Die erhöhte Kurtaxe, marode Wanderwege, aber auch der Bau einer Ferienanlage nahe des Ortes und der Verkauf lange Zeit blockierter Häuser sind Themen in der Bürgermeistersprechstunde in Sorge. Das Grenzmuseum ist ein Magnet, aber geschlossen.

Sorge. "Was außer schöner Natur haben denn die Gäste für 50 Cent hier bekommen, und was kriegen sie nun für die auf 300 Prozent erhöhte Kurtaxe? Viele Wanderwege sind nicht begehbar, der Parkplatz bei mir gegenüber vereist, eine Rodelbahn nicht nutzbar – die Erhöhung ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar!"

Mit dieser Generalkritik eröffnet Gastwirt Detlef Tronnier die Bürgermeistersprechstunde mit der Harzer Volksstimme am Donnerstagabend im Gemeindebüro. Der Ort und vor allem die Vermieter der rund 80 Gästebetten in Sorge hätten zu kämpfen, um ihr Geld verdienen zu können. Schon die lapidare Form der Erhöhung der Kurtaxe per E-Mail sei eine Katastrophe gewesen, so Tronnier weiter. Und die Ortseinfahrt von der B 242 sei bei dem hohen Schnee jüngst so eng gewesen, dass für Einheimische kaum ein Durchkommen war, "ganz zu schweigen für Gäste".

14 Gebäude stehen zum Verkauf bereit

"Wir tun schon, was wir mit einer halben Gemeindearbeiter-Stelle tun können", entgegnet die ehrenamtliche Ortsbürgermeisterin Inge Winkel. Selbst wenn sie gegen die neue Kurtaxe gestimmt hätte, wäre die beschlossen worden. Und für den Anschluss an den Urlauber-Bus im "Hatix"-System sei sie schon immer gewesen. Das vernetze Sorge mit den anderen Orten, auch über die neue künftige Wochenendbuslinie, so Winkel. Und an all den anderen Problemen werde intensiv gearbeitet.

Die Ortschefin informiert darüber, dass die Pläne zum Ausbau der früheren Johanniter-Heilstätte, auch "Kurheim" genannt, zu einer Ferienanlage fertig seien und der holländische Investor "auf jeden Fall" bauen werde. Ein neuer Betreiber der Anlage, nachdem ein erster absprang, werde noch gesucht. Und auch in einer anderen Sache gebe es einen Durchbruch: Die Erben von Johannes Vogel, denen ein Großteil der Gebäude im Ort gehört, wollen verkaufen. 14 Objekte inklusive des einstigen Hotels "Sorgenfrei" und der 1705 gebauten Faktorei werden nun angeboten.

Das gebe die Chance, dass es bald aufwärts geht, hieß es, wenn gleich bei einem früheren Verkauf viele Sorger wohl nicht weggezogen und im Ort geblieben wären. "Nun kommt Bewegung in die Sache", so die Ortschefin optimistisch.

Einwohnerzahl hat sich seit 1990 halbiert

Das gebe Auftrieb für Sorge und für das Zusammenwachsen in der Stadt Oberharz und die kleinen Schritte, in denen sich der 105-Seelen-Ort Sorge nunmal nur entwickeln lässt. 1990 waren es noch etwa doppelt soviel Einwohner wie heute gewesen. "Deshalb ist es wichtiger denn je, dass jeder seinen kleinen Beitrag für den Heimatort leiste und nicht immer alle auf andere oder ,die Gemeinde‘ zeigen", argumentiert Inge Winkel. Und bei allen Problemen habe auch der Winterdienst beim jüngsten Schneeeinbruch doch recht gut funktioniert, oft unter schwierigen Bedingungen, wofür sie herzlich Danke sage.

"Der Parkplatz am Grenzmuseum war immer gut geschoben, auch das Müllauto kam regelmäßig durch", lobt Christa Spengler ebenfalls den Einsatz der Winterdienstler der Stadt Oberharz in Sorge. Frau Spengler merkt zugleich an, dass etliche Wanderwege von Sorge Richtung Tanne und Benneckenstein dringend der Pflege bedürfen. "Im Steinbachtal liegen schon seit zwei Jahren Fichten im Weg, die keiner wegräumt", so die Oberharzerin. Auch darum wolle sie sich kümmern, sagt Inge Winkel zu – und merkt erneut an, dass mehr Bürger mithelfen müssen, wenn sich Sorge gut entwickeln soll.

Beleuchtete Futterstelle lockt gut das Rotwild

Beispiel eines solchen Zusammenwirkens sei die beleuchtete Fütterung, die durch die Initiative der Sorger und vieler Unterstützer mit Ausnahmegenehmigung angelegt werden konnte. Gerade in dieser Jahreszeit sei regelmäßig Rotwild zu sehen. Und wie zur Bestätigung kamen diesen Donnerstag am Ende der Bürgerfragestunde gleich drei Hirsche an die Futterstelle.

   

Bilder