Eine weiße Damhirschkuh sorgt im Oberharz für seltene Anblicke. Passanten werden ebenso aufmerksam wie Jäger. Damwild gehört von Natur her nicht dorthin.

Elend l "Mutti, guck mal ein weißer Hirsch!" - dieser begeisterte Ruf eines Kindes dürfte in letzter Zeit öfter zu hören gewesen sein. Ob beim Wandern im Wald zwischen Tanne, Sorge und Elend, im Auto oder sogar in der Harzer Schmalspurbahn. Der Grund: Ein Rudel Damwild nutzt den Wald als Lebensraum und kreuzt immer wieder die Wege der Menschen. Selbst Erwachsene staunen.

Denn unter den bereits häufig gesichteten Tieren ist ein völlig weißes. Dabei handelt sich allerdings nicht um einen weißen Hirsch, sondern um eine Damhirschkuh, ein Alttier, wie Forstfachleute sagen. Die auffällige weiße Färbung sei eine der Spielarten der Natur, eine Pigmentstörung, wie sie auch bei anderen Tieren immer mal vorkomme. Aber selten sei es trotzdem, und die Aufmerksamkeit der Anwohner und Touristen sei verständlich. Ilona Scheller aus Elend gelang es sogar, die friedlich weidenden oder äsenden Tiere bei Wietfeld zu fotografieren. Das wird vielleicht nicht mehr lange möglich sein.

Denn diese Tiere sind laut Auskunft von Forstleuten aus einem Wildgatter in Tanne entlaufen. "Damwild gehört nicht zu den natürlich hier oben vorkommenden Wildarten", sagt Joachim Bauling, Chef des Forstbetriebes Oberharz, in dessen Revier das weiße Tier mit dem kleinen Rudel herumstreunt. Der Tiertrupp passe nicht ins Biotop und werde deshalb auch nicht so gern gesehen, so Bauling weiter. Damwild sei eher im Harzvorland, etwa im Huy bei Halberstadt heimisch. Im Oberharzer Revier werde deshalb versucht, die Damwildgruppe zu bejagen. "Aber das ist nicht so einfach", räumt Bauling ein. Die Tiere seien schlau und flink. Und eine gezielte Extrajagd solle nicht veranstaltet werden.