Zur feierlichen Zeugnisübergabe hatte das Gymnasium Oschersleben am Sonnabend in das Halberstädter Kino Zuckerfabrik eingeladen. 112 Abiturienten aus sechs Klassen erhielten aus den Händen von Schulleiter Dr. Bernd Malkowski und ihren Tutoren die Reifezeugnisse.

Oschersleben / Halberstadt.

An einem ungewöhnlichen Ort, dem Kino Nummer fünf im Cinema Zuckerfabrik Halberstadt, erhielten am Sonnabend 112 Abiturienten des Gymnasiums Oschersleben ihre Reifezeugnisse. Im Halberstädter Kino deshalb, weil die Oschersleber Marktkirche St. Nicolai derzeit saniert wird. " Wir kommen aber wieder ", versprach Anke Hustedt, Vorsitzende des Gymnasiumfördervereins, im Namen des Lehrerkollegiums.

112 Abgangsschüler der 12. Klasse legten am Gymnasium Oschersleben 2009 die Reifeprüfungen ab, der Gesamtdurchschnitt lag bei 2, 66. 145 Schüler waren in die Kursstufe gestartet, von den 115 zu den Prüfungen zugelassenen bestanden 112.

Das Ausweichquartier Kino erwies sich für die Organisatoren der Zeugnisübergabe als Glücksgriff. Wie in einer fesselnden Filmvorführung baute sich die Spannung auf. Auch deshalb, weil Schulleiter Dr. Bernd Malkowski in seiner Laudatio auf den Abgangsjahrgang wieder die passenden Worte fand. Er machte sie in diesem Jahr am " Augenzeugen " fest, einem Einspieler, der zu DDR-Zeiten vor dem Start eines Films in den Kinos über die Leinwand fimmerte und die Zuschauer über das Zeitgeschehen aus Sicht des Arbeiter- und Bauernstaats informierte. " Sie sehen selbst, Sie hören selbst, urteilen Sie selbst ", sagte Malkowski. Für ihn sei der " Augenzeuge " zunächst in einem demokratischen Geist entstanden, der in der DDR mehr und mehr abhanden gekommen sei. Die Nachrichten von heute seien für den Schulleiter nicht weniger dramatisch

und würden sich zu einem Schreckensszenario addieren. Und in dieser Zeit der Wirtschaftskrise und des Kontrollverlustes haben die Oschersleber Gymnasiasten ihre Abiturprüfungen abgelegt. " Abi in Zeiten der Krise ", fasste Malkowski kurz zusammen und zitierte den kubanischen Revolutionär Che Guevara mit seinem Ausspruch " Seien wir Realisten, versuchen wir das Unmögliche ". " Genau das habe ich gedacht, als ihr in die Abiturprüfungen eingetreten seid ", bemerkte Malkowski augenzwinkernd und erinnerte an das Schuljahresmotto " Finde die Freude in deinem Leben ". Die besten Abschlüsse des Abiturientenjahrgangs schafften Maria Rudschewski ( 1, 0 ), Florian Arend ( 1, 2 ) und Toni Keller ( 1, 2 ).

Als einen " chaotischen Jahrgang " bezeichnete Schülerin Carolin Staatz in ihrer Dankesrede die Oschersleber Abiturienten 2009. Die sechs Jahre am Gymnasium seien von einer " warmen Atmosphäre " bestimmt, die besonders vom Schulleiter Dr. Bernd Malkowski ausgegangenen sei. Gerade die vergangenen beiden Jahre hätten unter den Schülern durch das Projekt Abitur ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit geschaffen. " Wir können stolz darauf sein, die Abiturienten 2009 des Gymnasiums Oschersleben zu sein ", bedankte sich Carolin Staatz.