Das leerstehende Hotel "Heinrich Heine" in Schierke befindet sich in einem schlechten Zustand, müsse aber nicht abgerissen werden. So hat es Frank Beimel vom Wernigeröder Bauamt im jüngsten Schierke-Ausschuss zusammengefasst.

Wernigerode/Schierke l Von einem Kran haben sich Bauarbeiter abgeseilt, um das Dach des Hotels "Heinrich Heine" in Schierke zu reparieren. Die Dachfläche der Hotelruine sei stark zerklüftet, sagte Frank Beimel vom Wernigeröder Hochbauamt im jüngsten Schierke-Ausschuss. "Überall Kehlen, Gauben, Fenster. Das ist zwar optisch interessant, aber auch Grund für die Bauschäden." Regenwasser würde sich an vielen Stellen sammeln und in das Gebäude eindringen. "Wände und Decken weichen auf. Schimmel, Algen und Pilze breiten sich aus, Gebäudeteile stürzen ein."

Das Hotel steht seit 1995 leer. Im Juli 2013 erwarb die Wernigeröder Stadtverwaltung das Haus samt 25 000 Quadratmeter großem Grundstück. Laut Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) gebe es Investoren, die an dem Grundstück interessiert sind. Jedoch wollen die Stadt und das Land das Haus nicht abreißen, sondern retten und alle Möglichkeiten zur Rekonstruktion nutzen. Ziel sei es, einen Investor zu finden, der die historischen Elemente in einem neuen Hotelkomplex vereint.

Wernigerodes Lokalpolitiker diskutierten in vergangenen Sitzungen bereits heftig über Sinn und Nutzen dieser Rettung. Im Dezember stimmten die Stadträte dennoch mehrheitlich dafür, die Ruine für 73 000 Euro notdürftig zu sichern. Das Geld stammte aus dem Landesförderprogramm Stadtumbau Ost. In den letzten Wochen wurden das Dach geflickt, der Wasserablauf verbessert, einsturzgefährdete Elemente gestützt. "Außerdem haben wir die Fenster geöffnet", informierte Frank Beimel. "Wenn Luft ins Gebäude dringt, hört der Pilz auf zu arbeiten. Er ist zwar nicht tot, aber er richtet erst einmal keinen Schaden mehr an." Polster, Teppiche und Stoffbezüge, die Nährboden für Pilze bieten, seien zudem aus dem Hotel entfernt worden.

"Damit haben wir Zeit gewonnen", so der Bauexperte. Das Gebäude sei "augenscheinlich in einem schlechten Zustand, aber nicht abbruchwürdig". Das habe ein Statikexperte bestätigt, der alle Teile des Hauses besichtigt hat. Der Gutachter habe darüber hinaus alte Bauunterlagen durchforstet. Das Hotel habe in seiner 115-jährigen Geschichte mehrere Umbauten, Erweiterungen und Rückbauten erlebt.

"Wir mussten herausfinden, wie das Gebäude überhaupt funktioniert."

Frank Beimel, Bauamt

"Wir mussten herausfinden, wie das Gebäude überhaupt funktioniert", so Frank Beimel. Die nächsten Schritte seien nun eine Dokumentation zum Ist-Zustand und ein Substanzgutachten. "Welche Gebäudeteile müssen abgerissen werden? Welche Bereiche sind wertvoll und erhaltenswert?" So seien zum Beispiel die Malereien des Künstlers Bert Heller in der einst legendären Nachtbar "Dachsbau" in einem erstaunlich guten Zustand.

Was aus den Kunstwerken werde, wollte Schierkes Bürgermeisterin Christiane Hopstock (CDU) wissen. "Restauratorisch ist es kein Problem, die Bilder abzunehmen und danach irgendwann wieder anzubringen", erklärte Beimel. Helmut Porsche (Haus und Grund) und Thomas Schatz (Linke) fragten nach den Kosten für weitere Reparaturen und Gutachten. "Ich habe dazu nichts im Haushaltsentwurf gefunden", so Schatz. "Das ist richtig", sagte Baudezernent Burkhard Rudo. "Derzeit nutzen wir ein Budget aus bewilligten Mitteln, das wir für kurzfristige Sicherungsarbeiten und die Gutachten einsetzen. Wenn das Geld alle ist, hören wir auf." Eine grundhafte Sicherung sei im Moment nicht vorgesehen. "Wir wollten nur den Verfall stoppen", so Rudo.

   

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