" Börde-Perle " lautet der Titel unserer Serie, in der wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, touristische Perlen vorstellen, die für viele Bewohner im neuen, nun größeren Landkreis bisher eher im Verborgenen glänzen. Heute : Die Stiftskirche St. Pankratius Hamersleben.

Hamersleben. Die Stiftskirche St. Pankratius in Hamersleben kann auf eine fast 900 jährige Geschichte zurückblicken und zählt zu den bedeutendsten romanischen Anlagen im mitteldeutschen Raum. Ihre zwei quadratischen Türme, die in den oberen Geschossen zum Achteck überführt werden, weisen schon von weitem den Weg nach Hamersleben.

Bischof Reinhard von Halberstadt verlegte den von ihm gegründeten ersten Augustiner-Chorherren-Konvent im Jahr 1109 oder 1111 von Osterwieck nach Hamersleben, da dies die Schenkung zweier adliger Damen zur Bedingung machte.

Die Stiftskirche wurde von Benediktinern nach italienischem Vorbild aus Sandsteinquadern in einem kreuzförmigen Grundriss als dreischiffge und f achgedeckte Säulenbasilika erbaut. Sie zeugt noch heute von der Kunstfertigkeit ihrer Baumeister. Betritt man das Gotteshaus, empfängt einen ein heller, sakraler Bau von schlichter und klarer Schönheit, in dem es einiges zu entdecken gilt. Zwölf Monolithensäulen bestimmen das Innere des Langhauses. Eine bildhauerische Qualitätsarbeit ist die Kapitellornamentik mit den Kampfszenen aus dem Tierreich sowie Masken und Pfanzen. Zur spätromanischen Ausstattung gehört das Altarziborium aus dem 13. Jahrhundert, das eines der wenigen erhaltenen Beispiele in Deutschland ist.

Aus gotischer Zeit ist die lebensgroße Madonna auf der Mondsichel überliefert, die an die Arbeiten von Tilmann Riemenschneider erinnert. Auch das Zeitalter des Barock hat in Hamersleben seine Spuren hinterlassen. Aus dieser Zeit stammen der Hochaltar, das Chorgestühl und die mächtigen Apostelf - guren.

Die Stiftskirche ist trotz ihrer Abgelegenheit am Rande des Großen Bruchs ein Geheimtipp unter allen Liebhabern der romanischen Architektur. Ist der Besucher schon von der Größe und erhabenen Schönheit der Stiftskirche beeindruckt, so hält St. Pankratius noch eine weitere Überraschung parat. Das Gotteshaus verfügt über eine einzigartige Akustik. So ist es möglich, jeden einzelnen Ton in jedem Winkel des Bauwerks zu hören.

Bis zur Aufhebung prägten Kloster und Stiftskirche über 700 Jahre den Ort Hamersleben und seine Umgebung. In den letzten 200 Jahren haben staatliche Denkmalpf eger den jetzigen, hervorragenden Zustand gewährleistet. Anfang der 60 er Jahre kam Pfarrer Ludger Kemming nach Hamersleben. Auf ihn hatten nicht nur die katholische Gemeinde, sondern auch die Denkmalpf eger gewartet. Mit ihm begannen die Sanierungsarbeiten am Pfarrhaus und der Stiftskirche. Mehr als 20 Jahre dauerten die Arbeiten. Nachdem bereits 1950 zentnerschwere Mauersteine vom Westgiebel in die Orgel gefallen waren, wurde das Instrument im Zuge der Sicherung des Giebels demontiert und verstummte. Die erhaltenen Holz- und Metallpfeifen bewahrte Pfarrer Kemming auf. Doch erst 1991 wurde mit dem Einbau des Rückpositivs der Grundstein für die Erneuerung der Orgel gelegt.