Eigentlich schien alles in die richtigen Bahnen gelenkt, schien der Sanierung der Grundschule Osterweddingen nichts mehr im Wege zu stehen. Doch (erst) seit Dienstag wissen es auch die Eltern definitiv: So wie geplant, wird die Sanierung nicht laufen. Sie fürchteten gestern gar, dass die Schule geschlossen wird.

Osterweddingen. Gerüchte gibt es seit dem 29. April. An diesem Tag wurde der Beschluss des Gemeindehaushaltes von der Tagesordnung genommen. Die Begründung war nicht öffentlich, dennoch wurde bekannt, dass der Haushalt nicht beschlossen werden konnte, weil sich die Baukosten für die Sanierung der Grundschule Osterweddingen wesentlich erhöht haben. Ursprünglich standen für die Sanierung der Schule und eines Anbaus, in dem sich zurzeit noch Teile der Gemeindeverwaltung befinden, knapp 400 000 Euro zur Verfügung. Mit den Zahlen aus den Vorplanungen war man sich sicher, dass das Geld reicht. Dann aber gingen die Fachplaner für Elektro und Brandschutz ans Werk. Gerade hinsichtlich des Anbaus war immer betont worden, dass hier der Aufwand, aus dem einstigen Schule gebäude wieder eine Schule zu machen, relativ gering sei. Die Flure wollte man eigentlich im ersten Bauabschnitt gar nicht anfassen. Doch in den Flurdecken verlaufen sämtliche Elektrokabel und dazu sagten die Fachplaner: "So geht es nicht, was für ein Verwaltungsgebäude erlaubt war, würde jetzt gegen die Schulbauverordnung verstoßen. Um in Sachen Brandschutz und Elektro der Schulbauverordnung gerecht zu werden, müssen die elektrischen Anlagen erneuert und brandschutzgerecht verlegt werden. Statt der geplanten 400 000 Euro Baukosten für den ersten Bauabschnitt standen nun 677 000 Euro unterm Strich. An dieser Stelle muss betont werden, dass die Gemeinde auch den Eltern gegenüber bereits vor Wochen deutlich gemacht hatte, dass sie nur den ersten Bauabschnitt im Rahmen der 400 000 Euro leisten kann, alles andere müsse bis nach der Haushaltkonsolidierung nach 2017 warten. Doch die nun zusätzlichen 277 000 Euro für den Brandschutz wären nicht aufschiebbar gewesen, hätten zwingend im Folgejahr umgesetzt und im Haushalt dargestellt werden müssen. In der Haushaltskonsolidierung jedoch undenkbar.

An dieser Stelle zog Bürgermeister Erich Wasserthal die Notbremse und stoppte sämtliche Planungen für den Umbau wie auch für den Umzug der Verwaltung.

In den vergangenen Wochen wurde nach Lösungen gesucht, mehrere Varianten geprüft, um den Umbau mit den vorhandenen Mitteln doch noch zu bewerkstelligen. Unter anderem wurde vorgeschlagen, den Schulstandort Osterweddingen "auszudünnen". Was bedeuten würde, Dodendorfer und Sülldorfer Kinder künftig in Langenweddingen oder Altenweddingen zu beschulen. "Wir stellen damit keineswegs den Schulstandort in Osterweddingen zu Frage. Im Gegenteil, allein an hand der Schülerzahlen ist der Schulstandort sicher. Osterweddingen wird immer 60/70 Kinder haben", so Bürgermeister Wasserthal.

Hat die Schule weniger Kinder, werden auch weniger Klassenräume gebraucht, was sich auf den Umbau der Schule auswirken würde. Bis zum 31. Oktober dieses Jahres ist eine Doppelnutzung von Schule und Hort erlaubt, denn die Hortcontainer werden zum Schuljahresende abgebaut. Wie die Schule nun umgebaut wird, wie die weitere Entwicklung aussieht, darüber werden die Eltern am 10. Juni während einer Veranstaltung in der Osterweddinger Sporthalle informiert.

Leider ist es auch so, dass bis zum Dienstagabend, als die Eltern während einer Gesamtkonferenz über den Stand der Dinge informiert wurden, sehr viel Gelegenheit war, die Gerüchteküche im Sülzetal so richtig brodeln zu lassen. So sind Gerüchte im Umlauf, die höheren Baukosten wären durch zu hohe Planungskosten entstanden. Diese würden bei 25 Prozent liegen. Dem muss Bauamtsleiter Fred Fedder widersprechen: Mit Gemeinderatsbeschluss wurde am 25. März für den ersten Bauabschnitt ein Gesamthonorarvertrag von 61 000 Euro beauftragt. Hinter den genannten 25 Prozent verbirgt sich der komplette Wert der Kostengruppe 700 gemäß Honorarverordnung für Architekten und Ingenieure. Diese schließt die Kosten für sämtliche Nebenkosten wie behördliche Gebühren mit ein. Behauptet werde auch, die Planungsleistungen wären nicht ausgeschrieben worden. Das jedoch hängt mit den Fördermittelanträgen zum Schulbauprogramm und der Erarbeitung der Schulkonzepte aus dem Jahr 2008 zusammen, meint Bürgermeister Erich Wasserthal. Hier hätten die Büros Planungsleistungen erbracht. Diese wären nicht bezahlt worden, da die Schulen nicht berücksichtigt wurden. Nun habe die Gemeinde auf das Planungsbüro mit den vorhandenen Planungsunterlagen zurückgeriffen.