Der rund zirka 6000 Jahre alte " Lange Stein " von Seehausen, ein Menhir aus der Jungsteinzeit, befndet sich für den Transport nach Hallen noch immer in der Warteschleife. Er soll dort zum Landesmuseum gebracht werden. Dort wird vom Original eine Kopie gegossen. Diese kommt dann nach Seehausen. Inzwischen hat Wolfgang Hiller, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege, an dem geheimen Ort, an dem der Menhir bis 1825 stand, ein rund 6500 Jahre altes Beil entdeckt und sichergestellt.

Seehausen. Grabungstechniker Dieter Nothnagel hat bereits die letzten Vorbereitungen am " Menhir ", dem so genannten " Langen Stein " von Seehausen getroffen. Das Erbe aus der Steinzeit soll zum Landesmuseum nach Halle gebracht werden. Dort wird von dem etwa zwei Tonnen schweren Koloss eine Kopie gegossen. Diese wird dann nach Seehausen gebracht. Mit dieser Variante soll eine weitere Verwitterung oder Zerstörung durch Vandalismus des Sandsteins verhindert werden. Immerhin : Bundesweit gibt es nur noch 300 Exemplare solcher Menhire. Sie dienten rund 4500 Jahre vor Christus einem heidnischen Kult – Phallussymbole, die die Fruchtbarkeit darstellen sollen.

Der Grabungstechniker hatte den Langen Stein bis zu etwa einem Viertel ausgegraben, um ihn vermessen zu können. " Dadurch konnten wir feststellen, dass der Sandstein etwa 70 Zentimeter tief in den Boden ragt. Dieser untere Teil ist unbearbeitet. Der Stein ragt zirka 2, 20 Meter aus dem Boden ", erklärte gestern Landesarchäologe Dr. Thomas Weber.

Der Stein war damals in die alte Hügelschüttung gesetzt worden. Erst 1825 erhielt der Menhir seinen heutigen Standort in Seehausen Richtung Eggenstedt. Schüler legten hier dann 1933 einen Wald an. Zudem Stein gehören noch weitere. Wo sich diese befinden, wird aktuell noch aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben.

Der zuständige Mitarbeiter für das Gießen der Kopie in der Werkstatt des Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege in Halle habe inzwischen auch schon eine Zeichnung des Steins erhalten. Das Gewicht des Menhirs wird inzwischen auf etwa zwei Tonnen geschätzt. Bisher waren die Experten immer von etwa einer Tonne Gewicht ausgegangen.

Gemeinderat möchte Kopie im Ort aufstellen

Doch der Schwerlasttransporter kann nicht wie geplant zum Einsatz kommen. " Es war zwar angedacht den Stein in diesen Tagen nach Halle zu bringen, doch leider sind andere Aufträge dazwischen gekommen, so dass unsere Werkstatt noch belegt ist. Ich gehe aber davon aus, dass der Transport noch in diesem Jahr über die Bühne geht. Wir stehen dazu auch im engen Kontakt mit Seehausens Bürgermeister Eckhard Jockisch ", sagte Dr. Thomas Weber. Der bestätigte dies auch der Volksstimme. Der Ortschef will sich, wie er sagt, außerdem gemeinsam mit dem Stadtrat dafür einsetzen, dass die Kopie des " Langen Steins " im Zentrum von Seehausen aufgestellt wird. Solche historischen Funde sollte die Stadt auch für sich nutzen, sagte der Bürgermeister. Überhaupt habe Seehausen, was die Geschichte betrifft, einiges zu bieten.

Schließlich gilt die Börde auch als einmaliges Gebiet, für solche historischen Schätze. Das bestätigt auch Wolfgang Hiller aus Seehausen. Er ist seit 2008 ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege und wurde erst kürzlich am alten Standort des Menhires fündig. Der Fundort wird wegen möglicher " Trittbrettfahrer ", wie Hiller sie nennt, geheim gehalten. " Ein Stein, der zur Langen-Stein-Gruppe gehörte, ist bereits verschwunden. " Als so genannten Oberflächenfund entdeckte er dort ein " durchlochtes Gerät ". Es soll aus der Rössener Kultur stammen. Wie Dr. Thomas Weber erklärte, ist diese Kultur in der Zeit zwischen 4200 und 4500 vor Christus einzuordnen. Es handelt sich also auch hier um einen Fund aus der mittleren Jungsteinzeit. Somit könnte das Beil zur möglichen Kultstelle gehören. Zurzeit wird das historische Fundstück bei Bürgermeister Eckhard Jockisch im Tresor aufbewahrt. " Es muss noch eine entsprechende Fundmeldung gemacht werden ", erklärt Dr. Thomas Weber. Dann wird der Faustkeil in die Asservatenkammer aufgenommen. Bereits seit Jahren soll der Menhir vor dem Verfall gesichert werden. Doch der Abholtermin wurde immer wieder verschoben. Nach dem die Grundstückseigentümerfrage geklärt war, gab es bereits 2007 die ersten Pläne für einen Umzug. Doch bisher hat sich noch kein freier Termin für das Gießen der Kopie und der Konservierung angeboten, hieß es aus dem Landesamt.