Gute Nachrichten für Gartenbesitzer: Gießwasser kann künftig wieder unkompliziert von der Abwasserrechnung abgesetzt werden. Der Wasser- und Abwasserverband Holtemme-Bode, die Stadtwerke und Haus Grund haben dazu einen Vertrag unterzeichnet.

Von Julia Bruns

Wernigerode l Noch hält der Winter Einzug, doch das Frühjahr steht bereits vor der Tür. Wird es wärmer, sollte auch der Garten bewässert werden. Da Gießwasser nicht dem Abwassernetz zugeführt wird, kann es von der Schmutzwasserrechnung abgesetzt werden. Immerhin 1600 Haus- und Gartenbesitzer im Gebiet des Wasser- und Abwasserverbandes Holtemme-Bode (WAHB) nutzen diese Möglichkeit.

Alles, was sie dafür brauchen, ist ein sogenannter Minderungszähler, mit dem sie die Gießwassermenge nachweisen. Dank eines Kooperationsvertrags zwischen den Stadtwerken, dem WAHB und dem Eigentümerverband Haus Grund können Gartenbesitzer in Zukunft wieder eigene Minderungszähler zum Nachweis der Wassermenge verwenden.

Der Kooperation, die von Stadtwerke-Geschäftsführer Steffen Meinecke, Torsten Graf von Haus Grund und WAHB-Chef Nikolai Witte schriftlich besiegelt wurde, ist eine hitzige Debatte zwischen Gartenbesitzern und dem Abwasserverband vorausgegangen (Volksstimme berichtete mehrfach).

Kern des Streits war eine Neuregelung des WAHB vor knapp einem Jahr, gegen die sich eine Initiative von Hauseigentümern positionierte - an ihrer Spitze der Wernigeröder Dr. Volker Thurm.

Der neuen Regelung zufolge durften noch vom Verband geeichte und von diesem kostenpflichtig eingebaute sowie gemietete Zähler (26,40 Euro pro Jahr) verwendet werden. So sollte der Manipulation des Zählerstands der Riegel vorgeschoben werden. Zudem wird seitdem eine Verwaltungsgebühr (10,25 Euro) für das Einpflegen der übermittelten Daten fällig.

Durch diese Extra-Kosten lohnte sich ein Minderungszähler erst ab einem Verbrauch von mindestens 12 Kubikmeter Wasser. Für betroffene Gartenbesitzer "reiner Wucher", urteilte damals Volker Thurm.

Er war einer der ersten, die sich öffentlich gegen die neue Regelung des Verbands ausgesprochen hatten. Es folgten Briefwechsel, Aussprachen mit Verbandschef Nikolai Witte und Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos), der als Vorsitzender der Verbandsversammlung angehört. Das Gremium hatte die Klausel 2012 beschlossen.

Mit der Vertragsunterzeichnung ist der Streit um die Auflagen für die Nutzung von Minderungszählern nun beigelegt worden. Die Lösung: Künftig werden die Stadtwerke-Mitarbeiter den fachgerechten Einbau garantieren, den Stand des Minderungszählers bei den Kunden im Garten ablesen, und die Daten dem Abwasserverband in Silstedt melden. Für die Stadtwerke bedeute das nur einen geringen Mehraufwand, sagt Steffen Meinecke: "Bei mehr als 13000 Wasserzählern, die die Stadtwerke-Kollegen ablesen, werden wir die wohl auch noch schaffen." Er hatte den Vertrag ausgearbeitet, der für Kunden nach Ablauf der Eichfrist ihrer Bestandszähler in Kraft tritt. Eine Mitgliedschaft bei Haus Grund ist nicht erforderlich.

Unklar ist noch, inwiefern die Bearbeitungsgebühr von 10,25 Euro verringert wird. "Darüber wird die Verbandsversammlung beraten", erklärte WAHB-Chef Witte. "Es wird aber keine Reduzierung auf Null Euro geben."