Oschersleben. Das war schon eine große Überraschung, als uns gestern am späten Nachmittag die Nachricht erreichte, dass Oschersleben in diesem Jahr Austragungsort der Weltmeisterschaften im Pfahlsitzen sein wird. Am 13. Juni soll das mehrwöchige Spektakel beginnen. Wie lange genau es dauert, entscheidet das Sitzfeisch der 50 bis 100 Teilnehmer, die aus weiten Teilen Deutschlands und zahlreichen anderen Ländern erwartet werden.

Es sind die vielen, in der jüngsten Zeit bis auf den Stamm gestutzten Bäume, die Oschersleben diese Weltmeisterschaften bescheren. Denn nachdem dieser lustige Pfahlsitz-Wettbewerb seit 1997 im Heidepark Soltau stattgefunden hatte, aber Querelen zwischen Heidepark-Betreiber und WM-Organisator zum Opfer gefallen war, ist der WM-Veranstalter auf der Suche nach einem neuen Austragungsort in Oschersleben fündig geworden. " Oschersleben bietet super Bedingungen ", schwärmt Organisator John Stakesitter aus England. Das hatte er sofort erkannt, als er im vergangenen Jahr beim Besuch einer Rennveranstaltung durch Oschersleben gefahren war. Während nämlich anderswo 50, möglicherweise sogar 100 tragfähige und unwettersichere Pfähle aufgestellt und ständig kontrolliert werden müssten, " stehen uns in Oschersleben die fürs Pfahlsitzen ideal hergerichteten Bäume zur Verfügung. "

Inzwischen seien mehrere " vielversprechende " Gespräche im Rathaus geführt worden, wie Stakesitter sagt : " Das Grundsätzliche ist geklärt, jetzt geht es nur noch um die Details. " Zu diesen Details gehört beispielsweise die Auswahl der Straßen, auf deren Bäumen die WMTeilnehmer Platz nehmen werden. Einige Straßen stehen bereits fest, über weitere wird je nach Teilnehmerzahl entschieden. Fest steht beispielsweise, dass die Clara-Zetkin-Straße mit ihren jüngst beschnittenen Bäumen so etwas wie das WM-Zentrum sein wird. Auch sind der Damaschkeweg, die Wilhelm-Heine-Straße und der Wiesenpark sichere Austragungsorte, wo allerdings die Bäume noch etwas " nachgeschnitten " werden müssen. Weiterhin kommen die Luisenstraße und die Breitscheidstraße in Frage. Sollten die Bäume dann immer noch nicht reichen, werde die Stadt in der einen oder anderen weiteren Straße Baumpf egemaßnahmen vorziehen, die eigentlich erst für das nächste Jahr geplant waren.

Auch werde es nach Angaben von John Stakesitter keine Probleme mit der Verkehrsberuhigung geben : " Einbahnstraßenregelungen und andere Sperrmaßnahmen wurden uns für die Zeit des Wettbewerbs von den zuständigen Behörden zugesichert. " Wie sich der Veranstalter auch mit dem Ordnungsamt schon über die " Besuchszeiten " einig sei, die den Schaulustigen eingeräumt werden. " Für die Anlieger wird es aber keine Einschränkungen bei der Nutzung der Straßen und Gehwege geben ", ist sich Stakesitter sicher.

Und so gut wie sicher sei auch, dass im Fernsehen täglich 30 Minuten über die WM berichtet wird. Hier habe sich der Veranstalter den Sportmoderator Ron Ringguth mit ins Boot geholt, der zum einen aus Oschersleben stammt und der zudem große Erfahrungen mit lustigen Sportveranstaltungen, beispielsweise als Moderator der Stefan-Raab-Wok-WM hat. Entschieden sei allerdings noch nicht, welcher Fernsehsender den Zuschlag bekommt.

Wie auch erst in drei, vier Wochen das Teilnehmerfeld vollständig sein werde. Dem werden vor allem gestandene Pfahlsitzer angehören, die bei den zurückliegenden Weltmeisterschaften kräftiges Sitzf eisch nachgewiesen haben. Also solche Leute wie der Ostfriese Hermann Kümmerlehn, der Schwabe Roland Meier, der Italiener Geraldo Apicello, der Holländer Wim Alaerds, die Dänin Lene Falk oder der Weltrekordler Daniel Baraniuk aus Polen, der es im Jahr 2002 genau 196 Tage hoch oben ausgehalten hatte.

Zudem will der Veranstalter ein paar " Wildcards " an Einwohner aus Oschersleben und Umgebung vergeben, für die allerdings ein " Probesitzen " absolviert werden muss. " Denn wer an der Weltmeisterschaft teilnehmen möchte, der sollte schon ein paar Tage durchhalten ", wie John Stakesitter sagt.

Was Bürgermeister Dieter Klenke zu dieser Weltmeisterschaft sagt, war gestern Abend nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Seine Meinung und weitere Informationen zum Spektakel des Jahres lesen Sie in unserer morgigen Ausgabe.