Blei kann das zentrale Nervensystem schädigen. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere, die Wasser aus Bleileitungen zu sich nehmen. Dass in Wernigerode noch alte Rohre vorhanden sind, hat Christian Riemann in seinem Keller festgestellt.

Wernigerode l Christian Riemann wohnt in der Rosa-Luxemburg-Straße in Wernigerode. Er ist überzeugt: In seinem Keller führt eine Bleileitung zum Zähler. Und das, obwohl seit dem 1. Dezember ein neuer Grenzwert (0,01 mg/l) für Blei im Trinkwasser gilt, der mit Bleihausanschlüssen in der Regel nicht mehr eingehalten werden kann. Die neue Trinkwasserverordnung schreibt den geringeren Wert aus gutem Grund vor: Blei ist ein Nervengift, kann über das Trinkwasser auf Dauer krank machen.

Auf einen Volksstimme-Artikel vom Dezember reagierte Riemann mit Erstaunen. Darin hieß es, alle bekannten Leitungen seien vom zuständigen Trinkwasserversorger - den Stadtwerken - ausgetauscht worden. "Ein Klempner versicherte mir, dass der Hausanschluss aus Blei ist und sagte, dass in Wernigerode noch richtige Bleischätze in Benutzung sind", so Riemann.

Richtig ist: In Wernigerode gibt es nach wie vor Bleirohre, denn die genaue Position der Leitungen ist den Stadtwerken oft nicht bekannt. Auf die Beteiligung der Betroffenen sei das Unternehmen deshalb dringend angewiesen. "Die Bürger sind unsere beste Informationsquelle", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Steffen Meinecke. "Trinkwasser ist eines der wichtigsten Lebensmittel, dessen sind wir uns voll bewusst."

Sobald Bleileitungen gemeldet sind, würden sie schnellstmöglich ausgetauscht, verspricht René Francke, Chef der Trinkwasserversorgung. 48Haushalte seien ihm zufolge zum Jahresende über die Sanierung ihres Hausanschlusses informiert worden. So sollen demnächst Leitungen Unterm Ratskopf, in der Friedrich-, Minslebener, Schäfer-, Koch-, Kleine und Große Bergstraße, Lüttgenfeld- und Grüne Straße, Am Mönchstieg und in der Steingrube ausgewechselt werden.

Eine gründliche Information der Bürger über Gesundheitsrisiken und präventive Maßnahmen habe Christian Riemann als Betroffener vermisst, kritisiert er. Bernd Segler vom Kreisgesundheitsamt sieht aber auch Hausbesitzer wie Riemann in der Pflicht, sich selbst kundig zu machen. "Im Kreisblatt hatte das Gesundheitsamt ein Merkblatt veröffentlicht", sagt er. "Die Leute müssen selbst Verantwortung übernehmen und uns oder die Stadtwerke im Zweifelsfall kontaktieren."

Ein Grund für die Verzögerung des Austauschs sei Meinecke zufolge der ständige Bau im Wernigeröder Straßennetz. So könnten auf Umleitungsstrecken - wie der Büchtingenstraße vor wenigen Wochen - keine Arbeiten der Stadtwerke stattfinden. "Wir versuchen, möglichst alle Leitungen in einer Straße mit einem Mal auszutauschen. Wir wollen nicht alle zwei Monate eine Straße aufreißen", sagt Meinecke. Bis zum November, so versichert er, soll es keine Bleileitungen mehr in Wernigerode geben.

Bernd Segler schätzt die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken derweil als "eng" und das Unternehmen als "bürgerfreundlich" ein. "Der Versorger unternimmt größtmögliche Anstrengungen", versichert er.

In den vergangenen fünf Jahren wurden über 700 Hausanschlüsse in Wernigerode saniert. Die Kosten liegen laut René Francke zwischen 2000 und 3000 Euro und werden von den Stadtwerken übernommen.

Bilder