Landkreis Börde. Der Landkreis Börde belegt laut einer Studie Platz 1 in Sachsen-Anhalt, was Arbeitsplatzversorgung und öffentliche Schulden beträgt. Bundesweit rangiert der Landkreis auf Platz 314 von 409 Kreisen und kreisfreien Städten. Die wissenschaftliche Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ( INSM ) beleuchtete Faktoren wie Kaufkraft, Bruttoinlandsprodukt und Ausbildungsdichte. Landrat Thomas Webel zeigte sich erfreut über die Ergebnisse, es gebe aber an einigen Punkten noch Verbesserungsbedarf.

Zum zweiten Mal hat die INSM einen Regionalvergleich herausgegeben. Erstellt worden ist die Studie von Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. In dem Vergleich belegen die Kreise und kreisfreien Städte Sachsen-Anhalts die Ränge im hinteren Drittel. Von den 409 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands landet der Landkreis Börde auf Platz 314. Im Vergleich mit den Kreisen Sachsen-Anhalts indes sticht der Landkreis Börde hervor, belegt gar Platz 1 der INSMStudie.

Als Stärken weist die Studie die geringen Schulden der Gemeinden aus. Im Landkreis belaufen sich die Schulden auf 964 Euro je Einwohner. Bundesweit sind es im Schnitt 1456 Euro. Das bringt bundesweit Platz 88, in Sachsen-Anhalt Platz 1 unter 14 Städten und Kreisen. Ebenfalls als positiv bewertet wird, dass 63, 1 Prozent aller Einwohner zwischen 15 und 64 Jahren einen sozialversicherungspf ichtigen Job haben oder geringfügig beschäftigt sind. Bundesweit liegt die Arbeitsplatzversorgung bei 60 Prozent. Das bringt Rang 102 im deutschlandweiten Ranking, bezogen auf Sachsen-Anhalt ebenfalls Platz eins.

59 598 Euro erwirtschaftet jeder Erwerbstätige im Schnitt. Damit schneidet der Landkreis Börde im Gesamtvergleich mit Rang 162 ab. Zum Vergleich : Bundesweit erreicht die Produktivität ein Niveau von 58 299 Euro pro Erwerbstätigem, belegt die Studie. Innerhalb der Grenzen des Landes Sachsen-Anhalt ergibt sich Rang zwei.

Als Schwäche wird dem Kreis der Saldo zwischen Gewerbeanund -abmeldungen angekreidet. Im Landkreis Börde lag dieser Saldo 2007 bei 0,2 je 1 000 Einwohner. Bundesdurchschnitt ist ein Wert von 1,4.

Ebenfalls Plätze gekostet hat den Landkreis die recht hohe Zahl von Pendlern. Hier reichte es nur für Rang 361 im Gesamtranking und auf den letzten Platz in Sachsen-Anhalt. Ein positiver Pendlersaldo gehöre zu den wichtigen Indizien dafür, dass eine Region attraktive Arbeitgeber hat, schreibt die INSM. Weiterer Kritikpunkt der Studie : Das Verhältnis zwischen Jung und Alt der Einwohner. Dem Landkreis fehle es an jungen Menschen.

" Die Einwohner unseres Landkreises können stolz darauf sein, dass wir landesweit den ersten Platz belegen ", kommentierte Landrat Thomas Webel gestern im Volksstimme-Gespräch die Studie. Was die aufgezeigten Schwächen des Landkreises betrifft, so gebe es an einigen Stellen Handlungsbedarf. Obgleich Webel nicht alle Ansichten der INSM teilt. " Eine hohe Zahl an Pendlern zeigt doch auch, dass die Menschen leistungsfähig und flexibel sind. Das 63 Prozent der 15- bis 64-Jährigen einen sozialversicherungspf ichtig beschäftigt sind, was uns als Stärke ausgewiesen wird, dazu tragen doch auch die vielen Pendler bei ", so Webel.

Handlungsbedarf sieht der Landrat bei den Gewerbeanund -abmeldungen. " Wir haben jahrelang sehr gute Ansiedlungszahlen gehabt. Vielleicht sind wir da momentan ein wenig ausgereizt. Aber daran arbeiten wir. Nicht umsonst haben wir mit unserer Existenzgründer-Pilotin eine Fachfrau, die zu den besten im Land gehört. Da sind wir also auf einem guten Weg ", so Webel. Dennoch werde man sich Gedanken machen müssen, was noch verbessert werden kann.