Wernigerode. Der 28. Januar wird für sie unvergessen bleiben. "Er ist mein zweiter Geburtstag", sagte die 28-jährige Golf-Fahrerin. Gleiches empfanden wohl auch der Lkw-Fahrer, Lok-Führer und die Fahrgäste des Zuges, die bei dem gestrigen schweren Verkehrsunfall auf dem Bahnübergang am Wernigeröder Ortsausgang mit großem Schrecken davon gekommen sind. Am Kopf verletzt wurde ein Mitarbeiter des städtischen Tiefbauamtes (lesen Sie auch im Sachsen-Anhalt-Teil).

Der 32-Jährige war gemeinsam mit einem Kollegen und zwei Mitarbeitern des Landesbaubetriebes im Bereich des Bahnübergangs beschäftigt, als um 10.46 Uhr plötzlich der Regionalexpress in einen Schwerlaster raste. Dabei trennte die Lok den mit Gussteilen voll beladenen Lkw vom Anhänger mit brachialer Gewalt. Der 52-jährige Fahrer war gerade noch rechtzeitig aus dem Lkw gesprungen.

Die 28-jährige Lehrerin, auf dem Weg zur Arbeit nach Bad Harzburg, hatte an der rotblinkenden Ampel am Bahnübergang gestoppt. Blitzschnell setzte sie dann ihren Golf zurück. "Ich sah den Zug heranrauschen, doch der Laster war von den Gleisen noch nicht runter", so die junge Frau aus Mecklenburg-Vorpommern gegenüber der Volksstimme. Nach einem fürchterlichen Knall, schilderte sie weiter, sei der Anhänger samt tonnenschwerer Ladung regelrecht umgeschleudert worden und landete kurz vor ihrem Golf. Umherfliegende Gegenstände durchschlugen die Frontscheibe. Die Lehrerin und ihr Beifahrer: "Das hätte für uns ganz böse ausgehen können."

Geistesgegenwart bewies auch der Lokführer. "Er hat die Notbremse gezogen und rannte durch das Abteil nach hinten. So hat er mit Sicherheit sein Leben gerettet", sagte ein Ehepaar aus Petershagen bei Minden. Nach dem Zusammenstoß habe der Zug kurz mächtig geschaukelt und sei dann zum Stehen gekommen. Der erste Gedanke des Paares, das auf Silberhochzeitsreise nach Wernigerode unterwegs war: "So etwas liest man sonst in der Zeitung, und plötzlich bist du mittendrin."

Der Lokführer, dem es nach Aussage des Rettungsdienstes den Umständen entsprechend gut ging, und zwei leicht verletzte Fahrgäste wurden ins Harz-Klinikum gefahren. Dort war bereits der Rathausmitarbeiter, der nach Auskunft des Arztes nicht schwer verletzt sei, doch weiter behandelt werden müsse.

Die Aufräumarbeiten am Bahnübergang zogen sich bis in die gestrigen Abendstunden hin. Die Bahn rollte ab 14.15 Uhr, der Fahrzeugverkehr auf der Ilsenburger Straße von und nach Darlingerode ab 17 Uhr wieder. In dieser Zeit warteten hunderte Reisende auf Schienenersatzverkehr und bildeten sich auf der Ilsenburger Straße und den Umleitungsstrecken in der Stadt lange Staus.

Die Untersuchungen zur genauen Ursache dauerten zu Redaktionsschluss noch an.

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