Seit dem Wochenende wird die bronzene Glocke in der Altbrandsleber Kirche elektronisch angetrieben. Das Feierabendläuten, das täglich außer sonntags um 18 Uhr für vier Minuten erklingt, hatte am Wochenende seine vollautomatische Premiere.

Altbrandsleben. Knapp zwei Tage machte sich Hartmut Pillasch im Glockenturm der Altbrandsleber Kirche zu schaffen, sägteTeileamGlockenstuhl zurecht, schraubte und montierte. Der Glockenanlagentechniker hat einen elektronischen Antrieb für das Glockengeläut eingebaut. Das freut einen ganz besonders, nämlich Otto Julius. Seit bald 20 Jahren zog er zu allen Anlässen, vom Gottesdienst bis zur Hochzeit oder bei Beerdigungen am Strick, löste den Glockenklang aus. Jetzt aber will sich der 72-Jährige doch zur Ruhe setzen, an Nachwuchs mangelt es. Deshalb sollte nun ein elektronischer Antrieb her.

Dafür hat die Kirchengemeinde Altbrandsleben auch feißig Geld gesammelt, insgesamt 1100 Euro. Den Rest der 3900 Euro teuren Anlage steuerte der Kirchenkreis Egeln bei. Pfarrerin Helga Pötzsch : " Wir freuen uns, dass das jetzt geklappt hat und man nur noch auf den Knopf drücken braucht. " Der Knopf ist im Eingangsbereich der Kirche zu finden, mühseliges Klettern die Holzleitern hinauf muss also künftig nicht mehr sein. " Es gibt ein Bedientableau unten im Haus, an dem manuell oder automatisch per Schaltuhr das Glockengeläut ausgelöst wird ", erklärt Pillasch. So wird auch die Umstellung zwischen Sommer- und Winterzeit eingestellt sein. Die Glocke wird dann je nach defniertem Rhythmus der Schaltuhr im Kirchturm bewegt – über eine so genannte Lineartechnik. " Das ist ein ähnliches Prinzip wie beim Transrapid ", macht Pillasch deutlich. Von einem Motor ausgehend werden dabei Schwingungen erzeugt, die über eine nur Millimeter entfernte Kontaktfäche auf die Glocke übertragen werden.

Alles in allem musste der Glockenstuhl dafür verändert, eine neue Lagerung für das Joch angebaut werden. Außerdem wurden das Joch selbst und der Klöppel erneuert.

Freitagnachmittag hat Pillasch die Glocke intoniert, und Sonnabend um 18 Uhr erklang sie das erste Mal durch den neuen Antrieb. So wurde für die Glocke in Altbrandsleben ein neues Kapitel in der Historie aufgeschlagen. Im Zweiten Weltkrieg abmontiert und zu Munition verschmolzen, bekam Altbrandsleben erst 1952 eine neue bronzene Glocke in den Kirchturm gehängt. Nur die kleine Zweitglocke war bis dahin zum Läuten übrig gewesen. Jetzt geht sie ins moderne Zeitalter ein.