War das ein spannender Pfingstsonntag, der am Ende mit einem wahren Triumph der Sülldorfer Schalmeienkapelle endete: Die Musiker sind Deutsche Meister. Mit nur einem Zehntel Vorsprung hatten sie vor dem Barneberger Schalmeienorchester die Nase vorn.

Sülldorf/Königslutter. "Eine Stadt voller Musik"– diesem Motto wurde die Stadt Königslutter im Landkreis Helmstedt am vergangenen Pfingstwochenende mehr als gerecht. Gastgeber, der Spielmannszug Königslutter, trug gemeinsam mit dem Bundesverband der Spielmanns-, Fanfaren-, Hörner- und Musikzüge die Deutschen Meisterschaften aus. Über 30 Ensemble mit mehr als 1900 Musikern waren in die Stadt am Elm gekommen. Mit dabei das Barneberger Schalmeienorchester und natürlich aus dem Sülzetal, die Sülldorfer Schalmeienkapelle.

"Wir sind mit dem Ehrgeiz, Deutscher Meister zu werden, nach Königslutter gereist. Eine Silbermedaille bei Deutschen Meisterschaften hatten wir schon, da wollten wir uns natürlich steigern", meinte gestern Morgen ein überglücklicher Günter Hoffmann.

Er, der vor 46 Jahren die Kapelle gegründet hat, konnte es kaum fassen, dass das ehrgeizige Ziel tatsächlich erreicht werden konnte. Zumal er selbst nur Zuschauer sein durfte. Angespannt saß er am Sonntag in der Sporthalle, wo der Auftritt "seiner Musiker" um 17.50 Uhr beginnen sollte. Angespannte Gesichter auch im Einspielraum, wo die Lieder, hundertfach, vielleicht auch tausendfach geprobt, noch einmal gespielt wurden. "Amsterdam", "The Lion sleeps tonight" und "Stand by me" hatte die musikalische Leiterin der Sülldorfer Schalmeienkapelle, Kerstin Kniebel, für den Wettbewerb ausgewählt.

Etliche Fans und "Daumendrücker" waren an diesem Pfingstsonntag mit nach Königslutter gereist. Gespannt verfolgten sie allesamt den 20-minütigen Vortrag. Mucksmäuschenstill ist es auf den Zuschauerrängen, als die Sülzetaler die Halle betreten, Kerstin Kniebel den Taktstock hebt. Nun endlich ist auch bei ihr die Anspannung vorbei. Wobei sie im Nachhinein erzählt, dass ihr während des ersten Liedes so die Knie schlotterten, dass sie Angst hatte, umzufallen. Ist sie nicht und gar meisterlich hat die Sülldorfer Schalmeienkapelle ihren Vortrag beendet, beklatscht von begeisterten Fans. Kerstin Kniebel und Günter Hoffmann sind in diesem Moment zufrieden, wenn auch unsicher. Hat es für den Meistertitel gereicht?

Viel Geduld und riesige Freude

Bis diese Fragen an diesem Spätnachmittag beantwortet ist, müssen alle beteiligten Musiker aus allen möglichen Gegenden Deutschlands sich gedulden. Die Sülldorfer haben den Reigen der Vorträge beendet, doch nun muss noch ausgewertet werden. Gestartet ist die Sülldorfer Schalmeienkapelle in der Kategorie Freie Klasse Schalmeien, Senioren B. Genau wie die unmittelbaren Konkurrenten vom Barneberger Schalmeienorchester und dem Kleinmühlinger Schalmeienorchester 1979 e. V. Allesamt Vertreter aus Sachsen-Anhalt.

Überhaupt war unser Bundesland in Königslutter mit den bereits genannten Schalmeienensembles auch mit dem Stadtorchester Dardesheim, dem Spielsmannszug 1998 FF-Harsleben und dem Jugendblasorchester Halberstadt überaus gut vertreten.

Es ist ein beeindruckendes Bild, als die über 30 Musikensemble mit den über 1900 Musikern in ihren zum Teil tollen und farbenprächtigen Kostümen und Uniformen auf dem Sportplatz einmarschieren, wo die Siegerehrung vorgenommen wurde.

Der Vorsitzende des Bundesesverbandes, Wolfgang Ziesmann, bedankt sich bei den Musikern für ein faires Miteinander, bei den Organisatoren und Gastgebern für ein großartiges Fest der Musik. Gemeinsam mit den Vorsitzenden der Landesverbände, für Sachsen-Anhalt war der neuen Vorsitzende, Stefan Hinze, vor Ort.

Die Spielführer und Ensembleleiter treten schließlichvor, um während der Siegerehrung Urkunden und Erinnerungsfotos entgegenzunehmen.

Die ersten Gold- und Silbermedaillen werden vergeben, Jubelschreibe ringsumher. Die Geduld der Sülldorfer wird einmal mehr auf eine harte Probe gestellt. Unmittelbar neben Kerstin Kniebel und Günter Hoffmann stehen die Vertreter aus Kleinmühlingen, sie haben bereits Silber entgegenommen, für die Barneberger gab es gar Gold. Und Sülldorf? Immer noch warten, geduldig sein. Endlich. Heinz-Joachim Henke, ehemaliger Landesverbandsvorsitzender von Sachsen-Anhalt und Moderator der Veranstaltung, verkündet: Gold geht in die Magdeburger Börde, in das Sülzetal. Dem Schrei der Erleichterung folgen die Freudentränen, der Jubel der Sülldorfer kennt keine Grenzen. Doch noch ist die Siegerehrung nicht beendet. Wer ist Deutscher Meister, kann den Pokal mit nach Hause nehmen? Als die Sülldorfer ein zweites Mal aufgerufen werden, gibt es kein Halten mehr. Das ist einfach zu schön, um wahr zu sein – die Sülldorfer Schalmeienkapelle ist Deutscher Meister der Schalmeienorchester!

Vergessen sind die Stunden des "Schindens", die harte Arbeit hat sich gelohnt. "Ich ziehe den Hut vor meinen Leuten, sie haben sich diesen Erfolg hart erarbeitet, nicht gemurrt, wenn sonntags Proben angesetzt waren", meint ein überglücklicher Günter Hoffmann. Auch Kerstin Kniebel, diese Vollblutmusikerin, die mit ihrem beharrlichen Streben die Schalmeienkapelle weit nach vorn gebracht hat, ist erleichtert und freut sich maßlos.

Längst ist die frohe Botschaft vom Sieg nur Minuten später im Sülzetal angekommen.

Empfang für die Meister-Musiker

"Ohne Sponsoren und Unterstützer wären wir aber auch nicht soweit gekommen", meint Günter Hoffmann als er gestern Morgen die "Siegprämie" von Dorothee Wallstab und Ehemann Hartmut Lohse vom Sülldorfer Hof und Welslber Geflügelhof entgegennimmt, immerhin 500 Euro. Ehrenmitglied Werner Pesel war auch nicht mit leeren Händen zur spontanen Siegfeier zu Günter Hoffmann am Pfingstmontag gekommen.

Jörg Methner als Vorsitzender des Gemeinderates mit nach Königslutter gereist, hat inzwischen einen Empfang für die Deutschen Meister organisiert. Am Sonntag, 30. Mai, werden sich die Musiker ab 14 Uhr in der Altenweddinger Festhalle präsentieren.

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