Oschersleben ( vst ). Mucksmäuschenstill war es im großen Hörsaal der Universität Rostock, als die Assisenten von Prof. Dr. Robert Bronsart ihre Belastungstests vornahmen. Zum 13. Mal hatte der Lehrstuhl für Schiffbau europaweit engagierte junge Schiffskonstrukteure aufgefordert, ihre Konstruktionen einzusenden, auf dass sie unter Beweis stellen, wieviel Last ihre Schiffe tragen können, ohne unterzugehen.

Und dieser Aufforderung waren auch drei Schüler aus Oschersleben nachgekommen. Nathanael Hannen ( 3. Klasse ), Jörn Froböse ( 4. Klasse ) und Felix Zahn ( 3. Klasse ) von der St. Martin Grundschule hatten sich am 13. internationalen Papierschiffwettbewerb beteiligt. Anbetracht der Tatsache, dass die insgesamt 139 Teilnehmer, die ihre Papierschiffe eingesandt hatten, zum guten Teil angehende Ingenieure aus ganz Europa waren und ihre Schiffe in technischen Hochschulen berechnen und konstruieren konnten, ist schon die Teilnahme der drei Oschersleber Schüler sehr bemerkenswert.

Im Laufe einer ganzen Nacht sind die 139 Schiffe mit Blei beladen worden, bis sie gesunken sind. Bereits am anderen Morgen waren im Internet die Ergebnisse nachzulesen.

Danach hatte das kleine Schiffchen " Lilly-Tabea-2008 " von Nathanael Hannen 111 Gramm Blei geschluckt, bevor es unterging.

Jörn Froböse hatte erwartet, dass sein Schiff " Jörn " mehr als 300 Gramm tragen würde. Die tatsächliche Tragfähigkeit wurde dann mit 418 Gramm ermittelt.

Auf Platz 66 der Gesamtrangliste kam der Wettbewerbsbeitrag von Felix Zahn, dessen Schiff " Zahni " stolze 599 Gramm Tragfähigkeit unter Beweis stellte.

Karsten Ziesemer, Assistent am Lehrstuhl für Schiffbau, kommentierte die Konstruktion von " Zahni " : " Trotz einer gut platzierten Querverstrebung wurde bei Zahni beim weiteren Einsinken unter die Wasserlinier, die Seitenwände vom Wasser eingedrückt, so dass nicht das gesamte Volumen des Rumpfes für den Auftrieb zur Verfügung stehen kann. Papierschiffchen werden eben nicht aus Stahl gebaut – das aber ist ja gerade der Reiz und die Herausforderung an den Konstrukteur, so dass auch mancher universitäre Wettbewerbsbeitrag weniger Tragfähigkeit aufwies als Zahni. "

Das Siegerschiff mit Namen " Air Raider " und Heimathafen Güstrow hatte im Übrigen sagenhafte 5 045 Gramm Blei an Bord genommen, bevor es in den Fluten versank.

Alle drei Oschersleber Schüler waren sich einig, dass sie im nächsten Jahr wieder teilnehmen werden. " Dann fahren wir aber zur langen Nacht der Wissenschaft nach Rostock und schauen beim Abgluckern unserer eigenen Schiffe selbst zu ", sagte der Lehrer Gunther Zahn, in dessen AG Natur und Experimente die Schüler ihre Papierschiffchen geplant und gebastelt hatten.