Drei Wochen, sechs Inlandflüge und unzählige Stunden im Bus - eine Reisegruppe aus Wernigerode hat Vietnam von Nord nach Süd entdeckt. Mit vielen Eindrücken sind die Gäste zurückgekehrt. Höhepunkt der Reise ist ein Besuch von Wernigerodes neuer Partnerstadt Hoi An gewesen.

Wernigerode l Seit dem Sommer schmückt sich Wernigerode mit einer neuen Partnerstadt - dem vietnamesischen Hoi An. Für viele Bewohner der bunten Stadt ist der südostasiatische Staat nicht nur auf der Landkarte sehr weit weg. Wie leben die Menschen dort? Was bewegt sie? Wie speisen sie? Die meisten Wernigeröder wissen es nicht.

Eine siebenköpfige Reisegruppe hat sich kürzlich auf den Weg nach Vietnam begeben, um Land und Leute, aber vor allem um die Partnerstadt Hoi An kennenzulernen. "Wir hatten das große Glück, dass uns Huong Trute auf dieser Reise begleitet hat", sagt Lothar Andert. Und nicht nur das. Die gebürtige Vietnamesin, die seit Jahren erfolgreich als Gastronomin in Wernigerode arbeitet, hatte die Tour durch ihr Heimatland im Vorfeld organisiert. Auch Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht und seine Frau nahmen die "einmalige Gelegenheit" wahr, das ferne Land von Nord nach Süd mit einer Kennerin zu entdecken.

Drei Wochen, sechs Inlandflüge, unzählige Stunden im Bus und Aufenthalte in zwölf verschiedenen Hotels liegen hinter Lothar Andert, Uwe-Friedrich Albrecht und ihren Begleitern. Und zahllose Erlebnisse und Eindrücke, die sie erst einmal verarbeiten müssen. "Die Menschen in Vietnam sind unheimlich herzlich", erinnert sich Andert. "Sehr gastfreundlich, sie lassen dich gleich in ihr Haus." In den Marktstraßen rieche es köstlich. "Verlockend", sagt Albrecht. "Die Vietnamesen kochen auf der Straße. Man kann an jeder Ecke gut essen." Das Land biete so viele Sehenswürdigkeiten: historische Städte, Tempelanlagen, traumhafte Landschaften mit bewaldeten Bergen und verbundenen Seeflächen, kilometerlange Höhlensysteme, malerische Strände und Buchten.

Aber vor allem die persönlichen Kontakte, die sie während ihrer Reise geknüpft haben, seien wertvoll gewesen. "Nach einer vierstündigen Busfahrt durch den Nieselregen erreichten wir Lac Son", berichtet Lothar Andert. Dorthin war Huong Trute als Kind während des Krieges geflüchtet und in die Schule gegangen. "In dem Gymnasium, in dem heute 1200 Schüler lernen, wurden wir als erste ausländische Besuchergruppe sehr respektvoll und äußerst freundlich empfangen", sagt Andert. Sie trafen dort den ehemaligen Schulleiter. Huong Trute durfte sogar auf ihrer alten Schulbank Platz nehmen, die nach 38 Jahren noch nicht erneuert worden war.

"Die Menschen sind auf ihre Art zufrieden. Das hat mich beeindruckt."

Uwe-Friedrich Albrecht

Höhepunkt war der Aufenthalt in Hoi An. "Obwohl wir immer wieder den privaten Charakter unserer Reise betont haben, wollten der Kulturamtsleiter, der Wirtschaftsförderer und die Musiker, die wir schon in Wernigerode kennengelernt hatten, einen Abend mit uns verbringen", so Lothar Andert. "Am Wasser unter Palmen konnten wir viel essen, trinken, lachen und Geschenke austauschen." Darunter Zeichnungen von Mädchen und Jungen aus zwei Wernigeröder Kindergärten. "Im Gegenzug erhielten wir Bilder von Kindern aus Hoi An", sagt Uwe-Friedrich Albrecht.

Eine Führung durch die nächtliche, von Lampions erleuchtete Altstadt rundete den geselligen Abend ab. "Hoi An ist eine alte Hafenstadt mit schönen, historischen Handelshäusern, Tempeln, Pagoden, schmalen Gassen, Wasserläufen und alten Brücken", erinnert sich Lothar Andert. Die Stadt - nein, das ganze Land, sei eine Reise wert.

Uwe-Friedrich Albrecht würde gern wieder zurückkehren. "Sicherlich, Vietnam zählt immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt. Man fragt sich, wie die Leute überhaupt existieren können, wenn man alte Mütterchen am Straßenrand sieht, die Gemüse verkaufen. Dennoch sind die Menschen auf ihre Art zufrieden. Und das hat mich sehr beeindruckt."

 

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