Der Vorraum der Sparkassenfliale in der Lindenallee in Klein Wanzleben glich auch gestern Abend noch einem Trümmerhaufen. Wann an dieser Stelle nach der heftigen Explosion in der Nacht zum Donnerstag überhaupt wieder Geld ausgegeben werden kann, ist noch völlig unklar. Anwohner hörten zwar die heftige Detonation, konnten aber nichts von dem ungewöhnlichen Einbruch sehen.

Klein Wanzleben. Der 32-jährige Christian Trieger wird plötzlich durch einen lauten Knall wach. " Das ganze Bett hat gewackelt. Ich dachte sofort an eine Explosion in der Zuckerfabrik. So ungefähr hat sich das angehört. Doch dann war alles wieder ruhig und weil ich am Fenster nichts gesehen habe, bin ich wieder ins Bett gegangen ", erzählt der Koch, der hinter der Klein Wanzleber Sparkassenfliale in der Lindenallee wohnt. Auch sein Vater Hanno Trieger ( 56 ), der im ersten Obergeschoss seiner Gaststätte schläft und ebenfalls nahe der Sparkasse wohnt, wird zu diesem Zeitpunkt durch den Knall unsanft geweckt. " Ich dachte erst an eine Gasexplosion, weil das ganze Haus gewackelt hat. Als dann aber alles wieder ruhig war, bin ich wieder eingeschlafen. "

" Zuerst habe ich die Scherben gesehen "

Zur gleichen Zeit wird auch Martina Nowak ( 54 ), die Zeitungsausträgerin der Volksstimme, in ihrem Haus einige hundert Meter weiter wach. Auch sie wundert sich über die Detonation. Sie steht auf, da sie sich sowieso für die Tour zum Austragen der Zeitung fertig machen muss. Gegen 3. 25 Uhr startet sie und kommt dabei direkt an der Stelle der Explosion vorbei. " Zuerst habe ich die Splitter und Scherben überall auf der Straße herumliegen sehen ", erklärt sie später der Volksstimme. Dann wandert ihr Blick hoch zum Sparkassengebäude. Dort hängt der gesamte Vorbau in Fetzen. Dann erinnert sie sich wieder an das laute Geräusch, von dem sie wach geworden ist. Sie läuft nach Hause, informiert ihren Mann Fred. Der tätigt letztendlich den Notruf 110 um 3. 42 Uhr.

Den Polizeibeamten bietet sich ein Bild der Verwüstung. Die Überwachungs-Kamera der Einrichtung ist mit Farbe übersprüht. Hier waren offensichtlich Profs am Werk.

Die Polizisten kommen nicht weit, denn der gesamte Vorbau ist akut einsturzgefährdet. Über Funk werden alle Streifenwagen über den ungewöhnlichen " Spreng-Einbruch " informiert.

Um 6. 48 Uhr startet der Polizeihubschrauber " Ikarus " und beobachtet die Umgebung von Klein Wanzleben aus der Luft, doch die Besatzung kann keine auffällige Entdeckung machen. Die Tatortgruppe beginnt indessen zumindest vor dem Gebäude der Sparkassenf liale die Spuren zu sichern. Eine Beamtin sichert später mit einem Gips-Pulver Spuren auf dem naheliegenden Gelände der alten Zuckerfabrik. Möglicherweise stand an dieser Stelle das Fluchtfahrzeug.

Polizei sucht dringend Zeugenhinweise

Es ist 7. 41 Uhr als im Ort die Feuerwehr alarmiert wird. Zwei Fahrzeuge rücken mit insgeamt zehn Kameraden aus. Doch als die Einsatzkräfte anrücken, wird schnell klar, dass hier Spezialkräfte des Technischen Hilfswerkes ( THW ) zum Einsatz kommen müssen. Es ist etwa 10 Uhr als die elf Einsatzkräfte aus Magdeburg und Oschersleben zum Einsatz kommen.

Die Leitung übernimmt Michael Fricke aus Magdeburg. Er entscheidet sich mit einer Holzkonstruktion den Rest des Vorbaus so abzustützen, dass er sicher betreten werden kann.

Inzwischen ist es gegen 14 Uhr als die Spurensicherung ihre Arbeit im Vorbau aufnehmen kann. Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch : " Dadurch haben wir natürlich eine Menge Zeit verloren, aber die Sicherheit der Mitarbeiter geht natürlich vor. " Aus diesem Grund konnte er bis zum Abend noch nicht sagen, wie viel Geld die Täter erbeuten konnten. Fakt ist, das Geld fehlt.

Am Nachmittag beginnt das THW mit dem kompletten Abriss des Vorbaus. Er dauert bis zum Abend an. Wann die Sparkassenfliale wieder öffnen wird, ist noch unklar.

Die Kripo fragt jetzt : Wer hat auffällige Personen in der Nähe der Filiale gesehen. Hinweise werden unter Telefon ( 0391 ) 5 4610 91 entgegengenommen.