Wernigerode l Was soll aus der Breiten Straße werden: Fußgängerzone, teilweise Fußgängerzone, Spielstraße, Tempo-20-Zone, "Shared Space" oder Fahrradstraße? Diese Frage hat die Redaktion der Harzer Volksstimme auf Facebook gestellt und zahlreiche Reaktionen erhalten.

Unter dem Aufruf "Helft dem Stadtrat bei seiner Entscheidung" beteiligten sich bei der Internetumfrage insgesamt 45 Frauen und Männer.

Von ihnen sprach sich die deutliche Mehrheit (25) dafür aus, die Breite Straße weiterhin als verkehrsberuhigten Geschäftsbereich, also Tempo-20-Zone, zu belassen. Dieser Ansicht sind unter anderem René Petsch, Thomas Schatz (Linke), Nadine Matzke, Christian Reinboth (CDU) und André Weber (CDU) aus Wernigerode.

"Allerdings mit baulichen Maßnahmen zur Verbreiterung der Gehwege und einer klaren Trennung von Fahrzeugverkehr und Fahrradfahrern", wie Stadtrat Weber betont. "Statt ewig über Tempo-20-Zone oder Spielstraße Scheindebatten auszufechten, muss geplant und gebaut werden."

Nadine Matzke regt an, die Straße zusätzlich mit Tempoblockern zu versehen. "Leider nutzen ja viele das Stück zum Rasen", so die Wernigeröderin.

Für eine Tempo-20-Zone ist auch Frank Brüchert. "Man kommt doch so schon kaum durch Wernigerode. Ich muss zu Stoßzeiten aus dem Mühlental in Richtung Ilsenburg und umgekehrt", berichtet er. "Die Bachstraße ist morgens eine Katastrophe. Wenn die Schleichwege dicht gemacht werden, geht gar nichts mehr."

Lediglich drei Befürworter fanden sich für eine Spielstraßen-Variante - an sich eine Lösung für Wohngebiete. Darunter Thomas Storm, der in der Breiten Straße lebt und arbeitet.

"Wir haben ein Anrecht auf den Ausbau der letzten Innenstadtstraßen."

Thomas Storm

"Bei einer Spielstraße ist es weiterhin möglich, die Straße zu befahren", erklärt er. Wem das zu langsam ist, der könne auf Bundes- und Landesstraßen ausweichen, so Storm: "Ilsenburg und Bad Harzburg zeigen, dass eine Umsetzung möglich ist." Seine Hoffnungen ruhen besonders auf einer zeitnahen baulichen Umgestaltung. Das Thema "Breite Straße" gehe mittlerweile ins dritte Jahr. "Da merkt man, wie langsam sich die Behördenräder drehen", stellt er fest. "Keiner will eine Entscheidung zum Verkehrskonzept treffen. Wir haben ein Anrecht auf den Ausbau der letzten Innenstadtstraßen."

Sechs Bürger stimmten für den "Shared Space" (engl. für gemeinsam genutzter Raum), sprich überhaupt keine Schilder, oberstes Gebot ist die gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer aufeinander.

Neun Frauen und Männer wünschen sich eine komplette Fußgängerzone, während zwei Wernigeröder eine Teillösung von Fußgängerzone mit Spielstraße befürworten. "Ich habe das in all den Jahren zu Fuß geschafft und lebe immer noch", schreibt Hans-Christian Anger, der sich gut vorstellen kann, dass in der Breiten Straße ein Boulevard entsteht.

Ricky Becker ist es derweil egal, was aus der Straße wird: "Wird die Strecke dicht gemacht, werde ich einfach bestimmte Stellen und Geschäfte nicht mehr anfahren. Der Nutzen einer Fußgängerzone für die Anwohner und Fußgänger ist höher als mein Verlust."

Im jüngsten Ordnungsausschuss ist das innerstädtische Verkehrskonzept diskutiert worden. Dabei kamen auch die sechs Varianten auf den Tisch. Sie waren bereits vor einem Jahr von dem beauftragten Ingenieurbüro vorgestellt worden.

"Dass der Ausschuss die Gretchenfrage stellt, ist endlich mal ein Signal."

Matthias Winkelmann

Geht es nach Siegfried Siegel (SPD), soll der Stadtrat zunächst zwischen diesen sechs Lösungen wählen - und damit die "Gretchenfrage" zur Zukunft der Breiten Straße entscheiden. Erst wenn diese Kernfrage geklärt sei, so Siegel, könne ein Konzept für die restliche Innenstadt erarbeitet werden.

Goldschmied Matthias Winkelmann engagiert sich wie Thomas Storm für eine Veränderung in der Straße. "Dass der Ordnungsausschuss die ¿Gretchenfrage\' stellt, ist endlich mal ein Signal", findet Winkelmann, der in der Straße einen Laden betreibt. Ihm zufolge sei es mittlerweile "fünf vor zwölf".

"Geschäfte lassen sich immer schwerer vermieten und der Leerstand hat aktuell die bisher höchste Quote erreicht. Und das, obwohl sich hier viele Sehenswürdigkeiten unserer Heimatstadt befinden." Sein Wunsch: Den Boulevard bis zur Einmündung Große Schenkstraße verlängern bei verkehrsberuhigter Weiterführung bis zur Stadtecke.

Für eine Fahrradstraße sprach sich niemand aus.