Heute schon geknuddelt? Anlässlich des Weltknuddeltags am 21. Januar hat Volksstimme-Mitarbeiterin Uljana Klein ein Experiment gewagt. Mit dem Plakat "Gratis-Umarmung" ging sie auf Passanten in der Wernigeröder Innenstadt zu und schloss sie fest in ihre Arme. Die Reaktionen? Von fröhlich bis verschüchtert war alles dabei.

Wernigerode l Als am vergangenen Mittwoch der Anruf aus der Redaktion kam, ob ich ein Experiment in Wernigerode wagen und zum Weltknuddeltag Gratis-Umarmungen verteilen würde, dachte ich: "Die Kollegen spinnen." Nach einiger Bedenkzeit stimmte ich schließlich zögernd zu. Viele Gedanken hatte ich mir im Vorfeld gemacht: Was, wenn niemand meine Gratis-Umarmungen will? Darf man wildfremden Menschen wirklich so nahe kommen?

Am Sonnabend schlug dann meine große Stunde. Mit dem Plakat "Gratis-Umarmung" in den Händen und einem Lächeln auf dem Gesicht ging ich wahllos auf Passanten zu, bot ihnen einen festen Drücker an. Das Ergebnis des Experimentes: Vielen Menschen konnte ich ein Lachen entlocken. Mit so einer Aktion hatte kaum jemand gerechnet. Die Passanten zeigten sich außergewöhnlich zugänglich und machten bis auf wenige Ausnahmen nach einem kurzen Zögern spontan mit. Ich bin vor dem Rathaus auf freundliche und aufrichtige Leute, nette Worte gestoßen. Ich erlebte Spontaneität und Toleranz.

Die erste, die mir auf dem Marktplatz im wahrsten Sinne des Wortes in die Arme lief, war Karla Pöhlmann. "Wenn man Bekannte trifft, umarmt man sich schon. Aber mit einem Fremden habe ich so etwas noch nie erlebt", sagte die Elbingeröderin und lachte. Nicole Zielke, die in Bielefeld studiert, ließ sich ebenso von mir in die Arme schließen. "Das kommt sehr überraschend, aber es war nicht unangenehm", bilanzierte die junge Frau, die aus Wernigerode stammt.

Fragend, aber dann doch bereitwillig beteiligte sich auch Oda Reichert an dem Versuch. Die Geschäftsfrau aus Wernigerode zeigte sich positiv überrascht über so viele spontane und offene Menschen, von denen ich ihr berichtete.

Verblüfft ließ sich auch Marius Rothert zu einer Umarmung hinreißen. Auf die Frage, wie er sich nun fühle, antwortete der Wernigeröder: "Es hat sich nichts verändert."

Die Freundinnen Kimberley Pohland aus Langeln und Maxi Knorr aus Wasserleben berichteten: "Wir umarmen uns mit Freunden oft bei der Begrüßung." Aber die 13-jährigen Mädchen betonten auch, dass sie nicht mit jedem Menschen auf Kuschelkurs gehen. Spontan nahmen sich die zwei Freundinnen in die Arme.

Wie schön eine Zusatzumarmung selbst für Familien sein kann, bewiesen die Wernigeröder Sabrina und Christian Schwertner mit ihrem Söhnchen Max, als sie spontan die Arme ausbreiteten und sich alle drei herzlich liebkosten.

Mit dem Weltknuddeltag soll ein Trend zu mehr Zwischenmenschlichkeit und Nähe aufgezeigt werden, weg von Anonymität und Eigenbrötelei. Den Tag hatte der US-Pfarrer Kevin Zaborney im Bundesstaat Michigan 1986 erstmals ausgerufen. Später fand die Initiative Nachahmer in den USA, Kanada, England, Polen und auch in Deutschland.

Der Tag des Knuddelns soll in der dunklen Jahreszeit daran erinnern, wie angenehm doch eine Umarmung sein kann und was es bedeutet, wieder einmal Gefühle zuzulassen. Laut Erfinder sollten die Umarmungen eigentlich Menschen gelten, die man kennt. Inzwischen haben sich vielfältige Aktionen zum Weltknuddeltag entwickelt - selbst virtuelle Knuddeleien werden über das Internet verteilt. Bestimmt haben auch im Umfeld der Leser heute einige liebe Menschen eine dicke Umarmung verdient.

   

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