An der Johanniskirche in Wernigerode wird gearbeitet. Steinmetze setzen das sanierte Maßwerk eines Fensters wieder ein. Unklar ist, wie künftig die Verglasung gestaltet wird.

Wernigerode l Wer dieser Tage an der Johanniskirche entlanggeht, erblickt an der Ostseite ein Gerüst. Dort arbeiten Steinmetze an dem Kirchenfenster am Ostschluss des Chores. Seit dem gestrigen Montag setzen die Handwerker aus Quedlinburg das Maßwerk ein. Über die Feiertage und den Jahreswechsel ist die kunstvolle, filigrane Steinmetzarbeit restauriert worden. "Wir mussten das Fenster sichern", sagt Pfarrerin Heide Liebold von der Johannis-Kirchengemeinde der Volksstimme.

Das Problem: Das Maßwerk, mit dem die Fenster eingefasst sind, bröckelt. An manchen Stellen sind die Sandsteinstäbe bis auf schmale Stege abgeplatzt. Die Schäden bestehen seit langem. "Die Fenster sind bei dem Bombenangriff im Februar 1944 zu Bruch gegangen. Dabei wurden die Scheiben und der Stein beschädigt", sagt die Pfarrerin. Das am schlimmsten betroffene Fenster wurde deshalb vor den Weihnachten eingerüstet. In Teilen habe Einsturzgefahr bestanden, es musste schnell gehandelt werden, sagt Heide Liebold. Fensterglas und Sandsteinstäbe wurden herausgenommen, das Fenster innen mit Holz verkleidet. Die Kirchengemeinde bringt mehr als 5000 Euro auf, den Rest der etwa 10000 Euro teuren Bauarbeiten bezahlt die Stadtverwaltung Wernigerode. In gut einer Woche ist das spätgotische Maßwerk voraussichtlich wieder an seinem Platz.

Auch die Glasfenster müssten erneuert werden, um das wertvolle Interieur der Kirche zu schützen. "Das Sonnenlicht ist unser Feind", weiß Heide Liebold. 1944 wurden die Fenster mit einfachen Bleiglasscheiben ausgestattet, die keinen UV-Schutz bieten. Deshalb sind vor allem die Malereien auf der Rückseite des 600Jahre alten Schnitzaltars in Gefahr.

Derzeit wird in der Johannisgemeinde beraten, wie es weitergehen soll. Die vorhandenen Gläser könnten mit UV-Schutzfolie versehen werden. "Diese müsste aber nach einer bestimmten Zeit erneuert werden", sagt Heide Liebold. Möglich wäre ebenso, einfarbige Scheiben mit UV-Schutz einzubauen. Es könnten aber auch farbige Glasscheiben verwendet werden, die künstlerisch gestaltet werden. "Das wäre wohl die angemessenste Variante", sagt die Pfarrerin. An historischen Vorlagen kann sich die Gemeinde nicht orientieren, denn niemand weiß, wie die insgesamt sieben Kirchenfenster vor 1944 ausgesehen haben. Klar ist aber, dass sie alle erneuert werden müssten. "Wenn wir es schaffen, pro Jahr ein Fenster zu sanieren, wäre es gut", sagt Heide Liebold. Doch solange Konzept und Finanzierung fehlen, wird das Fenster am Chor mit einer Spanplatte bedeckt.

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