Wernigerode l Nach einem Sturm sieht Wernigerode oft wüst aus. Müllfetzen hängen in den Bäumen. Tetra-Paks liegen auf den Gehwegen. Für viele ist der Schuldige der Abfallflut schnell gefunden: der Gelbe Sack.

"Mir ist aufgefallen, dass diese Säcke in Wernigerode wieder zu einem Problem werden. Sie sind instabil, reißen sofort ein, gerade wenn draußen etwas mehr Wind ist", schreibt etwa eine Nutzerin im sozialen Netzwerk Facebook, wo die Diskussion um den Gelben Sack in vollem Gange ist. Viele Nutzer fordern stabilere Säcke oder eine Gelbe Tonne. Einige Wernigeröder Stadträte trugen die Debatte aus dem Internet in den Ordnungsausschuss, wo das Thema von Politikern und Verwaltungsmitarbeitern ebenfalls heiß diskutiert wurde.

Fakt ist: Die Stadtverwaltung selbst kann nicht über die Beschaffenheit der Säcke bestimmen. Für die Entsorgung der Verpackungsreste ist die Entsorgungswirtschaft Harz (enwi) zuständig. Das öffentliche Unternehmen schreibt wiederum einige Dienstleistungen aus. Den Einkauf der Säcke habe die Nordharz-Entsorgung in Reddeber übernommen, erklärt enwi-Vorstand Michael Dietze. In Reddeber werde darüber entschieden, welche Säcke gekauft werden. Bei der Qualität der Behältnisse gebe es Mindestanforderungen, sagt dazu Hendrik Strutz, der Einsatzleiter des Entsorgungsbetriebs. Er habe die Wahl zwischen verschiedenen Qualitäten.

Gelbe Säcke werden zweckentfremdet


"Wenn man wirklich nur Leichtverpackungen in den Sack gibt und am besten noch scharfe Kanten abknickt, dann hält er auch", sagt Strutz. Würden die Säcke mehr als die Mindestanforderung an Reißfestigkeit erfüllen, dann wären sie teurer.

"Wir kaufen jedes Jahr zehn Millionen Säcke, erhalten aber nur sieben Millionen zurück. Die Leute verwenden sie oft auch für Laub oder normalen Hausmüll", sagt Hendrik Strutz. Wären die Säcke stabiler, würden sie wohl noch häufiger zweckentfremdet, meint er.

Strutz sieht die Schuld für die Vermüllung auch bei den Nutzern selbst. "Wenn die Säcke schon Tage vor dem Abholtermin zu den Sammelplätzen gebracht werden, ist es kein Wunder, dass sie von Tieren aufgerissen werden", sagt der Einsatzleiter.

Das bestätigt Gartenamtsleiter Frank Schmidt. Seine Mitarbeiter müssen vor allem nach Stürmen regelmäßig ausrücken und die Stadt vom Müll befreien. Deshalb versuche die Stadt, die Entsorgungswirtschaft zur Anschaffung haltbarerer Säcke zu bewegen. "Regelmäßig gibt es eine Gesprächsrunde zwischen der Stadt, der Nordharz-Entsorgung und enwi", erklärt Schmidt. Anregungen könne die Stadtverwaltung dabei immer vorbringen. Umsetzen müssten die Entsorger diese jedoch nicht.

Nur mit einer Grundsatzentscheidung könne Wernigerode daran etwas ändern. "Die Entsorgungswirtschaft möchte, dass die Stadt sich für ein System entscheidet, entweder Gelbe Tonne oder Gelber Sack", so Schmidt. Die Stadtverwaltung favorisiere die Tonnen, um Reinigungskosten zu sparen. Jedoch würden viele Einwohner den Gelben Sack behalten wollen - in der dicht bebauten Innenstadt sei wenig Platz für die Tonnen. "Der Stadtrat könnte aber die Einführung der Gelben Tonne jederzeit beschließen", so der Gartenamtsleiter.

Viele Kommunen setzen auf die Wertstofftonne

Viele Kommunen haben das Sack-Tonne-Problem bereits gelöst und die neue Wertstofftonne eingeführt. Darin wird nicht mehr nur der Verpackungsmüll, sondern sämtlicher Metall- und Plastikabfall, genauso wie kleine Elektrogeräte oder Zahnbürsten, entsorgt. Die Tonne sorgt gleichzeitig aber für Streit zwischen privaten und öffentlichen Entsorgern. Was gehört hinein, und wer verdient letztendlich an den weggeworfenen, aber dennoch wertvollen Rohstoffen wie Metall und Plastik?

Im Harz sei die Wertstofftonne derzeit kein Thema, sagt Entsorgungswirtschaft-Vorstand Michael Dietze. "Diese Tonne ist nur eine Kann-Variante. Um sie vorzuschreiben, bedarf es eines gesonderten Wertstoffgesetzes." Und das gibt es bisher nicht. Zudem lohne sich die Entsorgung per Wertstofftonne für das Unternehmen wirtschaftlich nicht, so Dietze. Den gesetzlichen Vorschriften zur getrennten Sammlung von Wertstoffen komme man dadurch nach, dass auf den Entsorgungshöfen Container für Metalle, Plastik und andere Stoffe zur Verfügung stehen.

Der Stadtpolitik in Wernigerode sind übrigens in Sachen Wertstofftonne die Hände gebunden. "Die Einführung der Tonne müsse erst die Entsorgungswirtschaft vorschlagen", informiert Frank Schmidt.

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