" Börde-Perle " lautet der Titel unserer Serie, in der wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, interessante Ziele, touristische Perlen vorstellen, die für viele Bewohner im neuen, nun größeren Landkreis bisher eher im Verborgenen glänzen. Heute : die Calvörder Heimatstube.

Calvörde. Das kleine Museum der Mitglieder des Calvörder Heimatvereins bef ndet sich im Geburtshaus des späteren Generaldirektors des Berliner Museums, Wilhelm von Bode. Die Heimatstube öffnete am 7. Mai 1994 das erste Mal ihre Pforten und bietet Ausstellungen zur Geschichte der Region. Das Besondere an der Heimatstube ist, dass an den Tagen der offenen Tür einige Heimatfreunde höchstpersönlich die Besucher durch die Ausstellung führen und auch zu jedem nostalgischen Stück eine Geschichte erzählen können. Die Vereinsfreunde fnden auf den Spuren der Vergangenheit – manchmal bei einem Gläschen Wein – genügend Gesprächsstoff.

Mit der Sammlung wird eindrucksvoll an alte gewerbliche, bäuerliche und handwerkliche Traditionen des Fleckens Calvörde erinnert. Dieses dokumentieren Gerätschaften aus der Feld- und Milchviehwirtschaft, Werkzeuge aus dem Tischler- und Schuhmacherhandwerk, Geräte für das häusliche Schlachten, aber auch alte Einrichtungsgegenstände sowie Instrumente aus einer Arztpraxis und vieles andere mehr. Der Begriff Stube täuscht, denn schon längst erstreckt sich das Domizil der historischen Kostbarkeiten auf eine ganze Etage.

Inge Dietz, geborene Böwing, übergab 2008 mit ihrer Schwester Hildegard Böwing ein 5 000 Jahre altes Steinbeil den Calvörder Heimatfreunden. " Wir sind mit dem Stein groß geworden. Der Stein lag immer bei unserem Großvater auf dem Schreibtisch und war im Grunde genommen 150 Jahre im Besitz der Familie ", sagt Inge Dietz. Noch zu Lebzeiten der Mutter wurde in der Familie ausgemacht, dass der Stein in der Heimatstube seinen Platz fnden soll. " Vor zwei Jahren ist unsere Mutter gestorben. Wir haben keinen Zweifel daran, dass der Stein hier gut aufgehoben ist ", so die Schwestern.

Ein Vorfahre ihrer Familie hatte das Steinbeil 1850 auf dem Böwingschen Acker im Flurstück Teufelsküche in Calvörde gefunden. " Der Stein war auch schon mal auf einer großen Ausstellung. Doch die Familie Böwing hat ihn nicht einem Museum überlassen, sondern immer als Eigentum bewahrt ", weiß Jürgen Schrader, der sich als Mitglied des Heimatvereins mit der Geschichte des Beils aus Feuerstein beschäftigte.

" Das Beil stammt aus der Jungsteinzeit – Neolithikum – und lässt sich der Trichterbecherkultur zuordnen ", erzählt Schrader, der dicke wissenschaftliche Bücher studierte, um die Legende des Beils zu erkunden. " Der Stein ist mit einem Alter von etwa 5 000 Jahren älter als die Himmelsscheibe von Nebra, die es nur auf 3 600 Jahre bringt ", verkündet Schrader und ergänzt : " Es ist aber jünger als das Sonnenobservatorium von Goseck, das 7 000 Jahre auf dem Buckel hat. "

Karl-Heinz Lindeke, Vorsitzender des Heimatvereins, versicherte den Damen, dass das Familienstück einen besonderen Platz im Heimatmuseum bekommen wird. Einen festen Platz in der Heimatstube hat auch ein etwa 25 Millionen Jahre altes Stück Holz. " Dieses hat Toni Fiedler bei Bauarbeiten gefunden ", erzählt Lindeke und erklärt : " Familie Fiedler hat einen Geologen in der Familie. Dieser Experte hat das Holz in einem Institut im sächsischen Freiberg untersucht. "

Einmal im Quartal gibt es den Tag der offenen Tür. Der nächste Treff für Besucher ist der 18. Mai von 14 bis 16 Uhr. Die Heimatstube an der Neustadtstraße 18 in Calvörde kann auch nach Vereinbarung besucht werden. Kontakt ist unter Telefon ( 03 95 01 ) 4 30 möglich.