Wernigerode. Die Irrfahrt des Schwedter Porsche-Fahrers auf dem Brocken hat kurz vor Weihnachten für viel Aufsehen gesorgt. Ein Einzelfall war sie aber nicht. "Der illegale Tourismus mit dem Auto auf den Brocken nimmt zu", sagt Friedhart Knolle von der Nationalparkverwaltung. Viele Autofahrer würden das Durchfahrtsverbot am Ortsausgang von Schierke missachten und auf die Brockenstraße fahren.

Zumindest tagsüber sei das allerdings nicht so einfach. "Unten an der Schranke sitzt ein Ranger. Wer durchfahren möchte, muss eine Ausnahmegenehmigung vorweisen, erst dann geht der Schlagbaum hoch", informiert Knolle. Problematisch werde es hingegen abends. Die Kreisverwaltung bestehe darauf, dass die Schranke, wenn die Ranger in Schierke in den Feierabend gehen, geöffnet werde und begründet dies damit, dass Rettungsfahrzeuge sonst nicht passieren könnten. "Wir möchten hingegen, dass die Schranke unten bleibt", sagt Knolle. Für Bergwacht und Feuerwehr kann sich die Nationalparkverwaltung ein elektronisches System vorstellen. Dabei könne die Schranke beispielsweise per Magnetkarte oder Fernsteuerung geöffnet werden.

Ingelore Kamann von der Pressestelle der Harzer Kreisverwaltung hat gegen diese Idee nichts einzuwenden. "Die Schranke gehört dem Nationalpark, wir möchten nur, dass Rettungskräfte im Notfall durchkommen. Aus unserer Sicht müsste dort gar keine Schranke sein, denn die Verkehrszeichen sind eindeutig", sagt die Pressesprecherin. Dass viele die Verbote ignorieren, findet sie schlimm. Man könne dem aber nicht mit vergrößertem Aufwand, etwa Blitzern, entgegentreten.

Wer das Durchfahrtsverbot ignoriert, wird zur Kasse gebeten. Spätestens auf dem Brockengipfel wird der Fahrer von einem Ranger empfangen und muss mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen. "Wir haben einige Wiederholungstäter. Bei denen kennen wir keine Gnade", sagt Knolle.

Nicht nur am Brocken sind unerlaubte Autofahrten ein Problem, auf den Forstwegen im Harzwald auch außerhalb des Nationalparks ebenso. "Aus Kostengründen wurden vielerorts die Schranken an Forstwegen abgebaut. Jetzt bleiben nur noch Schilder, die die Durchfahrt verbieten", sagt Knolle.

Um dem Problem Herr zu werden, wünscht sich die Nationalparkverwaltung mehr Engagement der Bürger: "Wenn Sie einen Autofahrer im Wald sehen, schreiben Sie Kennzeichen und Uhrzeit auf und melden das bei der Polizei", sagt Knolle. Der Grund für das Durchfahrtsverbot sei nicht nur ökologischer Natur. Wanderer hätten immer Vorrang vor Autos, auch vor denen, die mit einer Ausnahmegenehmigung unterwegs sind.