Wernigerode/Halberstadt l Zum Jahreswechsel hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) Persönlichkeiten mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet. Zu ihnen gehört der 72-jährige Agrarwissenschaftler Dr. Uwe Wegener.

Wegener war Mitbegründer des Nationalparks Hochharz und ist auf vielen Gebieten des Naturschutzes aktiv. "Das war eine Teamarbeit, deshalb muss ich den Dank weitergeben", sagte der gebürtige Halberstädter. Diese Leistungen hob auch der Ministerpräsident hervor. Haseloff: "Sie sind lebenslang auf der Suche nach der Vereinbarkeit von Landschaftsnutzung und Landschaftsschutz. Folgerichtig wurden Sie auch zu einem der Initiatoren des Nationalparks Hochharz. So sind Sie durch unermüdliche Arbeit zu einer Institution des Naturschutzes der gesamten Harzregion geworden."

Diese Aufgabe sieht Uwe Wegener noch nicht vollendet. "Wir müssen jeden Tag das neue Wir-Gefühl schmieden", betonte er im Hinblick auf die Zusammenarbeit zwischen Ost und West im Harz, zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Noch hat er in der Wernige- röder Harz-Verwaltung einen Schreibtisch und ist stellvertretender Vorsitzender des Nationalparkbeirats Harz.

"Eigentlich wollte ich einmal Förster werden", gestand Wegener. Nach seinen frühen Kontakten zum Halberstädter Museum "Heineanum" begann er zunächst, Agrarwissenschaften zu studieren. Es folgten Stationen in verschiedenen Forschungseinrichtungen. Dabei spielte der Naturschutz immer eine wichtige Rolle. Nach sieben Jahren Fernehe zog es den Wissenschaftler in seine Heimat. Hier wurde er Naturschutzwart im Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Wernigerode.

"Der Start war nicht einfach, aber im Betrieb mit 1060 Mitarbeitern ergaben sich später viele Möglichkeiten, mehr für den Naturschutz zu tun." In der Gesellschaft begann langsam ein Umdenken. Ehrenamtliche Helfer wurden für Einsätze in der Natur gewonnen. Inzwischen ist auf allen gesellschaftlichen Ebenen die Bedeutung des Naturschutzes klar geregelt. "Wichtig ist es, immer mit den Bewirtschaftern der jeweiligen Flächen zusammenzuarbeiten", betonte der Fachmann.

Natürlich könnten sich die Naturschützer nicht immer durchsetzen. Bei der B 6n habe man sich Pläne für eine Linienführung weiter weg vom Harz, näher an Halberstadt eingesetzt. Dass diese Straße heute so gut angenommen wird, freut auch ihn. Den Druck, den der BUND gegen die Autobahn 14 aufbaut, kann Wegener nicht nachvollziehen. "Wenn die Mehrheit für diesen Neubau ist, muss man das in einer Demokratie auch akzeptieren", sagte er.

Neben seinen ehrenamtlichen Aufgaben kümmert sich Uwe Wegener um vier Hektar Bergwiesen, arbeitet im Landschaftspflegeverband Harz mit, betreut eine Streuobstwiese bei Sargstedt. Hier liegen ihm bedrohte Pflanzen wie Orchideen am Herzen. Reisen mit seiner Ehefrau Ortrud waren immer ein Höhepunkt. Beide liebten schon vor der Wende Sibirien. Nach Touren durch die Nationalparks der USA zog es das Paar gen Osten, bis nach Kamschatka und in die Mongolei. "Die Insel Sachalin steht jetzt noch auf unserem Wunschzettel." Und dann sind da noch die Buchprojekte. Das begann mit Fachbüchern zum Naturschutz in der DDR-Zeit, 2002 mit der Aufarbeitung der deutsch-deutschen Naturschutzgeschichte, es folgten Werke zum Thema Nationalpark Harz. 2014 soll ein Werk zum Hochharz erscheinen.

Was wünscht sich Wegener für 2014? "Wie überall hat auch der Naturschutz mit dem Nachwuchsproblem zu kämpfen." Er hofft deshalb, dass sich mehr junge Leute für dieses spannende, wenn auch problematische Gebiet begeistern.