses los, um die Kenntnisse anzuwenden und Evolution hautnah zu erforschen. Michéle Loof : " Von dem Wetter ließen wir uns nicht beirren. Im Gegenteil : Es war das perfekte Wetter, um Schnecken zu f nden. Von einer Untersuchung der Sarre auf Wassertierchen, der Natur über diverse Heilpf anzen, bis zu den besagten Schnecken war das Untersuchungsspektrum breit gefächert. Allerdings ruhte das Hauptaugenmerk auf dem Mitmach-Projekt. Unsere Aufgabe bestand darin im Wanzleber Steinbruch möglichst viele verschiedene Schnecken zu fnden und auszuzählen. Während wir Nacktschnecken, Weinbergschnecken und andere Arten nur zählten, untersuchten wir die Bänderschnecken später genauer ", erklären die Schülerinnen. Dafür haben sie Informationsmaterial bekommen, um das Alter bestimmen zu können, denn für das Forschungsprojekt werden nur die Informationen über die ausgewachsenen Schnecken verwendet.

Anna Gutbrodt : " Danach unterschieden wir schwarz- und weißmündige Bänderschnecken. Die Unterscheidung nach Merkmalen deshalb, weil einige eben einen hellen Rand besitzen und andere einen dunklen. Auch dafür gab es eine genaue Anleitung. Diese Schnecken trennten wir dann nochmals in die unterschiedlichen Färbungen gelb, rot und braun und die unterschiedlichen Bänderungen- ungebändert, ein Band und mehrere Bänder. Wir führten eine genaue Strichliste. Natürlich haben wir die Schnecken zum Schluss an ihrem Fundort wieder ausgesetzt. Bei dem abschließenden Gespräch zwischen den Gruppen stellten wir fest, dass wir die aufgeworfene These unterstützen und mehr gelbe Bänderschnecken gefunden hatten, als dunkle. " Die Ergebnisse aus der Sarrestadt fießen nun in die europaweite Studie mit ein. Mehr Informationen und das nötige Mitmach-Material f nden Interessenten unter : www. evolutionmegalab. org