Oschersleben ( mg ). Wie das Ministerium für Staatssicherheit ( MfS ) in den Kombinaten und Werkshallen in der Region geschnüffelt und gespitzelt hat, zeigt jetzt bis zum 10. Juli die Ausstellung " Die Firma im Betrieb " in der Außenstelle des Landratsamtes in der Triftstraße in Oschersleben.

Gerhard Ruden, Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, und Dezernent Joachim Hoeft vom Landkreis haben sie gestern eröffnet und vorgestellt. " Das ist die erste Ausstellung, die zu diesem Thema ganz speziell auf eine Region zugestrickt ist ", erklärt Ruden. So wird auf 18 Tafeln aufgezeigt, wie die Stasi allerorten im Raum Magdeburg, Schönebeck, Wanzleben sowie im alten Ohre- und Bördekreis den Verrat von Staatsgeheimnissen oder Sabotage gewittert hat.

Das Institut für Rübenforschung beispielsweise in Klein Wanzleben war damals führend und musste nach Ansicht der Stasi besonders vor Konkurrenz aus dem westlichen Ausland geschützt werden. Eine Kontrolle des Betriebs erfolgte dabei gegenüber den Mitarbeitern. In der Ausstellung heißt es weiter : " Auch die Einwohner von Klein Wanzleben standen unter Verdacht, durch Kontakte in die Bundesrepublik Deutschland Staatsgeheimnisse zu verraten. " Ein weiteres Beispiel in der Ausstellung betrifft das Kali-Werk in Zielitz. Dort sind die Mitarbeiter immer dann ins Visier der Stasi-Spitzel geraten, wenn es Unfälle gab. Das Werk war ein " politisch-operativer Schwerpunktbereich ", so nannten es die DDR-Oberen. Das bedeutet, dass die dort hergestellten Düngemittel wichtiges Exportgut waren. Sofort wurde bei Ungereimtheiten nach Saboteuren gefahndet. So war die Stasi überall in den Betrieben. Die Ausstellung zeigt dazu auch die Verwaltungsstruktur der entsprechenden Abteilung, mit einer ganzen Reihe darauf angesetzter Referate. Ruden will mit solchen Ausstellungen und Aktionen, die von der Birthler-Behörde erarbeitet werden, nicht nur informieren, sondern auch sensibilisieren. Dafür, dass versucht wird, für angetanes Leid durch die Stasi zumindest materiell zu entschädigen. " In Gesprächen stellen wir fest, dass fünf bis zehn Prozent der Menschen einmal in ihrem Leben Repressionserfahrungen gemacht haben oder deren Angehörige, seien es ein Stasi-Verhör oder dass der Großvater im sowjetischen Internierungslager gesessen hat ", sagt Ruden. Zur Antragstellung auf Wiedergutmachung berät er mit seinem Team regelmäßig. Nicht nur dienstags an seinem Sprechtag in Magdeburg von 14 bis 17 Uhr, ( 0391 ) 5675051, sondern auch vor Ort in den Landkreisen, so wie heute von 9 bis 17 Uhr in der Außenstelle Oschersleben.