Wenn es darum geht, Verunglückte aus Seen oder Flüssen an Land zu holen, sind Strömungsretter der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) die erste Wahl. Rund 20 speziell geschulte Retter gibt es in Sachsen-Anhalt. Am Wochenende war im Harz Training angesagt.

Halberstadt/Wernigerode l Ein geruhsamer Start ins neue Jahr? Denkste. Die aktiven Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) müssen jederzeit einsatzbereit sein. Vor allem die Strömungsretter, die zum Einsatz kommen, wenn Menschen aus extremen Gefahrensituationen befreit werden müssen. Während der Hochwasser-Katastrophe im Sommer 2013 waren die Harzer in Halle und in Fischbeck bei Stendal im Einsatz, um Menschen aus überfluteten Gebieten zu retten. Um stets fit zu sein, sind die Harzer Strömungsretter gleich nach dem Jahreswechsel in Halberstadt mit einem Ausbildungstag ins neue Jahr gestartet. "Nach dem Auftakt in unserer Geschäftsstelle ging es an den Halberstädter See, um die praktischen Komponenten zu üben", erklärte DLRG-Sprecherin Anja Bresch.

"Im Mittelpunkt standen ein intensives Wurfsacktraining sowie das Üben von speziellen Knoten und Ankern. Zum Abschluss wurde die sogenannte Schräghangrettung trainiert", so die DLRG-Landessprecherin. Um eine verletzte Person mit einer Schleifkorbtrage zu retten, seien nicht nur Übung und Routine, sondern vor allem Ausdauer und Kraft erforderlich.

Neben Strömungsrettern in der DLRG-Ortsgruppe Benneckenstein seien insbesondere in Halberstadt und Wernigerode jene Spezialisten verfügbar, berichtet Anja Bresch. Und die Harzer müssten sich im landesweiten Vergleich nicht verstecken - viele der landesweit aktuell 20 ausgebildeten Strömungsretter seien Harzer. Allein elf folgten jetzt der Einladung zum Ausbildungsauftakt 2014.

Bevor DLRG-Mitglieder diese Königsklasse der Retter erklommen haben, müssten sie eine Reihe von theoretischen und praktischen Ausbildungskomponenten absolvieren, betont Anja Bresch. "Grundvoraussetzung ist die Rettungsschwimmer-Ausbildung. Ohne die geht gar nichts", erklärt die 22-Jährige, die in Halberstadt Verwaltungsökonomie studiert. "Anschließend können sich die Anwärter mit einem dreitägigen Grundkurs, dem sogenannten SR 1, zum Strömungsretter qualifizieren."

Neben dem sportlichen Teil - Männer müssen beispielsweise eine 2300 Meter lange Laufstrecke in maximal zwölf Minuten absolvieren und 400 Meter in Zeitvorgabe schwimmen - drehe sich ganz viel um die Theorie. "Vor allem die Seiltechnik ist das A und O", weiß Anja Bresch. "Die Knotenkunde muss man immer und immer wieder praktisch ausprobieren, sonst sind die richtigen und vor allem soliden Verbindungen ganz schnell wieder raus und die Routine geht verloren."

Aus gutem Grund: Im Einsatz sind verlässliche Knoten- und Seilverbindungen nicht nur für die Verunglückten, sondern auch für die Retter überlebenswichtig. "Wenn wir jemandem aus einem reißenden Fluss retten müssen, sichern wir uns entweder mithilfe von Bäumen oder untereinander per Seil", erklärt die DLRG-Sprecherin, die auch diese Ausbildung anpeilt. Um das eigentliche Opfer zu erreichen, werde ein Wurfsack genutzt - ein Sack mit eingelegtem Rettungsseil, der zum Opfer geworfen werde. Auf das präzise Zuwerfen kommt es bei den Einsätzen an - deshalb war auch diese Komponente Bestandteil der Jahresauftakt-Übung.

Anja Bresch und die Mitglieder der DLRG-Ortsgruppen im Harz sind zufrieden, dass die Ausbildung der Strömungsretter Schritt für Schritt vorankommt. "Nach der SR 1 können die Retter den Aufbaukurs SR 2 belegen und sich schließlich bis zur SR 3 - der Ausbilderbefähigung - qualifizieren", berichtet die 22-Jährige. Über jenes Zertifikat verfügen gegenwärtig nur zwei Sachsen-Anhalter: Anja Breschs Bruder Felix und Hendrik Cherubim. Die beiden Halberstädter sind Strömungsretter-Ausbilder des DLRG-Landesverbandes.

Mehr über DLRG in Sachsen-Anhalt im Internet unter www.sachsen-anhalt.dlrg.de

Bilder