Wernigerode l Olaf Kürbis vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hatte von Anfang an den richtigen Riecher. Als sich Ende November plötzlich in der Zufahrt zum Schloss Wernigerode ein Loch aufgetan hatte, dachte er gleich an einen Brunnen. Nun hat sich diese Vermutung, die er zunächst schnell verworfen hatte, bestätigt. "Der Brunnen stammt von Ende des 15. oder Anfang des 16.Jahrhunderts und ist in alten Unterlagen verzeichnet", sagt Kürbis. "Für die Geschichte von Burg und Schloss Wernigerode ist das ein wichtiger Fund." Zunächst hatten die Experten angenommen, es handele sich um einen Wehrturm (Volksstimme berichtete).

Schlossgeschäftsführer Christian Juranek musste angesichts der Belege seine Meinung ändern. "Der Brunnen lässt sich aktenkundig nachweisen", sagt er. Vermutlich habe dieser von Anfang an nicht genug Wasser geliefert. "Unter dem Schloss gibt es keine wasserführenden Schichten." Deshalb war im 18.Jahrhundert, nach mehreren Brunnenbauversuchen, eine Wasserleitung gelegt worden.

Vermutlich sei der Brunnen bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts außer Betrieb gesetzt worden. "Man hat ihn sicherlich komplett verfüllt, aber das Erdreich nicht verdichtet", sagt Olaf Kürbis. Dadurch könnte sich das Erdreich abgesenkt haben, was das Loch erklärt.

Dieses ist derzeit mit einer Stahlplatte abgedeckt, sodass die Zufahrt zum Schlossinnenhof gefahrlos genutzt werden kann. Doch auf Dauer ist das keine Lösung, sagt Gerlinde Brammer vom Bauamt der Wernigeröder Stadtverwaltung. "Das geht maximal sechs Monate, hat uns der Statiker mitgeteilt. Wir müssen deshalb handeln", erklärt sie. Zusätzlich muss der Fund archäologisch dokumentiert werden. Derzeit ist unklar, wie die Stelle künftig gestaltet werden könnte und - noch wichtiger - woher das Geld dafür kommen soll.