Im Schachdorf Ströbeck regt sich Unmut. Nach dem medienwirksamen ersten Spatenstich zum Bau eines Solarstromunternehmens hat sich vor Ort nichts getan. Die Ströbecker fühlen sich verschaukelt.

Schachdorf Ströbeck l Großer Bahnhof im XXL-Niveau im Schachdorf Ströbeck: Als die Verantwortlichen der Hallstrom Holding GmbH Ende August vorigen Jahres den ersten Spatenstich für ihr Businesspark-Harz-Projekt planten, konnte die Teilnehmerliste nicht prominent genug sein. Neben Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) griffen schließlich auch der amtierende Landrat Martin Skiebe (parteilos) und Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) vor laufenden Kameras und im Blitzlichtgewitter zum Spaten. Sie versenkten Bauzeichnungen und Unterlagen rund um das 13-Millionen-Euro-Projekt, die in einem orangefarbenen Abwasserrohr deponiert worden waren, im Erdreich.

"Wir sind sehr gespannt auf die Informationen der Investoren in der Ratssitzung am Montag."

Jens Müller (SPD), Ortsbürgermeister

im Schachdorf Ströbeck

Die Euphorie jenes Sommertags ist längst der Ernüchterung gewichen. Vor Ort ist binnen fünf Monaten nichts passiert, der Acker liegt brach. Auch hinter den Kulissen ist nichts erkennbar: Kein Eintrag der Hallstrom Holding GmbH ins Handelsregister und folglich auch kein Grundstücksverkauf, weil dieser laut Ratsbeschluss erst nach dem Eintrag ins Handelsregister möglich sei, wie Ströbecks Ortsbürgermeister Jens Müller (SPD) erinnert. Obendrein gibt es nach den Worten von Behördensprecherin Ingelore Kamann auch keinen Bauantrag im Kreisamt.

Stattdessen mehren sich vor Ort Kritik und Unmut. Mit Spannung wird die Sitzung des Ortschaftsrates am heutigen Montag, 27. Januar, erwartet. Ab 18.30 Uhr werden Vertreter der Hallstrom-Holding im Museumssaal die Gelegenheit erhalten, öffentlich über den Fortgang des Projektes zu berichten. "Wir sind sehr gespannt", bringt es Ortsbürgermeister Müller diplomatisch auf den Punkt. "In der vergangenen Ratssitzung waren auch Vertreter der Holding anwesend und präsentierten uns eine Märchenstunde."

Wer mehr als Märchen hören will, muss nur Handwerkern und Dienstleistern sein Ohr leihen. Viele sind inzwischen stinksauer auf die handelnden Personen der Holding.

Martin Bitzmann, Verleiher von Zelten und Partyzubehör aus Quedlinburg, ist einer der Betroffenen. "Ich hatte damals im August in Ströbeck ein Zelt stehen und bin nach meiner Kenntnis der Einzige, der Geld bekommen hat. Vermutlich nur, weil ich Vorkasse verlangt habe." Ihm selbst sei alles "höchst suspekt" vorgekommen, erinnert sich der Unternehmer, der nach eigenen Worten seit 20 Jahren im Geschäft ist. "Ich denke, ich kann Leute ganz gut einschätzen - hier hatte ich von Anfang an ein ungutes Gefühl."

Deshalb ließ Bitzmann damals nichts anbrennen: "Als ich am Tag vor dem ersten Spatenstich den Zeltboden anlieferte, habe ich ganz klar gesagt, dass das Zelt nur kommt, wenn vorab das Geld auf dem Konto ist. Notfalls", sagt Bitzmann, "hätte Minister Möllring halt auf der grünen Wiese gestanden. Ich lass mich da nicht blenden - einen Minister kann jeder einladen." Der Druck wirkte, Stunden später seien die gut 2000 Euro auf Bitzmanns Konto gewesen. Der baute das Zelt auf und ersparte den Machern so womöglich die erste Blamage.

Werner Abel vom gleichnamigen Festservice in Derenburg zahlte indes einiges an Lehrgeld, wie er berichtet. Abel baute im Auftrag von Falk Hofmann, gewissermaßen der Holding-Mann vor Ort, zum Schachfestival zwei Zelte auf, Kostenpunkt knapp 1000 Euro. Was wohl als nettes Sponsoring für die Ströbecker gedacht war, sei für ihn finanziell nach hinten losgegangen, erzählt Abel: "Das Geld habe ich nie gesehen. Stattdessen hat mir eine Ströbeckerin am Ende 250 Euro gegeben, damit ich wenigstens meine Personalkosten drin habe. Sagen wir es mal so: Den Restbetrag habe ich dem Schachverein gestiftet."

Erzählen kann auch der Ströbecker Metallbauer Michaelis einiges. Dort war das Baustellenschild gefertigt und zum ersten Spatenstich aufgestellt worden. Alles sei recht kurzfristig über die Bühne gegangen, heißt es von der Geschäftsführung. "Das Schild war deshalb erstmal provisorisch aufgestellt worden und sollte - nach Zahlen der Rechnung - solide montiert werden", ist in dem Ströbecker Betrieb zu erfahren. Da das Geld bislang nicht geflossen sei, werde das Schild nicht montiert.

"Von meinen 1000 Euro habe ich am Ende 250 Euro bekommen. Den Rest habe ich dem Schachverein gestiftet."

Werner Abel, Zeltverleiher und Servicedienstleister aus Derenburg

In Ströbeck, heißt es aus der Firmenleitung, seien viele richtig sauer - auch darüber, dass Land, Kreis und Stadt sich so vorführen ließen. "Da wird ein Minister hierher chauffiert - prüft man das nicht vorher?"

Aus dem Magdeburger Ministerium hieß es am Freitag, dass vor dem feierlichen ersten Spatenstich Ende August keine Tiefenprüfung erfolgt sei, weil der Investor ja ohne Fördermittel arbeiten wolle. Anhand der vorliegenden Fakten und der Einladung habe es keinen Anlass gegeben, an den Plänen der Investoren zu zweifeln, so Möllrings Sprecherin Franziska Krüger. Deshalb sei der Minister der Einladung gefolgt.

"Das Projekt in Ströbeck geht weiter mit großen Schritten voran."

Jörg Menyesch, Sprecher der Hallstrom Holding GmbH

Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke erinnerte daran, dass man die Ansiedlungsvoraussetzungen rasch schaffen wollte. Gerade größere Projekte dauerten eben auch mal länger. Nun sei man gespannt auf die Ausführungen im Ortschaftsrat.

Hallstrom-Sprecher Jörg Menyesch versprühte am Freitag Optimismus: "Das Projekt geht weiter mit großen Schritten voran", sagte er. Details zum aktuellen Projektstand sollte Falk Hofmann liefern - bis zum Redaktionsschluss am Freitag blieb dies aus.

Falk Hofmann meldete sich erst am Freitagabend und versicherte, dass das Projekt in Ströbeck fortgesetzt werde. Er kündigte neue Informationen für die heutige Ratssitzung an. Überdies, so Hofmann, würden Investoren und Stadtverwaltung in den nächsten Tagen gegenüber der Volksstimme ausführlich über den aktuellen Stand der Dinge berichten.